Kraichtal | Ein Mann. Ein Wald. Eine Leidenschaft. Pilzsammler Ferdinand Messner.

WILLI wagte sich gemeinsam mit Ferdinand Messner in die Tiefen des Forster Waldes, um einige Pilzarten genauer unter die Lupe zu nehmen. Wir trafen uns an einer verwitterten Holzbank, mitten im Wald, mit dem Mann, der von sich selbst sagt, „Pilze“ seien sein großes Hobby.

Worum geht es hier?
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Ferdinand ist Rentner und hat viel Zeit, um auf Pilzsuche zu gehen. Die Leidenschaft für Pilze begleitet ihn

Hab ich dich: Der Naturfreund in seinem Element
Hab ich dich: Der Naturfreund in seinem Element

schon sein ganzes Leben. „Als Kind war ich oft mit meiner Mutter Pilze sammeln. Je älter ich wurde, umso intensiver setzte ich mich mit Pilzarten auseinander. Ich kaufte mir Pilzbücher und Fachzeitschriften. Später kamen dann noch Lehrgänge dazu.“ Erst zwei Wochen zuvor legte er die Prüfung zum Pilzsachverständigen der DGfM ab. Zu den Aufgaben eines Pilzsachverständigen gehören zum Beispiel Pilzführungen oder Pilzberatung.

Jedes Jahr Anfang Oktober veranstaltet Ferdinand eine Pilzausstellung bei sich zu Hause in Menzingen. Ausgestellt werden Waldpilze, Zuchtpilze, Giftpilze, seltene Pilze – alles, was das Herz begehrt. Auch verschiedene, von seiner Familie zubereitete, Pilzgerichte können direkt vor Ort genüsslich verkostet werden. Wichtig dabei: Es kommen nur Zuchtpilze in den Topf!

Einen Großteil der Pilze züchtet Ferdinand selbst, aber viele der ausgestellten Pilze kommen direkt aus dem Wald, die muss er dann zwei bis drei Tage vor der Ausstellung sammeln. Dafür fährt er auch schon mal bis in den tiefsten Schwarzwald. Und das nicht selten. Der ursprüngliche Kronauer hält sich einfach gerne im Freien auf. Auf seinen Pilzwanderungen

Gefährliche Pilzsuche

findet der Naturmensch jedoch nicht immer nur Pilze, so sah er sich einst einem angriffslustigen Auerhahn gegenüber. Glücklicherweise konnte er den Angreifer rechtzeitig in die Flucht schlagen.
Findet der Pilzexperte eine seltene Pilzart, ist die Neugier groß, kann er diese dann auch noch bestimmen, ist die Freude umso größer. Es kommt jedoch auch vor, dass er einen Pilz findet, den er weder selbst zuordnen, noch in seinen Büchern finden kann. „Es gibt so viele seltene Pilzarten, die in der Literatur nicht zu finden sind. Dann muss man einfach sagen: Ich kenne diesen Pilz nicht. Das ist keine Schande.“


INFO-BOX

Pilzsachverständige in der Region

gibt es in Kraichtal, Zaberfeld und Karlsruhe.
Sie finden sie aktuell über diesen Link. Suchen Sie in der Karte einfach nach den genannten Orten:
Weitere Pilzsachverständige >>>


Für eine erfolgreiche Pilzausbeute lautet die wichtigste Devise: Aufmerksam sein! Man kann überall Pilze finden, sei es im dichten Unterholz, an lichten Wegesrändern, bei Bäumen oder auf Holzstämmen. Viele Pilzarten wachsen nur in Symbiose, das heißt bei Bäumen. Meist sagt dies schon der Name, so wächst der Birkenpilz nur bei Birken oder die Eichenrotkappe nur bei Eichen. Andere Pilzarten wachsen gerne auf totem Holz, sprich auf Holzstämmen. Auch gibt es Pilze, die lebendes Holz befallen, diese gelten jedoch als parasitische Pilze, wie zum Beispiel die Hallimasche, welche zwar essbar, jedoch nicht gut bekömmlich sind.

Be careful

Die Pilzsuche sollte sich jedoch nicht nur auf den Boden beschränken. „An einem abgestorbenen Holzstamm können Pilze gut zwei bis drei Meter hoch wachsen“, erklärt Ferdinand. Als optimale Jahreszeit gilt vor allem das Spätjahr, oft ist jedoch schon von Juni bis Ende Oktober mit reichlichen Pilzfunden zu rechnen. Die Witterungsverhältnisse spielen zusätzlich eine wichtige Rolle. Eine  hohe Luftfeuchtigkeit, Regen und Schwüle sind ausschlaggebende Faktoren, die ein ausgewogenes Pilzwachstum garantieren.

Große Aubeute: Ferdinand Messner mit einem Korb voller Pilze
Große Aubeute: Ferdinand Messner mit einem Korb voller Pilze

Wichtig ist, dass man einen Pilz vor dem Verzehr identifiziert hat, zu groß ist das Risiko einer Vergiftung. So besteht schon beim einfachen Speise-Champignon die Verwechslungsgefahr mit dem hochgiftigen Knollenblätterpilz, der letztendlich zum Tod führt.
Wenn man nun einen Pilz gefunden hat, muss man ihn vorsichtig aus dem Boden drehen, demonstriert uns Ferdinand an einem kleinen Schirmpilz. Erst jetzt ist es an der Zeit den Pilz zu bestimmen. Den ersten Anhaltspunkt liefert das Aussehen des Fruchtkörpers, sprich der Habitus bestehend aus Hut, Stiel und Lamellen.

Als nächsten Schritt bricht Ferdinand den Pilz auseinander und riecht daran, denn der Geruch macht oft die Identifizierung leichter. Ausgerechnet heute kommt Ferdinand allerdings ein Pilz unter, den er so gar nicht zuordnen kann. Er ist Handflächengroß und weiß, doch weder Aussehen, noch Geruch helfen ihm weiter. Deshalb packt er den Pilz in seinen Korb, um ihn zu Hause in seinen Pilzlexika nachzuschlagen. Und wenn er ihn dann immer noch nicht bestimmen kann? „Dann bin ich verärgert“, lacht Ferdinand und verabschiedet sich von uns. Am Ende unseres Ausfluges haben wir eine Pilzausbeute, die sich auf jeden Fall sehen lassen kann! Unser Korb ist voll und beeindruckt selbst den Pilzsachversändigen! Wir sind glücklich über unseren Erfolg und freuen uns, dass wir endlich die Füße hochlegen dürfen!


INFO-BOX

Weitere Infos unter www.pilze-messner.de


Text: Laura Ries, Bilder: egghead • Erstveröffentlichung Herbst 2014

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