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Corona-Impfung | Ist der Ruf erst ruiniert…- Der Impfstoff von AstraZeneca unter der Lupe

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24.02.2021 | “Man hat einen zu guten, oder einen zu schlechten Ruf, nur den Ruf hat man nicht, den man verdient hat.” Dieser Ausspruch der Schrifstellerin Marie Ebner-Eschenbach trifft, wie sich momentan zeigt, nicht nur auf Menschen zu, sondern auch auf Impfstoffe. Es gibt zu den typischen Argumenten gegen eine Impfung mit dem Impfstoff von AstraZeneca einige Gegenargumente, die dem schlechten Ruf des Impfstoffes zumindest teilweise seine Berechtigung nehmen.

Man hört oft zwei Argumente, wenn es darum geht, das Misstrauen gegenüber dem Impfstoff von AstraZeneca zu begründen. Einerseits wird die Wirksamkeit von “nur” 60-70% angeführt, andererseits die scheinbare Ungewissheit, ob der Wirkstoff auch bei den bisher aufegtretenen Mutanten B.1.1.7. und B.1.351 wirkt. Diese Argumente können teilweise entkräftet werden.

 

Kurz gefasst:

  • Der Prozentwert von 60-70% wird oft falsch verstanden – er bezieht sich nicht auf die Wirksamkeit des Stoffes beim Einzelnen, sondern auf die Fallzahlen.
    Mit Hilfe des Impfstoffes von AstraZeneca können 60- 70% der Fälle, die ansonsten aufträten, verhindert werden, so lässt es sich auf der Seite des PEI nachlesen.
  • Auch die Sorge bezüglich der Mutanten kann entkräftet werden: bei der afrikanischen Mutante bietet er zwar nur bedingt Schutz, bei der britischen Mutante allerdings ist seine Wirksamkeit nachgewiesen.
  • Der Impfstoff kann schwere Verläufe und einen Krankenhausaufenthalt verhindern.

Genauer Informationen im Kasten unter dem Artikel.

 

Die Qual der Wahl – nicht ganz so quälend?
Sollte es trotz Impfung zu einer Erkrankung kommen, verhindere die Impfung mit dem AstraZeneca Impfstoff schwere Krankheitsverläufe und oft sogar die Notwendigkeit eines Krankenhausaufenthaltes, so berichtet Deutschlandfunk. Das heißt also, das Schlimmste kann durch eine Impfung mit dem Impfstoff von AstraZeneca verhindert werden, wenn er auch nicht dieselben Werte erzielt wie beispielweise die Impfstoffe von Moderna und Biontech. Um es mit den drastischen Worten des amerikanischen Infektiologen Lawrence Corey auszudrücken: „Wollen Sie einen Impfstoff, der Sie vor Husten schützt oder wollen Sie einen Impfstoff, der Sie vor dem Tod bewahrt?“

Ein Blick in Vergangenheit und Zukunft
Die Verlängerung des Lockdowns Mitte Februar wurde auch mit der Ausbreitungsgefahr der deutlich infektiöseren, britischen Mutante begründet. Die Hoffnung auf Lockerungen rückte damit in weitere Ferne, die Nerven sind inzwischen bis zum Anschlag gespannt. In Anbetracht der Tatsache, dass der Impfstoff von AstraZeneca gegen die britische Mutante wirksam ist, wäre eine Impfung mit einem Impfstoff, der nachweislich das Infektionsrisiko verringert, vielleicht doch eine Überlegung wert.

Ist der Ruf erst ruiniert…
Die Gegenargumente mögen nicht jeden überzeugen, es scheint sogar einige zu geben, die ihren Impftermin lieber nicht wahrnehmen, als sich mit dem Impfstoff von AstraZeneca impfen zu lassen. Für alle anderen Impfwilligen lässt sich hieraus aber doch etwas positives abgewinnen, denn das könnte für sie bedeuten, dass sich ihre Wartezeit für einen Impftermin verkürzt. Man könnte also sagen: Ist der Ruf erst ruiniert, impft sichs gänzlich ungeniert.

 

  • “Die Wirksamkeit der AstraZeneca- Impfung liegt nur bei 60-70%.”
    Dieses Argument ist zwar nicht falsch, wird aber oft falsch verstanden. Denn die Wirksamkeit bezieht sich nicht auf den einzelnen Geimpften. Es bedeutet nicht, dass für den einzelnen Geimpften nur ein 60-, beziehungsweise 70- prozentiger Schutz besteht. Nachzulesen ist dies unter anderem auf den Websiten des Paul-Ehrlich Institutes und der Bundesregierung.
    Ein Prozentwert der Schutzleistung wird mit Hilfe zweier Gruppen ermittelt. Eine der Gruppen erhält eine Impfung, eine andere erhält keine. Bei den Geimpften konnten wegen der Impfung 60-70% der (Erkrankungs-) Fälle verhindert werden, die ohne eine Impfung stattgefunden hätten.

Interessant ist auch: Viele Grippe-Impfstoffe haben, laut Berichten von Deutschlandfunk, bei älteren Patienten lediglich eine Wirksamkeit von 50 Prozent. Trotzdem, so heißt es weiter, würden durch diese jährlich “Hunderttausende” gerettet.
Auch berichtet Deutschlandfunk über eine Studie, welche nachweisen haben können, dass die Wirksamkeit des AstraZeneca Impfstoffes durch verlängerten zeitlichen Abstand der Verabreichungen eine Wirksamkeit von bis zu 82% erreichen könne.

