Landfunker RegioPortal / 04 - REGION / Rhein-Hardt / Forst / WALD :: Wirtschaftsbetrieb mit Holzweg

WALD :: Wirtschaftsbetrieb mit Holzweg

Was haben ein Maisfeld und ein Forst gemeinsam? Sie dienen beide der wirtschaftlichen Nutzung. Ein Forst, das ist ein Wald unter forstwirtschaftlicher Nutzung, im Gegensatz zu einem Naturwald.

Die Waldwirtschaft erstreckt sich über 31 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands. Über 1,2 Mio. Menschen finden in der Holzindustrie Arbeit, die mehr als 170 Mrd. Euro jährlich umsetzt. Der Forstbezirksleiter des Forstamtes Bruchsal, Dr. Thomas Eichkorn, ist unter anderem für den Kammerforst zwischen Karlsdorf-Neuthard, Forst und Hambrücken zuständig. Er entscheidet nach den amtlichen Vorgaben und den Marktpreisen, welches Holz, wie viel davon und wann es geschlagen wird. Der Förster ist quasi der Manager des Waldes.

Wie jeder Markt ist auch der Holzmarkt von der Nachfrage abhängig. Seit den 1980er Jahren wird alle zehn Jahre der Wald begutachtet und inventarisiert. Der Bericht, ein mehrere hundert Seiten starkes Buch, dient als Bemessungsgrundlage. Schlägt er zu viel, bleibt das Holz liegen und fällt Schädlingen oder der Witterung zum Opfer, lässt er zu wenig schlagen, bleibt der Holzofen im Winter leer. Alle Entscheidungen müssen nachhaltig getroffen werden, immerhin wächst ein Wald deutlich langsamer nach als ein Maisfeld. Im Kammerforst stehen überwiegend Fichten und Buchen, viele über 150 Jahre alt.

Nach dem Bericht wird nicht nur entschieden, welche Bäume gefällt werden, sondern auch welche Art und wie viele Bäume nachwachsen sollen. Das geschieht dann entweder durch Aufforstung oder Naturverjüngung (natürliches Wachstum des Baumbestandes aus aufgehenden Samen).

_

Anzeige

lfk-banner_tretlager-540x194

_

Der Förster darf allerdings nicht nur den wirtschaftlichen Nutzen im Blick haben, er muss auch auf die Ökologie des Waldes achten. Der Wald dient zum einen als Naherholungsgebiet für Spaziergänger und Sporttreibende, viel wichtiger jedoch: als Lebensraum für Wildtiere. Dafür werden Alt- und Totholzinseln ausgewiesen, das sind spezielle Gebiete in denen keine forstwirtschaftliche Nutzung betrieben werden darf und die Waldarbeiter nicht in den natürlichen Zerfallsprozess eingreifen. Besonders Vögel und Fledermäuse nutzen die abgestorbenen Bäume als Nistplätze.

ForstbetriebWaldspaziergang_2015_Buch

Alt- und Totholzinseln – Empfindliches Ökosystem

Ein anderes Problem, das Dr. Eichkorn im Blick hat, ist die Gesundheit der Bäume. Unter zu heißen und trockenen Sommern leiden insbesondere die Kiefern. Sie trocknen aus und sterben ab. Um aus diesen noch Profit zu schlagen, müssen sie rechtzeitig gefällt werden. Auch Misteln wachsen gerne auf den Nadelbäumen, entziehen ihnen jedoch die Feuchtigkeit und Nährstoffe. Engerlinge machen den Wurzeln zu schaffen. Alle Faktoren stellen Rückschläge für die Wirtschaftlichkeit aber auch das Ökosystem des Waldes dar.

Auch Rotwild und Wildschweine vergehen sich gerne an den jungen Bäumen. Natürliche Feinde der Wildschweine, beispielsweise Wölfe, sind in Deutschland kaum noch zu finden. Diese Aufgabe wird nun von Jägern übernommen. Ulrich Henniker ist seit elf Jahren Jäger. Ihm mache das neue Jagdgesetz zu schaffen, denn „der Jäger soll individuell entscheiden. Oft kommt es auf das Gebiet und den Bestand an“. Er sieht seine Aufgabe darin einzugreifen, aber nicht auszurotten, speziell die Füchse betreffend. Sie seien Feind und Freund zugleich. Zum einen erbeuten sie Jungtiere, zum anderen dienen sie als Gesundheitspolizei des Waldes, da Füchse auch Aas fressen.

Gerhard Leicht vom Verein Lebendiges Biotop Karlsdorf-Neuthard lud am 20. März zu einem ökologischen Waldspaziergang durch den Kammerforst ein. Ihm liegt der Naturschutzaspekt am Herzen, denn er befürchtet, dass der bei all den wirtschaftlichen Interessen zu kurz käme. Seine Lösung: Aufklärung für den Naturschutz betreiben und die Bedeutung des Waldes für alle Lebensformen auf diesem Planeten verdeutlichen. Einen ersten Schritt kann jeder tun, beim nächsten Waldspaziergang den eignen Müll wieder mitnehmen und Leinenpflicht für Hunde beachten, damit sie die am Boden lebenden Tiere nicht stören.

Siehe auch

Symbolbild Wald-Fichten-Baum-Sturm-entwurzelt-umgefallen-2-pixab

Landkreis | Der Landkreis Karlsruhe sieht sich im Bereich Forst gut gerüstet

Meldung | Umfangreiches Forstreformgesetz beschlossen