Dr. Christian Jung | „Die Situation im vergangenen Jahrhundert ist … nicht mit der Gegenwart vergleichbar.“

75 Jahre nach Kriegsende – Wiederholt sich die Geschichte? Ist die Situation, wie sie nach dem Ersten Weltkrieg in der Weimarer Republik herrschte, mit der in der Bundesrepublik des Jahres 2020 zu vergleichen?

Viele Menschen machen sich Sorgen, dass sich die Geschichte wiederholt. Wie können die Parteien extreme Meinungen und Strömungen wieder in der demokratischen, sogenannten „Mitte“ versammeln? Die Wahl des Ministerpräsidenten im Bundesland Thüringen hat alle erschüttert. Sind dadurch Rückschlüsse auf die übrigen Bundesländer zu ziehen oder handelt es sich um ein singuläres Phänomen?

Unsere Redaktion hat Menschen mit Bezug zu Bruchsal, Politik und Historie um ein Statement zu dieser Frage gebeten. Nicht alle Eingeladenen konnten oder wollten darauf eine Antwort geben.

Antwort von Dr. Christian Jung, Bundestagsabgeordneter der Freien Demokraten FDP (Wahlkreis Karlsruhe-Land)

„Vor 100 Jahren gab es nach dem Ersten Weltkrieg auch in Baden sowie in und rund um Bruchsal soziale und existenzielle Probleme, die mit unseren heutigen „Herausforderungen“ in einer Region mit Vollbeschäftigung nicht vergleichbar sind.

Der gesamte Landkreis Karlsruhe war damals noch sehr landwirtschaftlich geprägt, was den Lebensalltag prägte. Das Krisenjahr 1923, die Weltwirtschaftskrise und die damals steigende Arbeitslosigkeit begünstigten in der Weimarer Republik politischen Extremismus von rechts und von links, wenn man an den Aufstieg der NSDAP und die Entwicklung der KPD denkt.

Die Situation im vergangenen Jahrhundert ist also nach meiner Analyse nicht mit der Gegenwart vergleichbar. Für die im Bundestag vertretenen Parteien des Verfassungsbogens, also die CDU/CSU, die SPD, die Freien Demokraten FDP und Bündnis 90/Die Grünen wird es deshalb notwendig sein, nicht nur miteinander Probleme der Menschen zu lösen, sondern ebenso permanent die Grundsätze unserer Verfassung und des liberalen Rechtsstaats zu artikulieren und zu leben. Dies bedeutet konkret, dass es keine Kooperationen und Koalitionen mit Parteien geben darf, die unsere pluralistische Gesellschaft mit ihrer Konzentration auf das Individuum in Frage stellen. In meinem Umfeld werde ich in dieser Haltung permanent bestärkt.“

Christian Jung, Februar 2020

 

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