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WILLI-Reportage | Richtig Trauern will gelernt sein

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Elke Ramhofer sagt über sich selbst, dass sie Lebensgeschichten liebt. Als Trauerrednerin hört sie sehr viele davon. Und obwohl sie die Menschen in einer der schlimmsten Zeiten ihres Lebens trifft, sieht sie immer auch das Positive – und nimmt dem Tod so etwas von seinem Schrecken. Sie gewährt uns Einblicke in einen Beruf der etwas anderen Art. Und erzählt, wieso man viel mehr über Trauer reden sollte.

Es ist eine der wohl schmerzlichsten Erfahrungen unseres Lebens: Der Verlust eines nahestehenden Menschen. Ein solches Erlebnis kann uns bis auf die Grundmauern erschüttern und neben psychischen auch körperliche Auswirkungen haben. „Vor allem wenn wir die Trauer nicht zulassen“, sagt Elke Ramhofer. Die Trauerrednerin hat ihre Wurzeln am Kaiserstuhl und lebt heute mit ihrem Mann in Bruchsal. Ihr Beruf ist für sie eine Herzensangelegenheit, eine Passion: „Ich sehe es nicht als schwere Arbeit oder gar als belastend an. Im Gegenteil: Ich werde beschenkt. Mit jeder Geschichte, jedem Menschen, den ich kennenlernen darf, bekomme ich etwas zurück. Denn hinter jedem Schmerz, steckt auch ganz viel Liebe.“ Für Sie ist eine Trauerfeier weit mehr, als nur ein Abschied: „Wir erinnern uns auch an das einzigartige Leben eines geliebten Menschen. Mit Freude, Respekt und Dankbarkeit kann eine Trauerfeier auch zu einer Erinnerungs- und Lebensfeier werden.“

„Trauerfeiern können auch heilsam sein.“

2010 hat Elke Ramhofer den ersten professionellen Kontakt zum Thema Tod während einer Hospiz- und Trauerbegleitung. „Bewegende Geschichten und Schicksale dieser Zeit haben mich für die Themen Leben, Sterben, Tod, Abschied, Trauer geöffnet.“ Seit 2019 ist sie selbstständige, freie Trauerrednerin. Als solche ist sie offen für individuelle Spiritualität und Weltanschauungen. „Ich schließe keine Glaubensrichtung aus.“ Und auch den Abschied von einem geliebten Haustier begleitet Elke Ramhofer neuerdings. „Sie sind uns treuer Freund, guter Zuhörer, wertvolles Familienmitglied. Der Verlust kann für viele Menschen sehr schwer sein.“ Elke möchte die Angehörigen ermutigen, die Abschiedsfeier des geliebten Menschen oder des Tieres mitzugestalten, solang es für sie stimmig ist. „Persönliche Worte, kleine Rituale oder das gemeinsame Singen von kurzen, eingängigen Liedern kann sehr heilsam wirken.“ Und wer intensivere Hilfe benötigt, kann bei Elke auch eine längerfristige Trauerbegleitung buchen. „Denn Trauer ist nicht linear, sondern viel mehr ein Prozess mit vielen Hochs- und Tiefs.“

In vier Schritten begleitet Elke Ramhofer die Menschen, die sich an sie wenden: Vom ersten Kontakt, über die Vorbereitung und Planung bis hin zur Trauerfeier selbst. „Bevor ich mit der Ausarbeitung einer Abschiedsrede beginne, mache ich meistens einen Spaziergang. Hier kann ich das Gespräch mit den Angehörigen noch einmal Revue passieren lassen.“ Sie nimmt sich die Zeit, über offene Fragen nachzudenken. Was ist ihnen wichtig, was soll unbedingt erwähnt werden? Welche Musik – ein elementarer Bestandteil der Feier – wurde ausgewählt und was verbinden die Hinterbliebenen dadurch mit dem Verstorbenen? Gab es einen roten Faden in seinem Leben, den sie in der Rede aufgreifen kann? „Meine Reden sind individuell, jede ist ein Unikat. Genauso wie der Mensch es war über den ich schreibe. Nach dem Erstentwurf feile ich so lange daran, bis ich zufrieden damit bin, mich damit wohl fühle.“ Denn eins ist klar – wenn es nicht passt, gibt es keine zweite Möglichkeit, es zu wiederholen. Trauerfeiern sind einzigartige Momente.

Gerade in Zeiten der Trauer ist es schwierig, sich jemand Fremden zu öffnen. „Es kostet sehr viel Mut! Dazu braucht es Vertrauen. Darum begegne ich den Menschen stets mit Empathie, mit Zuhören, mit Da-sein.“ Und das macht die Wahl-Bruchsalerin offensichtlich sehr gut, denn das Feedback der Menschen, mit denen sie gearbeitet hat, ist durchweg positiv. Unter anderem fallen folgende Worte: „Dein Mitgefühl und deine Klarheit waren so wohltuend.“ Oder auch: „Elke Ramhofers Fragen halfen uns dabei, unsere Mama wieder lebendig werden zu lassen. Das gemeinsame Gespräch in Vorbereitung auf die Trauerfeier war ein erster, kleiner Trost.“ Man merkt schnell, dass es für sie nicht nur um einen Auftrag geht, den sie abhaken kann. Es ist ihr wichtig, dass die Abschiedszeremonie ein Moment ist, an den man sich trotz allem Schmerz gerne erinnert. Und vielleicht sogar mit einem Lächeln zurückdenkt. Denn eins weiß Elke genau: „Humor gehört zum Leben und auch zu einer Trauerfeier dazu. Es geht immer um die Balance zwischen Tragik und Freude. Und umso mehr wir über Abschied, Tod und Trauer sprechen, umso schneller können wir heilen.“

Text: Lidija Flick
Bilder: Elke Ramhofer

Aus RegioMagazin WILLI 11/2021

https://elke-ramhofer.de
www.facebook.com/ ElkeRamhoferfreietrauerrednerin
www.instagram.com/elke.ramhofer_Trauerrednerin/

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