Janap K. aus Sri Lanka hilft beim Weinanbau mit

LANDKREIS | Geflüchtete helfen in der Landwirtschaft

Lass das deine Freunde wissen!
Hier teilen!

02.07.2020 | Einige Betriebe haben vom Angebot Gebrauch gemacht

Als die Corona-Pandemie erwarten ließ, dass ein Einsatz von Erntehelfern insbesondere aus osteuropäischen Ländern unmöglich bzw. erschwert würde, hatte das Amt für Integration im Landratsamt Karlsruhe in Unterkünften des Landkreises lebende Geflüchtete auf diese Situation hingewiesen und das Interesse erkundet, in einem landwirtschaftlichen Betrieb mitzuarbeiten. Die Resonanz war überwältigend: Über 100 Interessierte standen am Ende auf der Liste.

Nachdem professionelle Erntehelfer dann doch einreisen konnte, blieb die große Nachfrage von landwirtschaftlichen Betrieben zwar aus, einige Vermittlungen gab es mit Hilfe des Landwirtschaftsamtes im Landratsamt aber doch:

Lamin B. aus Gambia arbeitet als Erntehelfer auf einem Biohof

So arbeitete Lamin B., 25 Jahre alt und aus Gambia, beim Biohof Bohn und Kliesow in Oberhausen-Rheinhausen, „Er stand einfach im Hofladen und fragte nach Arbeit“, meinte Nicole Kliesow anerkennend. „Sein unglaublicher Arbeitswille und seine nette Art haben mich überzeugt. Ich suche schon länger vergeblich Helfer. Vor einem Jahr haben wir komplett auf Bio umgestellt, da ist manches arbeitsintensiver geworden“. Vom Engagement des jungen Mannes, der mit einem Polen und einem Rumänen auf dem Hof zusammenarbeitet, zeigt sich Nicole Kliesow begeistert: „Die drei harmonieren sehr gut, sprechen Deutsch miteinander“. Sie plant noch einen weiteren Geflüchteten als Erntehelfer einzustellen, der Antrag auf Arbeitserlaubnis wurde bereits gestellt. Lamin B., der sofort sein Interesse als Erntehelfer bekundet hatte berichtet, dass er schon in Gambia gerne in der Landwirtschaft gearbeitet hat, aber es ihm hier noch besser gefalle. Zu seinen Aufgaben gehören aktuell die Pflege der Zwiebeln und Karotten sowie die Ernte der ersten Frühkartoffeln, die es dann im Hofladen zu kaufen gibt. Auch die Arbeit mit den Hühnern konnte er schon kennenlernen.

„Am liebsten würde ich mein ganzes Leben lang auf dem Hof wohnen und arbeiten“.

Auch der Weinbaubetrieb von Franz und Karin Zimmer in Odenheim konnte zwei Geflüchtete aus dem Irak als Erntehelfer gewinnen. Über einen Artikel im Gemeindeblatt waren die beiden Inhaber auf die Aktion aufmerksam geworden. „Warum Menschen tausende von Kilometern herbringen, wenn es auch hier Arbeitswillige gibt?“ hat Karin Zimmer überlegt und bringt es, nach ihrer Erfahrung befragt, auf den Punkt: „Sie kommen jeden Tag mit dem Fahrrad aus Zeutern, sind sehr zuverlässig und pünktlich. Zwar merkt man, dass sie keine landwirtschaftliche Vorerfahrung haben, aber da wir mit enormen Frostschäden zu kämpfen haben, passt es in der Summe. Deswegen sind sie heute auch nicht hier und ich habe Zeit fürs Interview“, lacht sie.

Samuel S. aus Nigeria beim Arbeitseinsatz im Weinberg

In den Steilhängen des Weinguts Heitlinger in Östringen –Tiefenbach arbeiten ebenfalls zwei Geflüchtete. Janap K. aus Sri Lanka, 38 Jahre, konnte bereits in seinem Heimatland Erfahrungen bei der landwirtschaftlichen Arbeit sammeln. Für Samuel S. aus Nigeria, 28 Jahre, der Wirtschaftswissenschaft studiert hat ist diese Arbeit neu. Beide würden gern eine Ausbildung hier machen und durchdringen so lange Stück für Stück die Arbeitsprozesse: hochbinden und ausbrechen – aber bitte nur das Richtige! Außenbetriebsleiter Timo Daiß ist sehr zufrieden mit den neuen Erntehelfern: eine Leistungssteigerung sei kontinuierlich festzustellen. Und das Wichtigste überhaupt, Motivation und Mitdenken ist bei beiden spürbar. Auch die Zusammenarbeit mit dem Personal aus Polen und Rumänien klappe sehr gut. Die Qualifizierung seiner Arbeitskräfte lässt sich das Weingut Heitlinger einiges kosten: so werden nicht nur die Deutschkursgebühren übernommen, sondern auch Fahrzeuge zur Verfügung gestellt, damit nach der Arbeit die Kurse besucht werden können. Den Erwerb des Führerscheins unterstützt das Unternehmen finanziell, der Hängerführerschein wird sogar komplett bezahlt. Perspektivisch möchte man mehr ausgebildetes Personal und weniger Hilfskräfte beschäftigen. Eine Chance für Samuel S. und Janap K., die sich bislang gut bewährt haben.

„Neuen Situationen mit neuen Wegen begegnen war das Motto dieser Aktion“, fasst Bettina Lichter vom Fachbereich Integration in Arbeit des Amtes für Integration zusammen.

Haben Sie Tipps?
Möchten Sie kommentieren?

Hier geht es zum Kommentarfeld >>>

Siehe auch

SEHENSWERT | Kabarettist Florian Schröder testet Meinungsfreiheit bei Freiheits-Demo in Stuttgart

“Ich habe heute den Querdenkern in Stuttgart einen kleinen Besuch abgestattet und mal die Grenzen …