Obergrombach | Bogenbau im Stil der keltischen Ahnen

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19.04.2020 | Für Andrea und Michael Seidt beginnt dann der Saisonstart, wenn für den Rest der Arbeitswelt das Jahr zu Ende geht: Ab Dezember, in der vegetationsarmen Zeit widmen sie sich dem Bogenbau, wie ihn schon unsere alten Vorfahren kannten. 

Wie alles begann …

Das Ehepaar Seidt, besuchte im Jahr 2010 erstmals einen Bogenbau-Kurs bei Bogenbauer Thomas Carl (Schüler von Konrad Vögele, Gewinner der Deutschen Meisterschaft im Bogenschießen der Jahre 2006 und 2008) in Bruchsal.

In diesem Kurs fertigten sie einen sogenannten “semipyramidalen Flachbogen” aus Eschenholz. Übrigens sind beide Bogen auch heute noch in Aktion und schießen zuverlässig. Der Kurs von Thomas Carl löste in beiden so eine Begeisterung aus, dass beide im folgenden Frühjahr einen zweiten Kurs buchten, diesmal aber zum Bau eines Stabbogens im Design der Englischen Langbogen aus Eibenholz.

Nach dem Besuch der Kurse war es um das Ehepaar Seidt geschehen: Beide wussten, was ab jetzt zu tun war. Ihrer Leidenschaft nachgehen und immer weiter Bogen bauen. So ging also einige Zeit ins Land und es wurden zahlreiche Bogen von beiden hergestellt, wenn auch unter Betrachtung einiger “Fehlschüsse”. 2012 war es dann endlich so weit: Andrea und ihr Ehemann konnten eine richtige Bogenbau-Werkstatt einrichten. Der Grundstein war also gelegt.

Durch das Errichten einer eigenen Werkstatt war nicht nur der erste Schritt zur Eigenständigkeit gemacht, mit der nun der Bogenbau offiziell als Gewerbe angemeldet wurde, sondern auch die Grundlage für die notwendige Weiterbildung gelegt. Das Erarbeiten von eigenen Erfahrungen, die durch keine einschlägige Fachliteratur ersetzt werden kann. (Die sich aber übrigens auch im Fundus der Werkstatt findet.) Das Ehepaar wird nun außerdem von Thomas Carl höchstpersönlich unterstützt: Seit 2013 ist es den beiden Ehre und Freude zugleich, in ihrer Werkstatt Gastgeber für die Bogenbaukurse von ihm zu sein.

Der Weg zum Bogen

Im Winter suchen Förster und Forstwirte in den Wäldern Obergrombachs mit Andrea und Michael zusammen nach geeignet erscheinenden Bäume in den passenden Dimensionen. Diese Bäume werden dann vom Ehepaar gekauft, fachgerecht gefällt, abgelängt und nach Hause, in die Werkstatt, transportiert. Dort angekommen werden sie mit der Spaltaxt und Keilen der Länge nach gespaltet, entrindet und vom Kambium befreit.

Anschließend werden die Enden versiegelt und das Holz wird eingelagert. Die erste und letzte Maschine auf dem langen Weg zum fertigen Bogen ist die Motorsäge, welche die Existenz des Baumes beendet und gleichzeitig das Entstehen eines Bogens einleitet.
Ab diesem Moment sehen die Bogen dann keine Maschinen mehr. Nun ist die Handarbeitskunst der beiden gefragt.

Genau aus diesem Grund können sie mit Fug und Recht von Traditionellem Bogenbau und reiner Handarbeit aus Obergrombach sprechen!

Was die Werkstatt alles bietet…

In erster Linie werden sogenannte Selfbows in der Werkstatt gebaut. Das sind Bogen aus dem vollen Holz, wie sie seit tausenden von Jahren auf der Erde hergestellt und verwendet werden.

Neben den überwiegend selbst geernteten Rohstoffen, werden lediglich spezielle Materialien wie z.B. Bergeibe oder hochwertige Eberesche von befreundeten Bogenbauern aus der Schweiz, dem Trentino, aus Österreich, dem Schwarzwald oder den Vogesen.

Darüber hinaus bieten sie Holzpfeile, Bogenständer, Spannschnüre und Sehnenhalter an. Alles aus eigener Fertigung. Darüber hinaus stellt das Ehepaar maßgefertigte Werkzeug- und Axtstiele aus diversen Holzarten her. Nicht zuletzt bekommt man ihnen auch Bogenrohlinge (Staves) um daraus selbst Bogen anfertigen zu können: Das von Andrea und Michael Seidt angebotene Material hat in Fachkreisen inzwischen einen ausgezeichneten Ruf.

Ernte bei den Seidts

Bogenbaukurse in Obergrombach
Seit 2013 steht die Werkstatt auch für die Durchführung der Bogenbaukurse von Toreca aus Bruchsal-Untergrombach zur Verfügung. Alle Bogen können sowohl in der Werkstatt direkt, als auch  bei Toreca gekauft werden.

Wer mehr über das Ehepaar Seidt und ihre Bogen-Affinität erfahren möchte, schaut am besten auf ihrer Homepage nach: http://abnoba-bogenbau.de

Hannah Maria Müller

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2 Feedback

  1. Hochinteressant! Kann man denn auch bei der Familie Seidt mit diesen Bogen schießen? Auf jeden Fall ist es toll, zu erfahren, was in unserer Region alles für Kostbarkeiten schlummern.

    • Selbstverständlich können unsere Bogen aus praktisch ausprobiert werden. Kurze Voranmeldung und es kann losgehen.