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BRUCHSAL :: Zuglärm in Bruchsal – Im Herbst wird es richtig laut

Bahnfotografen werden ihre Freude haben, für die ohnehin vom Güterzug-lärm gebeutelte Bruchsaler Bevölkerung wird die Belastung noch höher. Denn zwischen September und November 2015 wird die Schnellfahrstrecke Mannheim–Stuttgart zwischen Kraichtal und Stuttgart-Zuffenhausen renoviert.

Nicht mehr alle ICs halten deshalb in Bruchsal, dafür rauschen unentwegt ICE, IC/EC und sonstige Fernverkehrszüge neben dem Regionalverkehr und schweren Güterzügen durch den Bahnhof.

Beim ersten Mal klingt es noch, als ob ein Künstler riesige mit Wasser gefüllte Gläser im Schlosspark zum Schwingen bringt. Die unterschiedlichen hintereinander hörbaren und lauten Ton-Frequenzen haben jedoch nichts mit neuer Musik zu tun, sondern sind das Resultat einer am Schlosspark befindlichen alten Weiche. Bei langsam fahrenden oder rangierenden Güterzügen entfacht die Gleisgabelung ihr musikalisches Talent, das im Wiederholungsfall und besonders nachts für die Anwohner auch nervend sein kann und diese um den Schlaf bringt.

Die musikalische Weiche steht jedoch für ein ungelöstes Problem der Bruchsaler Kommunalpolitik, das im Herbst wieder auf die Tagesordnung kommen wird: Der durch die Bahn und besonders durch schwere Güterzüge verursachte Bahnlärm. Denn zwischen September und November 2015 wird die Schnellfahrstrecke Mannheim–Stuttgart zwischen Kraichtal und Stuttgart-Zuffenhausen renoviert. Der Zugverkehr rauscht dann durch die beiden Eisenbahntunneln rauschen, um sich dann in Richtung Bretten oder von dort kommend durch die Stadt und die Stadtteile zu schlängeln.

Überschreitung der Dezibelzahlen an vielen Stellen

Auch ohne den Fernverkehr ist in Bruchsal rund um die Uhr durchaus laut. Die zulässigen Dezibelzahlen werden an vielen Stellen überschritten. Lärm macht krank. Deshalb wird es durchaus sinnvoll sein, über neue Lärmschutzmaßnahmen in der Stadt zu sprechen, weil die Zahl der schweren Güterzüge in den kommenden Jahren erheblich zunehmen wird. Bruchsal6Die Deutsche Bahn als Netzbetreiber wird dabei wie an anderen Stellen argumentieren, dass bei alten Strecken kein Anrecht auf neue Lärmschutzmaßnahmen bestünde, was rechtlich stimmt. Außerdem wird darauf verwiesen werden, wie dies im Mittelrheintal eine gängige Argumentationsstrategie der Bahn ist, dass die Züge und besonders Güterzugwaggons durch den Austausch von Achsen und Rädern tendenziell leiser würden.

Damit sich überhaupt etwas verändert, muss sich die Kommunalpolitik dem Thema Lärmschutz annehmen. Denn es gibt durchaus Möglichkeiten durch neuartige und auch durchsichtige mobile Lärmschutzwände den Geräuschpegel zu reduzieren. Für Bruchsal gibt es bereits ausführliche Lärmschutzkarten, die dafür eingesetzt werden könnten.

Zahl der Güterzüge wird zunehmen

Alleine auf der Rheinschiene soll es bis 2025 einen Anstieg auf über 300 bis zu 700 Meter lange Güterzüge mit bis zum 100 km/h Geschwindigkeit pro Tag geben. Deshalb will das Bundesverkehrsministerium auch die Strecke zwischen Philippsburg-Molzau – Graben-Neudorf – Karlsruhe sowie Karlsruhe – Durmersheim im Landkreis ausbauen. Bei diesen Neubaumaßnahmen muss der Lärmschutz komplett eingehalten werden. Jedoch gibt es ein Problem: Mit dieser Zunahme wegen der Güterzuglinie Rotterdam-Genua wird es auch in Richtung Stuttgart/München eine massive Zunahme der Güterzüge geben. Die Abzweigung hierfür befindet sich in Graben-Neudorf und führt direkt durch Bruchsal.

Schon jetzt kann man deshalb im Bruchsaler Hauptbahnhof riesige Diesellokomotiven oder neue E-Loks aus Dänemark, der Schweiz oder Österreich sehen, die mit lautem Getöse ihre tonnenschwere Fracht durch die Stadt und die Region ziehen. Bahnfotografen sind deshalb sehr verzückt und tummeln sich immer wieder rund um die Bruchsaler Gleisanlagen. Fazit: Der Güterverkehr auf der Schiene ist durchaus sinnvoll, jedoch muss auf diesen auch planerisch reagiert werden. Für den Bahnabschnitt Bruchsal – Heidelsheim – Helmsheim – Gondelsheim – Bretten besteht deshalb dringender Handlungsbedarf.

Text & Bilder: Christian Jung