  • “Man weiß nicht, ob der Impfstoff gegen die Mutanten hilft – wieso also Impfen?”
    Diese Annahme ist nicht richtig. Zwar weist eine Studie, an der 2000 Menschen teilnahmen, darauf hin, dass der AstraZeneca-Impfstoff nur einen “minimalen Schutz” gegen milde und mittelschwere Krankheitsverläufen bei einer Ansteckung mit der afrikanischen Mutante bieten kann.
    Eine Studie der Oxford University konnte allerdings ermitteln, dass der AstraZeneca- Impfstoff bei der britischen Mutante wirksam ist. Ob dies auch bei älteren Personen der Fall ist, das ist noch nicht abschließend ermittelt.

 

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4 Feedback

  1. Die Wirksamkeit lässt sich auch einfach so erklären:
    Von 100 Geimpften mit Biontech werden noch 5 krank
    Von 100 Geimpften mit AstraZeneca werden noch 40 krank
    Damit ist der Impfstoff 8mal schlechter.

    Wenn man jetzt mit AstraZeneca geimpft wird, hat man in ca 3-4 Monaten, wenn sich die Südafrika-Variante durchgesetzt hat, keinen Impfschutz mehr. Stand jetzt muss man auf eine Auffrischung/Nachimpfung warten, bis alle anderen die Chance zur ersten Impfung hatten. Dadurch könnte man evt 1 Jahr ohne Impfschutz sein.

    • Landfunker Redaktion

      Guten Tag Herr Berg,

      Ihre Ausführungen entsprechen nicht dem, was wir während unserer Recherche erfahren haben – dennoch möchten wir Ihre Aussagen berücksichtigen und diesen prüfend nachgehen.
      Für den Anfang wäre es sinnvoll, wenn Sie uns sagen könnten, wo Sie ihre Informationen bezogen haben, dann können wir bei unserer Prüfung genau dort ansetzen.

      Freundliche Grüße, aus der Landfunker-Redaktion!

      • Der Astra-Zeneca-Impfstoff hat in der nun zugelassenen Dosierung laut EMA in Studien lediglich eine Schutzwirkung von 59,5 Prozent vor symptomatischem Covid-19 erreicht.
        (Zulassung EMA: https://www.ema.europa.eu/en/documents/product-information/covid-19-vaccine-astrazeneca-product-information-approved-chmp-29-january-2021-pending-endorsement_en.pdf Seite 8)
        Andere Wirksamkeitswerte beziehen sich auf Studien, die noch wenig bis keine Anwendung in der Praxis finden (andere Dosierung, andere Intervalle).

        Biontech erreicht in der zugelassenen Dosierung eine Schutzwirkung von 94,6 Prozent (Zulassung EMA: https://www.ema.europa.eu/en/documents/product-information/comirnaty-epar-product-information_de.pdf Seite 9)

        Bezüglich der südafrikanischen Variante gibt es natürlich noch einige Unsicherheiten.
        Wirksamkeit (zB Pharmazeutische Zeitung, Zitat:
        “Zwei Dosen des ChAdOx1-nCoV19-Impfstoffs von Astra-Zeneca schützen nicht vor milden bis moderaten Covid-19-Verläufen, die durch die südafrikanische Virusvariante B.1.351 verursacht werden. Unklar ist, ob der Impfstoff vor schwerem Covid-19 schützt.”, https://www.pharmazeutische-zeitung.de/unzureichend-wirksam-gegen-die-suedafrikanische-variante-123734/ )
        Die Frage wer/wann eine Auffrischungsimpfung erhält, ist meines Wissens komplett ungeklärt.

      • Landfunker Redaktion

        Guten Tag Herr Berg,

        zunächst sollte gesagt werden, dass die Zahlen, die Sie bezüglich der Infektionen trotz Impfung angegeben haben, nicht ganz aufgehen.
        Das können Sie beispielweise im Ärzteblatt nachlesen, der Artikel trägt den Namen “Covid-19: Längeres Dosierungsintervall scheint Wirkung von Astrazeneca-Impfstoff zu verbessern” und ist vom 22. Februar – inzwischen gibt es sicherlich noch weitere Quellen, die das bestätigen.
        Auch stimmt es nicht, dass bei einer Infektion mit der Mutante B.1.351 nach einer Impfung keinerlei Impfschutz besteht. Er schützt in jedem Fall vor einem schweren Verlauf.

        Natürlich sind wir hier in der Redaktion keine medizinischen Experten, es wäre also vermutlich nicht zielführend, wenn wir uns gegenseitig immer wieder sich widersprechende Artikel zusenden.
        Wer sich nicht impfen lassen möchte, der muss das bekanntlich nicht tun – wie im Artikel bereits bemerkt: manche mögen die angeführten Argumente für eine Impfung nicht überzeugen, und das in Ordnung so.

        Wir wünschen Ihnen auf alle Fälle, dass Sie gesund bleiben und die kommenden Monate gut überstehen!

        Freundliche Grüße aus der Landfunker-Redaktion!

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