17. März 2026 | Es ist früh und kühl. Die Sonne kommt flach von der Seite, von Odenheim herüber, streift über die Hügel, als würde sie sich erst vorsichtig vergewissern, ob das hier wirklich alles noch da ist. Das Planetarium, der Planetenweg, die Astronomie-Modelle. Die Schutzhütte. Der lange Weg von über dreißig Jahren. Gestern hat Roland Zimmermann, vielen Menschen der Region bekannt als der Erbauer der Sternwarte Kraichtal, auf seiner Webseite bekannt gegeben, dass er sein „Projekt“ verkaufen will.
Lesen Sie auch: Die Frage nach der Zukunft der Sternwarte Kraichtal
Als ich den Hügel am Ortsrand von Oberöwisheim hochsteige, steht Roland Zimmermann schon da. Kein großes Begrüßungsritual. Er nickt. Ein fester Händedruck. Heute wirkt er ein bisschen still, wo er doch sonst so viel zu sagen hat, zu Sternen, zu Planeten, zu Menschen.
Was wird jetzt aus der Sternwarte, die für viele ein gern besuchtes Ausflugsziel ist?
„Kommen Sie“, sagt er. „Das hier ist mein Lieblingsmodell.“ Er bleibt davor stehen. „Weil es eines der ersten war. Und weil man hier sieht, wie alles zusammenhängt.“ Ich schaue – und sehe zunächst nur eine vergitterte Kugel. Ein rundes, fast schwebendes Gebilde aus Metallstäben, wie die gedachten Linien der Erde, Meridiane, Breitenkreise.
Das mechanische Planetarium
Dann treten wir näher. Ein mechanisches Planetarium. Eine riesige Portion Handwerk. Und inzwischen so etwas wie das Wahrzeichen dieser Sternwarte. Er öffnet es – oder besser: er führt mich hinein. Plötzlich stehe ich nicht mehr davor, sondern mittendrin. Und dann sehe ich die zweite Ebene. Eine feinere, leichtere Hülle aus dünneren Stäben, auf denen die Sternbilder sitzen. Orion. Kassiopeia. All das, was man sonst nur als Lichtpunkte kennt, hier als massive Konstruktion aus Metall.
„Das ist alles beweglich“, sagt er. „Drehbar.“ Er greift an eine Stelle, setzt die jetzt riesige Kugel in Bewegung. Ganz ruhig und kontrolliert. „Ich kann jeden Zeitpunkt einstellen. Jeden.“ Und dann versteht man, dass das hier auch eine Maschine für Zeit ist. Für Himmel. Für Verständnis. „Wenn ich Führungen mache“, sagt er, „kann ich den Sternenhimmel nachstellen. Genau so, wie er gerade ist. Oder wie er war. Oder wie er sein wird.“
Und wie fing das alles an?
Er erzählt von den Anfängen. Ein Weinberg. Aufräumen. Ein Blick nach oben. Die Faszination des Sternenhimmels. Ein Fernglas. Dann ein größeres. Dann ein Teleskop. Dann mehrere. Dann kamen die ersten Besucher. Und mit ihnen die Fragen. „Und die Fragen“, sagt er, „waren das Problem. Weil ich das Universum nicht nur mit meiner Sprache erklären konnte. Ich wollte es zeigen!“
Also hat er es gebaut. Modelle. Wege. Mechaniken. Dinge, die man anfassen kann. Jetzt nach mehr als dreißig Jahren ist daraus ein Astronomie-Park geworden. War von Anfang nicht so geplant, ist halt gewachsen wie ein Organismus.
Die Sonnenfinsternis – ein Lebensereignis
„Welches waren die herausragenden Moment in dieser langen Zeit?“ Er überlegt nicht lange. „1999. Die totale Sonnenfinsternis am 11. August.“ „Da war das hier alles noch ganz jung. Wir standen hier oben, ein paar Astronominteressierte, Freunde. Und dann wurde es dunkel.“ Er macht eine kleine Bewegung mit der Hand, als würde er die Sonne ausschalten. „Das vergisst man nicht.“
Und ähnlich 2015. Die partielle Sonnenfinsternis (Anm. d. Redaktion: Filmbericht von KraichgauTV). Jetzt schon mehr Menschen, mehr Technik, viel mehr Öffentlichkeit. „Da waren viele hier. Und jeder wollte schauen.“ Ein erster großer Beweis, dass sich das wohl gelohnt hat.
10.000 Besucher im Jahr
„Wie viele Menschen waren hier oben?“ Er rechnet kurz. „Zehntausend im Jahr ungefähr.“ Seit drei Jahrzehnten. Man kann das hochrechnen, wenn man will. „Der weiteste Besucher war ein Astrofan aus Brasilien“, erzählt er. „Der hat die Sternwarte im Internet gesehen. Und als er beruflich in Heilbronn war, ist er zu einem Abstecher hier hochgefahren.“ Er zuckt mit den Schultern, als wäre das nichts Besonderes.

