
BRUCHSAL, 17. APRIL 2026 | Das Bruchsaler Kulturfenster öffnet sich erneut – diesmal mit einer historischen Stadtansicht, die Fragen aufwirft. Die Lithografie „Bruchsal von der Südseite“ um 1830 zeigt Vertrautes: Stadtmauer, Kirchen, gewachsene Strukturen. Doch ein Detail fällt aus dem Rahmen: Im Bereich des Belvedere (erbaut 1761) sind zwei markante Türme zu erkennen – aber das Bauwerk ist so, wie es hier dargestellt wird, in der Stadtgeschichte nicht belegt. Zeitzeugnis oder künstlerische Freiheit? Ein genauer Blick lohnt sich.
Von Regina Bender, Städtisches Museum Bruchsal
Manchmal passiert es mir, dass irgendwo in der Stadt eine Baustelle auftaucht, etwas Altes weicht etwas Neuem, und nach ein paar Wochen kann ich mich kaum noch daran erinnern, wie die Stelle vorher aussah. Obwohl ich dort etliche Male vorbeigegangen war, gewöhnt sich das Auge so schnell an einen neuen Anblick, dass das bisher Vertraute immer mehr in Vergessenheit gerät. Kennen Sie das auch?
Zum Vergrößern bitte anklicken!
Gut, dass es im Städtischen Museum und im Bruchsaler Stadtarchiv viele Gemälde und Fotografien aus verschiedenen geschichtlichen Phasen Bruchsals gibt, in denen alte Straßenzüge, Gebäude oder Stadtsilhouetten festgehalten sind. So kann das Jetzt ruhig dynamisch bleiben, denn die Bilder der Vergangenheit sind dokumentiert und konserviert. So beispielsweise in Form dieser alten Lithografie, die um 1830 entstanden ist und „Bruchsal von der Südseite“ zeigt. Man blickt aus Richtung Friedhof auf die Stadt und da, wo man heute längst inmitten von Wohnhäusern und Straßen stünde, sieht man Brachflächen und Grünstreifen. Hinter der Stadtmauer dann das damalige Bruchsal, mit Peterskirche, Bergfried und weiteren markanten Wegmarken eines damaligen urbanen Zentrums. Solche historischen Stadtansichten hatten und haben durch ihren meist recht genauen Realitätsbezug nicht nur ästhetischen, sondern auch dokumentarischen Wert. Sie helfen uns, zu erforschen und zu rekonstruieren, was war und so Entwicklungen bis ins Heute nachzuverfolgen. Forscher können so beispielsweise herausfinden, wie Städte oder Dörfer vor Zerstörungen, Bränden oder ähnlichen Ereignissen aussahen.
Die Lithografie ist eine Drucktechnik, die zum Ende des 18. Jahrhunderts entstand und aufgrund ihrer vergleichsweise einfachen Technik und der relativ großen Beständigkeit der Druckerzeugnisse sehr beliebt war.
Tipp: Ausstellung „Ein Bild von einer Stadt“
Wenn Sie Lust haben, in alten und modernen Stadtansichten von Bruchsal kleine Erinnerungsinseln zu entdecken, besondere Motive aus der Innenstadt und charakteristische Bauwerke aus verschiedenen Perspektiven zu bestaunen, dann kommen Sie zu unserer Ausstellung „Ein Bild von einer Stadt“ ins Bruchsaler Rathaus am Marktplatz. Die Gemälde sind dort vom 28. April bis 31. Juli 2026 innerhalb der Öffnungszeiten des Rathauses zu besichtigen. Diese sind: Montag bis Mittwoch 8 bis 16 Uhr, Donnerstag 8 bis 17 Uhr, Freitag 8 bis 12 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Ihre
Regina Bender
Städtisches Museum, Bruchsal
Liebe Leserinnen und Leser,
die beiden Belvedere-Türme mit den hohen weißen Sockelbauten bleiben ein kleines Rätsel. Gab es sie so tatsächlich – oder hat der Künstler ergänzt, was er für stimmig hielt? Solche Fragen zeigen, dass historische Bilder nicht nur dokumentieren, sondern auch interpretieren.
Vielleicht kennen Sie ähnliche Darstellungen oder haben Hinweise. Das Kulturfenster lebt vom Mitdenken.
Senden Sie Ihren Hinweis an: info@landfunker.de – Betreff: Kulturfenster. Wir leiten es weiter.
Mit dem „Bruchsaler Kulturfenster“ geben der Landfunker, das Stadtarchiv und das Städtische Museum regelmäßig Einblicke in Kunst, Geschichte und Alltagskultur. Alle 14 Tage öffnet sich ein neues Fenster – mal mit einem Objekt, mal mit einer Geschichte, mal mit einem Blick wie diesem: ruhig, rätselhaft, nah am Leben der Vergangenheit.
Landfunker RegioNews Regioportal für News, Videos & Termine aus Bruchsal, Bretten, Karlsruher Norden
