Friedbert Stiefel, Bäckermeister aus Gondelsheim, bildet gerne aus.
Friedbert Stiefel, Bäckermeister aus Gondelsheim, bildet gerne aus.

BERUF & KARRIERE :: Ein Beruf für Frühstarter – Das Bäckerhandwerk auf der Suche nach Nachwuchs

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Frauen in Handwerksberufen sind selten. Wenn, dann trifft man meist auf Friseurinnen. Ab und an findet sich mal eine Schreinerin, eine Kfz-Mechatronikerin oder eine Malergesellin, aber Bäckerinnen sind ganz rar, genauso rar, wie ihre männlichen Kollegen, denn einen Azubi für das Bäckerhandwerk zu finden ist fast so schwer wie die Nadel im Mehlsack.

„Ich bilde gerne aus“, sagt Friedbert Stiefel, Bäckermeister aus Gondelsheim. „Ein paar Verrückte gibt es immer“, fügt er noch schnell augenzwinkernd hinzu. Mit seinen zwei Geschäften in Bretten und Diedelsheim und dem Wochenmarktstand in Bretten braucht Bäcker Stiefel auch unbedingt den Nachwuchs. Sein Sortiment – und damit sein Erfolg – basiert auf frischer, selbstgebackener Ware nach Familienrezepten. Teiglinge kommen bei ihm nicht in die Tüte, sogar die Nudeln macht er selbst.

Karolin Keller ist mit Leib und Seele Bäckerin.
Karolin Keller ist mit Leib und Seele Bäckerin.

Seine zwei Azubienen sind so verschieden, wie ihr Aussehen. Karolin Keller, 18 Jahre alt aus Ölbronn ist mit Leib und Seele Bäckerin. Sie liebt ihren Beruf und hat auch kein Problem mit den doch sehr besonderen Arbeitszeiten. Von 3 Uhr nachts bis 12 Uhr mittags in der Backstube stehen ist nicht gerade die Wunscharbeitszeit von jungen Leuten. Wenn ihre Freunde in die Disco ziehen, fährt Karolin zur Arbeit. „ Das ist nicht so schlimm, unter der Woche würde ich sowieso nicht weggehen und am Wochenende habe ich ja auch frei. Außerdem genieße ich es nachmittags etwas zu unternehmen, wenn die anderen noch im Büro sitzen. Ich bleibe auch nach der Ausbildung bei diesem Beruf, denn es macht unheimlich Freude etwas mit den Händen zu schaffen“, sagt sie.

Ganz anders hört es sich bei Patricia Rettig an. Ebenfalls 18 Jahre alt, wird sie im Mai 2014 ihre Ausbildung schon beenden. Ihr Wunschberuf war Konditorin, weil sie sehr gerne Kuchen gestaltet. Da es aber nur wenige Ausbildungsplätze im Konditorenhandwerk gibt, ist sie auf die Alternative Bäcker ausgewichen. Sie könnte noch eine Zusatzausbildung zum Konditor an ihre Bäckerlehre anhängen, das weiß sie aber heute noch nicht genau. Eigentlich ist es besser Bäcker zu lernen, lasse ich mir den Unterschied zwischen den beiden Berufen erklären. Ein Bäcker kann Brot, Brötchen und Kuchen backen, ein Konditor nur süße Sachen. Der Konditor hat den Vorteil, dass er –oder sie natürlich – nicht zwingend nachts arbeiten muss, Kuchenbacken geht immer. Brezel und Brötchen müssen frisch auf den Frühstückstisch. Hier hat Patricia ein Problem, sie ist kein „Frühstarter“, die Nachtarbeit macht ihr zu schaffen, sie ist müde und würde viel lieber tagsüber arbeiten.

Auf die Frage, ob es einen geschlechtsspezifischen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Auszubildenden gibt, bekommt man von Bäcker Stiefel ein ganz klares NEIN. Er habe schon sehr viele junge Leute ausgebildet und nimmt immer wieder gerne Frauen, das ist für ihn völlig egal. „Die Bewerber müssen den Beruf machen wollen  und Interesse zeigen, leider sind es immer nur wenige.

Ich stehe für mein Handwerk und hoffe, dass ich durch die persönliche Ausbildung noch lange einen Gegenpol bieten kann zu den Großbäckereien, damit die Tradition nicht ausstirbt.“

Bäckerei Stiefel
Schwandorfstraße 55
75015 Bretten
Telefon: +49 7252 2445
Telefax: +49 7252 87113
www.baeckerei-stiefel.de
Öffnungszeiten: Mo-Fr: 6:00 – 18:00 Uhr
Sa: 06:00-13:00 Uhr

Text & Bilder: Andrea Bacher-Schäfer

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