Wir gehen weiter zwischen den Modellen. „Die Kinder“, sagt er irgendwann, „sind die besten. Weil die manchmal Fragen stellen, auf die man nicht vorbereitet ist.“ Und erzählt die Geschichte mit dem Merkur. 58 Tage brauche er für eine Rotation. Eine Seite glühend heiß, die andere „arschkalt!“ Und dann dieser Siebenjährige, der sagt, er würde sich einfach an die Grenze stellen und je nach Temperatur ein paar Schritte weitergehen. Zimmermann lacht, wenn er das erzählt. „Das ist logisch“, sagt er. „Und gleichzeitig komplett falsch. Aber sowas bleibt hängen.“
Er spricht auch über Unterschiede, die man nicht erwarten würde. „Man merkt, wer aus dem Osten kommt“, sagt er. Weil? „Die hatten Astronomie in der Schule. Pflichtfach.“ Ein Satz, der fast beiläufig fällt.
Sind wir allein?
„Und was ist die häufigste Frage?“ Jetzt muss er nicht überlegen. „Am Schluss jeder Führung.“ … „Sind wir allein im Universum?“ Zimmermann schaut kurz nach oben. „Ganz sicher nicht“, sagt er dann. „Aber wir werden den Anderen nie begegnen.“ Wir bleiben stehen und schauen in die Kraichgaulandschaft, der Blick von hier oben in Richtung Oberöwisheim reicht bis in den Nordschwarzwald.
Jetzt steht die ganze Sternwarte zum Verkauf
„Warum wollen Sie jetzt aufhören und verkaufen?“, fragt der Landfunker-Reporter. „Ich spüre mein Alter, die Fitness lässt nach. Nicht erst seit gestern, seit mehr als sechs Jahren mach ich mir schon meine Gedanken“, sagt er weiter. Ein junger Astronom, der sehr begeistert war, wäre ein möglicher Mitstreiter gewesen. „Das hätte passen können.“ Aber dann kam die Realität knallhart von den Sternen auf den Boden von Oberöwisheim zurück: Pflege. Arbeit. Verantwortung. „Das ist halt doch mehr als ein Hobby“, sagt Zimmermann. „Das heißt jede Woche Rasenmähen, Heckenschneiden, Modelle säubern und instand halten.“
Er hat auch nachgedacht über eine Vereinsgründung. Gut gedacht. Gut begonnen. Dann versandet. „Viele wollen die Sterne“, sagt er. „Wenige wollen die Arbeit.“
Große Anerkennung
Er hat 2025 den Bürgerpreis der Sparkasse Kraichgau bekommen. Für sein Lebenswerk. Dazu die Einladung nach Berlin, zum Bundespräsidenten. Aber hier oben zählt etwas anderes. „So ein Ort braucht jemanden, der bleibt“, sagt er. Und dann dieser Satz, der alles zusammenfasst:
„Nicht jemanden, der ihn schön findet. Sondern jemanden, der die Idee weiterträgt.“
Der Landfunker wünscht ihm viel Erfolg – dass er und „unsere“ Kraichtaler Sternwarte noch ein langes Leben haben.
Die Frage nach der Zukunft der Sternwarte Kraichtal
Mit der Verkaufsankündigung vom 17. März 2026 beginnt für die Sternwarte Kraichtal eine neue Phase.
Zum Verkauf steht ein vollständig entwickelter Astronomiepark mit rund 3.920 Quadratmetern Fläche, inklusive aller Bauten, Modelle und technischer Infrastruktur. Dazu gehören drei Teleskope, speziell konstruierte Plattformen, eine gesicherte Schutzhütte sowie die komplette Energie- und Überwachungstechnik. Ein wesentlicher Bestandteil ist auch die gewachsene digitale Präsenz: Die Website besteht seit 2004 und verzeichnet über 1,3 Millionen Zugriffe.
Der Standort selbst bietet außergewöhnlich gute Bedingungen: geringe Lichtverschmutzung, klare Sichtachsen und eine Fernsicht bis in den Nordschwarzwald.
Bedeutung für Region und Tourismus
Für die Stadt Kraichtal ist die Sternwarte ein identitätsstiftender Ort geworden. Der Name ist überregional bekannt und steht für ein außergewöhnliches Bildungs- und Freizeitangebot.
Auch die Tourismus Kraichgau-Stromberg nutzt den Standort als besonderes Ausflugsziel – eine Kombination aus Naturerlebnis, Wissensvermittlung und Fernblick, die in dieser Form selten ist.
Mit jährlich rund 10.000 Besuchern und über 45 angebundenen Wander- und Fahrradrouten ist die Anlage fest im regionalen Tourismus verankert.
Wer kommt als Nachfolger infrage?
Die Anforderungen sind klar umrissen:
- Fachliches Interesse oder Wissen im Bereich Astronomie
- Bereitschaft zur kontinuierlichen Pflege des Geländes
- Organisationstalent für Führungen und Veranstaltungen
- Verständnis für Öffentlichkeitsarbeit und digitale Präsenz
Realistisch erscheint kein Einzelkäufer, sondern eher ein Zusammenschluss mehrerer Personen oder ein strukturiertes Trägermodell.
Landfunker RegioNews Regioportal für News, Videos & Termine aus Bruchsal, Bretten, Karlsruher Norden



