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Angelbachtal | Ehepaar darf nicht in Leintuch bestattet werden

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2.1.2020 | Dass Verstorbene in Särgen bestattet oder eingeäschert werden, ist in Deutschland die selbstverständliche Regel. Es gibt aber immer mehr Menschen, die aus Glaubensgründen eine Bestattung nach anderen Regeln wünschen. Und auch jene, die unabhängig vom Glauben, eine Tuchbestattung für vernünftig halten, weil sie nicht einsehen, warum Sie einen teuren Sarg kaufen sollen.

Ein Ehepaar aus Angelbachtal hat bei der örtliche Gemeinde für den Fall ihres Todes eine Bestattung im Leintuch beantragt. Die gewünschte “sarglose” Bestattung wurde von der Gemeinde abgelehnt. Das Bestattungsgesetz erlaube keine Leintuchbestattung. Eine darauffolgende Klage beim Verwaltungsgericht wurde nun ebenfalls abgewiesen (siehe dazu unten angehängte Urteilsbegründung).

Die “sarglose” Bestattung in einem Leichentuch war in Deutschland noch bis ins 19. Jahrhundert üblich. Heute gibt es für die Erdbestattung allerdings eine gesetzliche Vorschrift. Verstorbene müssen in einem Sarg transportiert und bestattet werden. Hingegen sehen außer in Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt die jeweiligen Landesbestattungsgesetze auch Ausnahmen vor.

Wie finden Sie das, liebe Leserinnen und Leser?

Sollten diese Regeln liberalisiert werden und es dem Einzelnen, bzw. auch den Angehörigen, möglich gemacht werden, selbst über die Art der Erdbestattung zu entscheiden?

Lassen Sie uns unten im Kommentarfeld Ihre Meinung da.

Zum aktuellen Urteil des Verwaltungsgerichts

Zum aktuellen Urteil des Verwaltungsgerichts

Sarglose Bestattung nur bei Bestehen einer entsprechenden Glaubensregel

Nach mündlicher Verhandlung am 19. September 2019 hat die 12. Kammer des Verwaltungsgerichts die Klage eines Ehepaars auf Feststellung, dass sie nach ihrem Tod auf dem Friedhof der beklagten Gemeinde ohne Sarg in einem Leintuch bestattet werden dürfen abgewiesen.

Die Kläger gehören der Evangelischen Landeskirche in Baden bzw. dem Zentralrat orientalischer Christen in Deutschland an. Sie hatten sich darauf berufen, die Erdbestattung in einem Leintuch sei ein urchristlicher Ritus, der heute unter anderem noch bei der christlich-koptischen Glaubensgemeinschaft sichtbar sei. Er leite sich direkt aus der Bibel ab. Täufling und Leichnam würden danach nur in ein Leintuch gehüllt. Dies entspreche auch der Grablegung Jesu. Die Muslime hätten diesen ursprünglichen Bestattungsritus bewahrt.

Dass Christen anders als Muslime im Holzsarg beerdigt würden, sei nur der Tradition geschuldet. Im Mittelalter sei die sarglose Bestattung demgegenüber noch üblich gewesen und werde bis in die Gegenwart bei Kartäusern und Trappisten praktiziert. Die “sarglose Bestattung” gehöre zum gemeinsamen Kern der drei Religionen Judentum, Christentum und Islam. Die örtliche evangelische Kirchengemeinde unterstütze ihr Anliegen.

Die Gemeinde Angelbachtal lehnte den Antrag der Kläger, ihnen vor diesem Hintergrund eine Leintuchbestattung zu genehmigen, ab. Das Bestattungsgesetz erlaube in ihrem Fall keine Leintuchbestattung. Unabhängig davon könne eine solche Entscheidung nicht bereits im Vorfeld getroffen werden, sondern erst bei Vorliegen eines konkreten Sterbefalls.

Den von den Klägern hiergegen erhobenen Widerspruch wies das Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis mit Widerspruchsbescheid vom 16. Juli 2018 zurück. Auch die Feststellungsklage der Kläger ist nun ohne Erfolg geblieben. Die 12. Kammer ist zu der Auffassung gelangt, dass ihnen gemäß § 39 Abs. 1 Satz 3 des baden-württembergischen Bestattungsgesetzes kein Anspruch zustehe, nach ihrem Tod sarglos in Tüchern bestattet zu werden.

