BRUCHSAL, 29. APRIL 2026 | Was heute nach einem skurrilen Dorfkrimi klingt, war vor ziemlich genau 220 Jahren ein ernsthafter Fall für den Bruchsaler Stadtrat – inklusive Ankläger, Zeugin, Beschuldigter und sogar einem medizinischen Gutachter. Nur die Opfer konnten nichts mehr sagen. Willkommen zum 2. Teil eines „True Crime“ aus Heidelsheim, entdeckt und ausgepackt von Tamara Frey aus dem Bruchsaler Stadtarchiv.
Mögen Sie True-Crime?
Dann ist diese Geschichte vielleicht etwas für Sie.
Wir stellen zunächst kurz die Beteiligten vor.
– Joseph Butz: der Ankläger
– Ehefrau des Johannes Metzger: die Zeugin
– Ehefrau von Marx Eberle: die Beschuldigte
– Wundarzt Fuchs: der Sachverständige
– 6 Hühner: die Opfer
True-Crime aus Heidelsheim – Teil 2
Sie erinnern sich an die vergifteten Hühner aus Heidelsheim? Sicher sind sie schon gespannt, wie es in der Sache weiterging. Und falls Sie Teil 1 verpasst haben: hier können Sie Teil 1 unserer True-Crime-Story aus dem Jahr 1806 noch einmal nachlesen (TrueCrime – Part 1)
Wir erinnern uns: zuletzt hatte man die Sache an das Kürfürstliche Landamt weitergegeben. Dort zeigte man sich skeptisch. Am 9. Juni kamen die Nachfragen: War sicher Gift die Todesursache? Durch wen war dies chemisch untersucht worden? Welches Gift sei eingesetzt worden und von wem habe Marx Eberles Ehefrau dieses Gift bekommen? Man solle ein weiteres Protokoll einsenden…
Also setzte man die Sache für den 13. Juni wieder auf die Tagesordnung des Stadtrats. Joseph Butz wurde erneut vorgeladen. Im Wesentlichen wiederholte Butz seine Aussage, berichtete aber auch von der Obduktion der Hühner: In deren Kröpfen sei schleimiges Wasser gefunden worden, das er für Gift gehalten habe. Man solle dazu noch den Martin Schmitt befragen. Die Sache wurde erneut vertagt…
3. Juli 1806: Der neue Zeuge Martin Schmitt konnte nichts zur weiteren Aufklärung beitragen. Marx Eberle sagte aus, er könne mit gutem Gewissen sagen, dass er kein Gift in seinem Garten aufgestellt habe und auch nicht wisse, wer es getan habe, noch ob es tatsächlich dort gefunden worden sei.
Der Stadtrat entschied: sollte Joseph Butz bis zum nächsten 8. keine rechtlichen Beweise beibringen, von wem das Gift aufgestellt worden sei, würde die Sache abgewiesen und er habe die Kosten zu tragen. Die Sache taucht nicht mehr in den Stadtratsprotokollen auf…
Der Tod der Hühner wurde zum „cold case“.
Das Heidelsheimer Stadtratsprotokoll von 1806 (Foto: Tamara Frey)
Zum Vergrößern bitte anklicken!
Ihre
Dr. Tamara Frey
Stadtarchiv Bruchsal
Mit dem „Bruchsaler Kulturfenster“ geben der Landfunker, das Stadtarchiv und das Städtische Museum regelmäßig Einblicke in Kunst, Geschichte und Alltagskultur. Alle 14 Tage öffnet sich ein neues Fenster – mal mit einem Objekt, mal mit einer Geschichte, mal mit einem Blick wie diesem: ruhig, rätselhaft, nah am Leben der Vergangenheit.










