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BR-KENNZEICHEN | Willis Benz BRummt weiter

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03.06.2015 | Der aquablaue Mercedes-Benz /8 ist womöglich das einzig noch fahrende Auto der acht letzten BR-ler. Zugelassen am 8. August 1972, also wenige Wochen vor der großen Kreisgebietsreform 1973, fährt der stolze Besitzer Willi Köhler sein Schmuckstück mit dem BR-Kennzeichen noch immer durch den Kraichgau.

Ihm ist sein Kennzeichen so lieb, dass er dafür sogar auf die Annehmlichkeiten eines H-Kennzeichens verzichtet. Original ist bei ihm Programm. Vom Blinker – den er schon drei Mal erneuern musste und der immer noch Zicken macht – bis hin zu den verchromten Zierleisten rund um das Auto herum. Bei jeder der unzähligen Reparaturen greift Willi Köhler auf Originalteile von Mercedes zurück, die man glücklicherweise noch immer nachbestellen kann.

Nicht nur moderne Autos können mit speziellen Extras punkten, auch der /8 kann mit einer Vielzahl von Besonderheiten aufwarten: Aquablau, statt Rentner-Beige, seltener Diesel Motor mit Gang-Schaltung (sind zwar nur vier, hat aber den Vorteil, dass der Benz sich ab dem vierten Gang wie ein Automatikfahrzeug bedienen lässt), nicht abzudichtende, aufklappbare Seitenfenster (Klimaanlagenersatz), einen Griff zum Vorglühen, einen Hebel, um die Drehzahl zu regulieren, vier Scheibenbremsen, keine Gurte hinten, ausgesprochen wendig und eine Straßenlage wie ein Brett. Parkplätze sind für ihn nicht zu klein, nur manchmal zu kurz.

Schockierenderweise für alle Auto-Von-Hand-Putz-Fetischisten ist er bei der Autopflege erstaunlich unzimperlich. Er steht nicht jeden Samstag im Hof und poliert die Felgen mit einer Zahnbürste, er fährt einfach durch die Waschanlage. Wenn das Auto ein schnurrendes Kätzchen wäre, dann hätte es mit Sicherheit schon fünf seiner sieben Leben aufgebraucht, aber an verschrotten oder verkaufen denkt Willi Köhler noch lange nicht: schon gar nicht bevor er nicht wieder ein BR-Kennzeichen bei der Zulassungsstelle bekommen kann.

Dass sein Auto kein bloßes Anschauungsobjekt ist, beweist der Kilometerstand. Fast 900.000 Kilometer hat der /8, sicher sagen kann er es nicht mehr. Nach 200.000 Kilometern wurde der Motor das erste Mal überholt, bei 700.000 Kilometern gefahrener Strecke wurde der Motor generalüberholt und verbessert. Seitdem schnurrt sein Wagen wieder tadellos und hat sogar etwas an Fahrt aufgenommen. „Früher war der hier eine lahme Ente, aber jetzt zieht er wirklich gut“, erzählt uns Herr Köhler und gibt freudig etwas mehr Gas.

Wir führen das Interview fahrend in seinem Auto. Man hört den Motor brummen und das Wechselspiel der Gänge. Es ist etwas lauter, aber nicht unangenehm. Im Gegenteil. Man fühlt sich wie in einem gepolsterten Aquarium. Rundumsicht dank Vollverglasung ohne störende verstärkte A-, B- oder C-Säulen. Die sehr bequemen Ledersitze lassen vergessen, dass man in einem Auto sitzt. Man fällt etwas aus der Zeit. Alles ist entschleunigt und unaufgeregt. Man stört sich weder an hupenden Lkws noch an drängelnden Autos, weiß man doch, dass sich nichts daran ändern lässt.

Rostbüchse

„Man hat früher gesagt, ein Fiat ist eine Rostbüchse. Der hier auch!“ Eine große Rost-Restauration hat er selbstverständlich schon vorgenommen. Beruflich hatte er nie etwas mit Autos zu tun, aber wenn man so ein altes Gefährt pflegt, kommt das Wissen von selbst. Herr Köhler weiß was bei Pannen zu tun ist – von denen hatte er ja schon ein paar. Er erzählt uns kurzweilige Anekdoten über den Schweizer Autoclub, der damals nicht mit Dieselfahrzeugen umgehen konnte und wie leicht es ist, eine Glühbirne zu wechseln. Wussten Sie, dass es mal eine Zeit gab, in der man das ganz alleine mit wenigen Handgriffen in kurzer Zeit selbst erledigen konnte?

Wir sind mit Willi Köhler und seinem Benz /8 ein Stück in Bruchsal gefahren. Hier ein Filmbeitrag dazu:

Bruchsal | Unterwegs mit Willi Köhler im Mercedes „Strich-Acht“

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