BRUCHSAL, 29. APRIL 2026 | Was heute nach einem skurrilen Dorfkrimi klingt, war vor ziemlich genau 220 Jahren ein ernsthafter Fall für den Bruchsaler Stadtrat – inklusive Ankläger, Zeugin, Beschuldigter und sogar einem medizinischen Gutachter. Nur die Opfer konnten nichts mehr sagen. Willkommen zu einem echten „True Crime“ aus Heidelsheim, entdeckt und ausgepackt von Tamara Frey aus dem Bruchsaler Stadtarchiv.
Mögen Sie True-Crime?
Dann ist diese Geschichte vielleicht etwas für Sie.
Wir stellen zunächst kurz die Beteiligten vor.
– Joseph Butz: der Ankläger
– Ehefrau des Johannes Metzger: die Zeugin
– Ehefrau von Marx Eberle: die Beschuldigte
– Wundarzt Fuchs: der Sachverständige
– 6 Hühner: die Opfer
Heidelsheim, 5. Mai 1806. Joseph Butz erscheint vor dem Stadtrat und zeigt an, dass sechs seiner Hühner durch Gift umgekommen seien und die Sache näherer Nachforschung bedarf. Durch eine Wasseröffnung seien die Hühner in den Nachbargarten der Eberles entschlüpft. Dort sei „eine Scherbe mit aufgestelltem Gift“ gefunden worden. Joseph Butz regte an, die Frau des Johannes Metzger zu vernehmen, die voriges Jahr verdächtige Äußerungen von Marx Eberles Ehefrau mitbekommen hatte.
Die Frau von Johannes Metzger (leider werden die handelnden Frauen nie mit ihrem eigenen Namen genannt!) sagte daraufhin aus, dass sie letztes Jahr gehört habe, wie Marx Eberles Ehefrau gesagt haben soll „sie wolle die Hühner in der Nachbarschaft schon hinweg bringen und sie wolle Gift stellen“.
Das Heidelsheimer Stadtratsprotokoll von 1806 (Foto: Tamara Frey)
Marx Eberles Ehefrau wehrte sich gegen die Anschuldigungen. Was sie letztes Jahr gesagt habe, wisse sie nicht mehr. Aber zum einen dürfe man nichts auf die Aussage von Johannes Metzgers Ehefrau geben, die ihre erklärte Feindin sei und außerdem lege der Garten so außerhalb der Stadt, dass sie ihn nicht immer im Auge behalten und auch andere einsteigen könnten. Sie verlangte rechtliche Beweise, dass sie das Gift ausgelegt habe.
Dies, so Joseph Butz, könne er nicht beweisen. Wundarzt Fuchs wurde zu der Sache gehört, der angab, dass es sich bei dem gefundenen Gift um Arsen handelte.
Der Stadtrat beschied, die Sache an das Kurfürstliche Landamt weiterzugeben.
Fortsetzung folgt …
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Ihre
Dr. Tamara Frey
Stadtarchiv Bruchsal
Ob die Szene damals so ausgesehen haben könnte? Jedenfalls stellt sich das unsere Künstliche-Intelligenz-Bildmaschine so vor. Aber machen Sie sich Ihr eigenes Bild, bestimmt bringt Teil II der Geschichte weitere Details hervor. Foto: Landfunker, KI-generiert
Mit dem „Bruchsaler Kulturfenster“ geben der Landfunker, das Stadtarchiv und das Städtische Museum regelmäßig Einblicke in Kunst, Geschichte und Alltagskultur. Alle 14 Tage öffnet sich ein neues Fenster – mal mit einem Objekt, mal mit einer Geschichte, mal mit einem Blick wie diesem: ruhig, rätselhaft, nah am Leben der Vergangenheit.











