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Bruchsal | Tudyka – Poetik Rock live

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Icon-Stadtmagazin WILLI Reportage | Eine „Exil-Bruchsalerin“ auf der Exil-Bühne

Mit ihrer Band singt Caroline Tudyka über die Facetten der Leidenschaft – und Leidenschaft ist das, was die seit gut dreißig Jahren in Frankreich lebende Sängerin auf der Bühne zeigt. Beeindruckend ist ihre tiefe Stimme. Ein rundes, warmes Timbre, dessen Akzent ahnen lässt, dass sie weit herumgekommen ist. Am 19. Oktober kehrt die gebürtige Bruchsalerin für ein exklusives Konzert im Exil Theater in ihre Heimatstadt zurück. Wir haben sie gefragt, was sie so alles erlebt hat und ob sie manchmal noch an Bruchsal denkt.

Caroline Tudyka Exil Theater Bruchsal Konzert MusikGebürtig aus Bruchsal ging die heute 53-Jährige vor über dreißig Jahren zum Studium nach Frankreich und blieb. Sie hatte sich an einer Schule in Paris für Musik und Tanz beworben und wurde genommen. Bereits nach den ersten sechs Monaten wollte sie nie wieder weg. In dieser Schule ‚Le Studio des Variétés‘, in der sie Tanz, Harmonielehre und Gesang erlernt hat, traf sie viele interessante Leute und sammelte ihre ersten Tournéeerfahrungen als Choristin und Sängerin in dem Musical ‚Les Nuits Noires de Monde‘. Sie tourten durch ganz Frankreich und die Schweiz.

Heute schreibt Caroline ihre Texte selbst oder übersetzt Gedichte in drei Sprachen: Deutsch, Englisch und Französisch. Die meisten Lieder handeln von der Liebe in all ihren Formen. Ein abgedroschenes Thema? „Liebe ist mein Motor und sie ist ein Katalysator. Wenn wir einen Menschen lieben – uns verlieben oder was auch immer wir mit Liebe tun – die Liebe trägt uns, wir sind im Hier und Jetzt.“ Wenn sie das sagt, leuchten ihre Augen …

Was meinst du: Kennt dich hier noch jemand?

Na klar, vom „Center“ Steakhouse, vom „Thing“, vom Schulaustausch mit Sainte-Menehould. Außerdem lief ich als Pubertier immer mit gaaaanz langen Hemden durch die Gegend. Einige nannten mich sogar „das Hemd“. Außerdem kennen mich viele von der Rockfabrik und der Realschule. Mit 15 war ich sogar Schülersprecherin in der Realschule gemeinsam mit Holger Spengler. Wir veranstalteten legendäre Rockkonzerte in der Turnhalle mit Bands aus der Umgebung und um 22 Uhr musste ich auf die Bühne und die Jugendlichen unter 16 bitten zu gehen. Das war natürlich krass, da ich ja selbst erst 15 war. Ich weiß nicht, ob da dann wirklich jemand ging, es war uns aber auch egal !

Wo wohnst du heute?

Im Pariser Vorort Île-Saint-Denis – das ist eine kleine Insel. Von meinem Balkon aus sehe ich den Eiffelturm und auch Sacre Cœur am Horizont und unten auf der Seine fahren Schiffe, Frachter und im Sommer Yachten vorbei. Wir sind ca. 7000 Einwohner, 85 Nationalitäten, davon zwei Deutsche.

1988 bist du nach Frankreich gezogen – warum?

Ich wollte in die große weite Welt und suchte eine Schule für Musik, die nicht nur Klassik lehrte. Da fand ich – dank des französischen Freundes meiner Mutter – die Musikschule “Le Studio des Variétés” in Paris. Ich hatte mich aus Spaß mit einer Kassette und damaligen Kompositionen beworben. Dann kam der Brief mit der Bitte nach Paris zu kommen, um mich vorzustellen. Ich musste zwei französische Chansons vorbereiten. Dafür hatte ich nur vier Tage Zeit. Ich nahm meine Gesangslehrerin und meine Mutter als moralischen Beistand mit. Was war ich nervös! Aber ich hab es geschafft.

