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Minibagger der Firma Nuber im Einsatz an der Ahr.

WILLI-Reportage | Einfach machen – Helfer aus der Region stehen Flutopfern im Ahrtal bei

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Am 14. Januar war es genau ein halbes Jahr her, dass eine verheerende Flutwelle im Ahrtal die Region verwüstete. In der Nacht vom 14. zum 15. Juli entstand sie nach starken Regenfällen. Eine Welle, die niemand erwartet oder für
möglich gehalten hätte. Mit vernichtender Gewalt wälzte sie alles nieder, was sich ihr in den Weg stellte.

Erst an den folgenden Tagen konnte man das ganze Ausmaß der Katastrophe erkennen und einschätzen. Sehr viele Menschen verloren Hab und Gut, Obdach und Zuhause. Für mehr als 130 Menschen bedeutete die Flut an der Ahr den Tod.

Vier wackere St. Georgs-Pfadfinder halfen an der Ahr.

Brachte diese Wasserflut Tod und Verderben, so führten die Nachrichten darüber zu einer gigantischen Hilfewelle. Auch in Bruchsal und Umgebung ließ die Not im Ahrtal Menschen keine Ruhe. Sie wollten nicht tatenlos die Bilder aus den Nachrichten anschauen. Sie wollten nicht mit den Achseln zucken und zum Alltag übergehen. Sie wollten helfen und anpacken, um die größte Not zu lindern.

Tatkräftige Hilfe war das eine, hinzugehen, einfach da zu sein und damit Solidarität auszudrücken, war das andere. Klaus Mohr und sein Sohn Marco aus Forst sind zwei von den vielen, die ins Ahrtal gefahren sind. Im August vergangenen Jahres waren sie zum ersten Mal dort.

Sie hatten sich Adressen aus den sozialen Medien sowie durch persönliche Kontakte gesucht, wo Menschen dringend Hilfe brauchten und fuhren direkt dorthin mit einem Anhänger voller Material und Werkzeug. Inzwischen war er fünfmal dort; auch nach Wochen immer noch erschüttert, über das, was er gesehen und erlebt hat.

Als gelernter Bauhandwerker wusste er, wo er anzupacken hatte, um wirksam zu helfen. Auch hatte er stets weitere Leute dabei, die sich anstecken ließen vom „Virus der Hilfsbereitschaft“ wie zum Beispiel Michael Wernthaler, den stellvertretenden Chef der Bruchsaler Bereitschaftspolizei. Der FFC Forst steuerte ein (Fest-)Zelt bei, das derzeit nicht gebraucht wird, für das „Helferdorf“ mit seiner Organisationszentrale.

Mit der „Motorschubkarre“ der Firma Nuber, konnte man auch größere Mengen Erde und Schutt abfahren, dort wo kein anderes Fahrzeug hinkommt.

Marco Mohr kam zusammen mit seiner Frau Laura und mit einer Gruppe der St. Georgs-Pfadfinder aus Bruchsal wieder ins Ahrtal. Die Firma Nuber Maschinenmietpark aus Gochsheim stellte ihm Minibagger und „Motorschubkarre“ zur Verfügung. Damit konnte er auch umfangreichere Arbeiten durchführen wie Schutt wegräumen oder Gruben für Gastanks ausheben. Kraichtals Bürgermeister Tobias Borho hat die Aktion gerne mit einem städtischen Transportfahrzeug plus Anhänger unterstützt, ist doch Marco Mohr Landschaftsgärtner im Grüntrupp der Stadt. Borho selbst war auch im Katastrophengebiet zusammen mit Mitgliedern der Kraichtaler Feuerwehr, um sich persönlich einen Eindruck zu verschaffen und zu helfen.

Dankbarkeit für die Umfangreiche Hilfe

Klaus Mohr berichtet von gemischten Gefühlen. Zum einen Ohnmacht und Entsetzen angesichts der starken Verwüstungen; zum andern Dankbarkeit der Flutopfer für die umfangreiche Hilfe. „Beeindruckend war der Zusammenhalt unter den vielen Helfern und die Genugtuung, dass man zwar erschöpft war am Ende des Tages, aber doch konkret hat helfen können“, sagt Mohr.

Mit lobenden Worten beschreibt er die effiziente Organisation der Hilfe vor Ort durch den „Bürgermeister“ des Helferdorfes Jürgen Gehring und sein Team. „Bewundernswert war, dass verschiedenste Kräfte und Fähigkeiten wie passgenaue Zahnräder ineinandergriffen und so eine wirkungsvolle Hilfe ermöglichten.“

Aufbau des Zeltes vom FFC Forst :
Klaus Mohr (links) und Michael Wernthaler.

 

Mit ihrem Wirken „im Hintergrund“ hat zum Beispiel Familie Kistner aus Sinzig im Ahrtal durch Unterbringung und Verpflegung von Helfern für deren Einsatzkraft gesorgt. Die Familie stammt ursprünglich aus Neuthard. „Wir sind von der Flut verschont geblieben, da wir oberhalb der Flutlinie wohnen und haben außer starkem Regen nichts abbekommen“, sagt Wolfgang Kistner. „Da wollten wir doch wenigstens mit unseren Möglichkeiten die schrecklichen Folgen mildern.“

Beeindruckt und ergriffen von den Zerstörungen im Ahrtal war auch Nadia Ayche, Künstlerin, Sängerin, Moderatorin und Vocalcoach aus Bruchsal. Wieder auf ganz andere Weise als die gestandenen Handwerker baute sie ein Hilfsprogramm auf. Mit ihrer ausgeprägten Fähigkeit, Netzwerke zu bilden, vermittelte sie Hilfsgüter und -leistungen für die Geschädigten und organisierte Geldspenden.

Michael Wernthaler bei der Holzlieferung.

Sie brachte auf direktem Weg Helfer und Hilfesuchende zusammen nach dem einfachen Prinzip: Wer braucht was? – Wer hat was? Wichtig dabei sei es, Vertrauen aufzubauen, sagt sie, auf die Menschen direkt zuzugehen und Brücken zu schlagen. Dabei berichtet sie von „berührenden Geschichten“ und fast „magischen Verbindungen“ wie Bedarf und Angebot zusammenfanden. Ihre Devise lautet „Einfach machen“.

Daraus ist dann die „Einfach machen-Gruppe“ in den sozialen Medien entstanden sowie die Internetseite www.einfach-machen-patenschaften.de, die ausführlich über die Aktivitäten von Nadia Ayche und ihren Mitstreitern informiert und Möglichkeiten bietet „einfach mitzumachen“.

Aktion Einfach machen
Patenschaften ist eine gemeinnützige Organisation, die aus der Hochwasserkatastrophen Situation heraus entstanden ist um langfristig Hilfe zu leisten und das unter anderem mit Patenschaften aus ganz Deutschland!

www.einfach-machen-patenschaften.de

Text: Martin Stock, Bilder: Klaus Mohr

Aus RegioMagazin WILLI 02/2022

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