Die schönste Aussicht Bruchsals: Die Restaurantterrasse ist bereit für hungrige Gäste – natürlich mit Abstand.

BRUCHSAL | Diese Herausforderung hätten wir nicht gebraucht!

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Icon-Stadtmagazin WILLI„Das Hotel Scheffelhöhe liegt am Südhang eines Kraichgauhügels mit herrlichem Blick über Bruchsal und die Rheinebene“, ist auf dessen Homepage zu lesen. Die Erfolgsgeschichte der Familien Volpp und Eckes begann im Jahr 1966 mit der Übernahme eines Gasthauses mit 20 Hotelzimmern. Dass sie nach weit über 50 Jahren stetigen Wachstums so hart eingebremst werden würden, hätte die Geschäftsführerin Dorothee Eckes nie im Leben für möglich gehalten.

Es geht weiter: Dorothee Eckes darf ihr Hotel auch für den touristischen Betrieb wieder öffnen.

“Ich hatte schon bei den ersten Krankheitsmeldungen aus China ein komisches Gefühl“, erzählt Dorothee Eckes. „Es gab auch bald Stornierungen im Hotel. Irgendwie spürte ich, das sieht nicht gut aus.“ Sie selbst cancelte einen geplanten Urlaub im Februar und war dann doch von der Wucht des Shutdown fassungslos getroffen. „Wie alle Unternehmer, die neben dem eigenen Einkommen auch Verantwortung für ihr Personal haben, war ich schockiert. Wer mich kennt weiß, dass ich schnell und rational arbeiten kann, aber das war dann auch für mich too much“, sagt sie, hat aber zwischenzeitlich natürlich ihre Power wieder gefunden.

Für Geschäftskunden durfte der Hotelbetrieb unter sehr eingeschränkten Bedingungen geöffnet bleiben, was aber eher als Service an den Kunden zu verstehen war, denn mit einer Belegung von 10 Prozent kann ein Hotel mit 95 Zimmern noch nicht einmal ansatzweise Kosten decken. „Ich konnte die Monteure ja nicht auf der Straße stehen lassen“, sagt sie. Normalerweise logieren bei ihr von Montag bis Freitag dutzende Geschäftsreisende, es finden Firmenmeetings statt, Besucher von Veranstaltungen in der Region übernachten in Bruchsal, ganze Hochzeitsgesellschaften werden beherbergt. Dies alles wurde im März 2020 einfach alles abgesagt, storniert, verschoben. Neuer Termin? Unbekannt.

„Das schlimmste für mich ist Untätigkeit. Nachdem wir die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Kurzarbeit und Überbrückungsgeld geklärt hatten, habe ich beschlossen, die sowieso anstehende Außenrenovierung unseres Gebäudes jetzt schnellstmöglich anzugehen. Wenn sowieso kaum Gäste da sind, dann stört das niemand.

Die „touristischen“ Gäste dürfen nun auch wieder kommen. Die Einhaltung der vielfältigen Vorgaben der Corona Verordnung, die der Deutsche Hotel und Gaststättenverband e.V. (DEHOGA) seinen Mitgliedern zur Verfügung stellt, seien in ihrem Hotel kein Problem, denn es wurden schon immer strenge Hygienemaßnahmen eingehalten. „Eine sorgfältige Zimmerreinigung samt Oberflächendesinfektion nach dem Auszug eines Gastes ist bei uns Standard. Die Zimmermädchen benutzen für jedes Zimmer eigenes Reinigungsmaterial, das ebenfalls jeden Tag desinfiziert wird. Was nun hinzu kommt ist zum Beispiel die Handdesinfektion an der Rezeption und in den Speiseräumen sowie die Organisation der einzuhaltenden Abstandsregeln“, beschreibt Dorothee Eckes die Maßnahmen. In den letzten Wochen durfte auch der Frühstücksraum nicht benutzt werden, man half sich mit Zimmerservice und Lunchpaketen für die Gäste. Die Reservierungen laufen langsam wieder an. Interessant am Rande sei, dass Firmen nun bei Buchungen nach „Informationen zu Hygienestandards“ fragen. Kein Problem, flugs hat Dorothee Eckes diese Infos auf der Homepage abrufbar platziert.

„Wir sind jetzt erst mal froh, dass unser Restaurant seit 18. Mai und das Hotel ab 29. Mai wieder öffnen dürfen, allzu viele Hoffnungen auf eine schnelle Erholung mache ich mir allerdings nicht. Da wir eher auf Geschäftsreisende und Eventkundschaft ausgerichtet sind, wird es noch Monate dauern, bis wir eine wirtschaftlich zufriedenstellende Auslastung erreichen können“, sagt die Unternehmerin, deren eigene, über 30-jährige Aufbauleistung unverschuldet, durch ein blödes Virus, in Bedrängnis geraten ist.

„Wir haben in den guten Jahren vorausschauend gewirtschaftet, wir schaffen diese Krise – aber ehrlich – diese Herausforderung hätte ich nicht gebraucht!“

Text und Fotos: Andrea Bacher-Schäfer

Aus RegioMagazin WILLI 6/20

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