Danach können Verstorbene, deren Religionszugehörigkeit eine Bestattung ohne Sarg vorsieht, in Tüchern erdbestattet werden, sofern keine gesundheitlichen Gefahren zu befürchten sind. Zwar sei die Regelung bei einer Auslegung im Lichte des Grundgesetzes nicht von vorneherein auf Angehörige der muslimischen Religionsge- meinschaften beschränkt. Die Religionszugehörigkeit der Kläger sehe aber eine Bestattung ohne Sarg nicht vor. Es sei den Klägern nicht gelungen, die Existenz einer Glaubensregel ihrer Religionsgemeinschaft darzulegen, die diese Bestattungsart gebiete. Aus ihren Ausführungen ergebe sich nicht, dass sie die sarglose Bestattung als verpflichtendes religiöses Gebot empfinden würden. Nur in diesem Fall werde aber die grundrechtlich nach Art. 4 des Grundgesetzes geschützte Glaubens- und Bekenntnisfreiheit tangiert.

Sarg Beerdigung
In Deutschland gilt das Friedhofsgesetz, das unter anderem auch die möglichen Bestattungsarten regelt

Die Kläger hätten in der mündlichen Verhandlung ausgeführt, ihr Wunsch nach einer sarglosen Bestattung beruhe nicht auf einem Glaubenssatz, sondern sei emotional begründet. Es würde sie nicht in Gewissensnot bringen, sich im Sarg bestatten zu lassen, sie hätten aber einfach ein besseres Gefühl bei einer sarglosen Bestattung.

Dieser auch durch ihren Glauben motivierte Wunsch der Kläger genügt nach Auffassung des Gerichts zur Begründung eines Anspruchs auf Leintuchbestattung ebenso wenig wie die Zugehörigkeit zu einer Religion, die eine sarglose Bestattung lediglich nicht verbietet. Hierin liege auch keine nach Art. 3 Abs. 3 des Grundgesetzes verbotene Ungleichbehandlung wegen des Glaubens oder der religiösen Anschauungen. Der Sargzwang gelte vielmehr grundsätzlich für jedermann unabhängig von der Religion.

Soweit die Ausnahmevorschrift an das Bestehen einer als verpflichtend empfundenen Glaubensregel anknüpfe, liege hierin keine unzulässige Diskriminierung wegen religiöser Anschauungen. Es handle sich vielmehr um eine sachlich gerechtfertigte Abgrenzung zu bloßen individuellen Wunschvorstellungen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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4 Feedback

  1. Die Bestattungsbestimmungen sind reine Geldmacherei. Eine verrottbare Urne,für die man 20 Jahre lang einen Platz auf dem Friedhof mieten muss, was soll das? Wie viele Menschen müssen einen Kredit aufnehmen für eine Bestattung, weil dies tausende Euros kostet? Warum wird vorgeschrieben WO man zu trauern hat?
    Einen Sarg, selbst den billigsten, muss man bezahlen, dann wird er verbrannt oder vergraben. So ist man zu Lebzeiten auch nicht mit seinem Geld umgegangen.
    Warum darf man nicht frei bestimmen? Nicht mal im Tod?

  2. Ich finde das deutsche Bestattungsgesetz eh für rechtswidrig. Meiner Meinung nach hat jeder Mensch ein Recht seine Bestattung so zu gestalten wie er möchte.

  3. Ist es denn unbedingt nötig, hier zu benennen, aus welchem Ort das Ehepaar, welches diesen Wunsch hatte, im Leichentuch bestattet zu werden, stammt. Gebührt es nicht der Respekt vor der Meinung Andersdenkender hier nicht so deutlich berichten, weil in einer kleinen Gemeinde viele Menschen sich ausdenken können, wer hier betroffen ist. Hinzu kommt, daß der Artikel in der Homepage und Facebookseite der sog. Jungen Liste des Ortes 1:1 veröffentlicht wurde, was an Anstand und Respekt zweifeln läßt.

  4. Info@sp-kunst.de

    Sargbestattungen vorzuschreiben ist völliger Blödsinn und reine Geldmacherei, genau wie die Vorschrift,dass Urnen mit der Asche nicht von den Angehörigen zuhause aufbewahrt werden dürfen!
    Peter Schneider, Forst

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