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Hausschild Gochsheim Heimatverein

Gochsheim | Schild. Bürger. Heimatverein.

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Icon-Stadtmagazin WILLI Reportage | Über 300 Jahre altes Kunstwerk unversehrt
Michael Staudte vom Heimat- und Museumsverein Kraichtal (l.) und Bürgermeister Ulrich Hintermayer

Das massive Eichenschild, das seit 1715 das Anwesen Hauptstraße 82 in Gochsheim schmückte, hat eine wechsel­volle Geschichte hinter sich. Seit dem Brand 2015 galt es als verschollen. Nun wurde es „wieder­gefunden“ und feierlich an den Heimat- und Museums­verein Kraichtal übergeben.

„Das Schild war bei der Stadt sicher gelagert“ sagt Bürgermeister Ulrich Hintermayer bei der feierlichen Übergabe des Artefakts aus massiver Eiche an Michael Staudte, den Vorsitzenden des Heimat- und Museumsvereins (HuMV) vor 30 Interessierten im Gochsheimer Schlosshof am 13. August. Die barocke Schnitzarbeit in den Maßen 160 mal 70 Zentimeter thront frisch wie am ersten Tag auf dem Tisch zur Präsentation. Mit der Übergabe endet vorerst die Irrfahrt des Schildes.

Brandgeruch begleitet auch die Kraichtal-Stadt Gochsheim durch die Zeitläufte. Was der Dreißigjährige Krieg nicht schafft, besorgen die Franzosen im Pfälzer Erbfolgekrieg 1689, die Gochsheim bis auf die Grundmauern niederbrennen. Ein Vierteljahrhundert später – es ist wieder Gründerzeit – wird das Haus in der Hauptstraße 82 erneut aufgebaut. Im gleichen Jahr auch, in dem sich der badische Markgraf Karl Wilhelm seine Idealstadt erträumt und als Karlsruhe entstehen lässt.

„ANO DOMNI 1715 / FRITERIG ALBRECH CONRAT / SVFINA REGINA CONERATIN“ verrät das Schild die Namen seiner Erbauer, Friedrich Albrecht Conrad, geboren 1664 in Waldangeloch und dessen zweiter Ehefrau Sofia Regina, vormals Strölin. Das ovale Schriftfeld, von Voluten und Akanthusblättern eingerahmt, gekrönt von einem bunten Zunfthut mit Edelsteinen zeigt zudem das Handwerkszeichen des Glasers. Conrad bekleidete – neben seinem Beruf als Fensterbauer und Pachtmüller der Talmühle – auch öffentliche Ämter, unter anderen die des Bürgermeisters und des Inspekteurs der Stadtwaldungen, wie Helmut Will vom HuMV berichtet.

Weder der große Stadtbrand von 1739 noch die Weltbrände danach konnten dem Schild über die Jahrhunderte etwas anhaben. Um 1997 ist die Glückssträhne zuende, das Gebäude bekommt eine neue Fassade in Form einer Zementplattenverkleidung verpasst, die keine weitere Verwendung für das Schild vorsieht. Bevor eine Axt ihr Werk vollenden kann, nimmt ein Nachbar das Schild geistesgegenwärtig an sich. Der HuMV lässt das Schild auf seine Kosten für rund 2 000 Euro durch einen Restaurator in altem Glanz erstrahlen. Nicht lange, bis am 4. Dezember 2015 mal wieder der rote Hahn auf dem Dach wütet und das Haus erneut komplett zerstört.

Jetzt ist die Stadt schneller und stellt das – wie durch ein Wunder unversehrte Schild – sicher. Bald darauf ist es, gerüchteumrankt, unauffindbar. Doch Mitte Juli entdecken Mitarbeiter, so Bürgermeister Hintermayer, „in einem städtischen Gebäude in Oberöwisheim, wo auch andere Dinge lagern“ an einer Stelle etwas Farbiges, Hölzernes, Geschnitztes… Nun soll schon bald das Schild öffentlich präsentiert und zur Besichtigung freigegeben werden.

Text: Jürgen Hotz, Bilder: egghead

Erstveröffentlichung in RegioMagazin WILLI 09/19

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