Ist es dir schwer gefallen die Zelte hier abzubrechen?

(lacht) Nein, so was macht man ohne groß zu überlegen, wenn man jung ist. Am Anfang habe ich schon Heimweg gehabt. Schwierig war vor allem die neue Sprache. Aber bereits nach einem halben Jahr wusste ich, dass ich nicht mehr nach Deutschland zurück wollte. Es war alles so bunt, so viele verschiedene Nationalitäten. Und das “Savoir-vivre“ der Franzosen eben. Und es gab einfach mehr kulturelle Möglichkeiten in Paris als in Bruchsal oder Karlsruhe: Musikbars, kleine Säle für Auftritte, mehr Leute zum Kennenlernen – alles war einfach größer und somit gab es mehr Möglichkeiten für meine kreative Entwicklung.

Wie kann man sich dein Leben heute vorstellen?

Ich unterrichte an verschiedenen Unis Deutsch, das nimmt schon ein wenig Zeit in Anspruch, bezahlt aber die sehr teure Miete und finanziert auch meine Band, das Studio, die Proben und Aufnahmen.

Wie ist die Stimmung in Frankreich?

Die meisten Menschen sind sehr unzufrieden mit der französischen Politik, sowohl der linken als auch rechten Parteien. Es gibt Dinge hier, die ich als absolut undemokratisch empfinde und die in Deutschland undenkbar wären. Korruption und viele Steuern, deshalb ja auch die Gelbwesten. Alles hier ist viel teurer als in Deutschland – keine Ahnung warum.
Was ich nicht mag, ist, wenn Proteste gewalttätig werden und Schaufenster eingeschmissen oder Mülltonnen und Kioske angezündet werden, bloß weil diese sich auf der „Chatmps- Elysées“ befinden. Aber sonst hat  mir der französische Kampfgeist immer gefallen! Die Attentate von 2015. Das war ein nationales Trauma, es herrschte  Kriegsstimmung in Paris. Viele tranken dann am darauffolgenden Abend guten Wein oder teuren Champagner. Nach dem Motto: jetzt erst recht!

Was verbindet dich noch mit Bruchsal?

Eine meiner Schwestern und mein Bruder mit Familie leben hier. Das letzte mal war ich im Juli 2019 in Bruchsal. Da habe ich auch das Team des Exil Theaters kennengelernt. Das war eine sehr schöne Begegnung.

Was hat sich hier auffallend verändert?

Das Ting ist weg (schnief) – Okay, das schon länger. Ich erkenne die Orte manchmal nicht mehr. Hinter dem Rathaus war früher ein Parkplatz, bei Siemens hat sich einiges verändert und der Messplatz. Aber eins hat sich nicht verändert: das gemütliche typisch badische „Im-Biergarten-Sitzen“ oder Wein trinken. Das Essen, die Leute, alles ist (wenn man so als Tourist herkommt) sehr angenehm und locker. Und ich vermisse die Besuche bei Freunden, die guten Brezeln, den Baggersee, Fahrrad fahren im Wald, Wiesenduft im Sommer, Ruhe und auf jeden Fall den badischen Dialekt.

Wen möchtest du gerne noch grüßen?

Alle, die mich noch kennen und auch zum Konzert am 19. Oktober kommen. Aber vor allem Doris und Peter Burger, alle meine ehemaligen Schulkameraden und sonstige Jugendfreunde bzw. -lieben, dann Reinhold “Little” Klein von der Heizölband, Sonhild Palasthy, meine Klavierlehrerin und Bernard Wendel, meinen Harmonielehrer.

Wir wünschen dir Alles Gute und ein tolles Konzert in der guten alten Heimat.

Erstveröffentlichung in RegioMagazin WILLI 10/19

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