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WILLI-Story | Volkshochschule Bruchsal als Durchlauferhitzer?

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Noch Ende Februar fand man auf der Facebook-Seite der Stadt Bruchsal ein schmissiges Video, in dem Alexander Kabus als neuer Leiter der VHS-Bruchsal locker-flockig das neue Kursprogramm vorstellte. Das Filmchen war auch nach drei Jahren mit 330 Aufrufen nicht gerade ein Quotenhit. Was aber manchen Beobachter verwunderte: Der auftretende Herr Kabus hat sich bei der VHS schon lange wieder verabschiedet, einige würden auch sagen, vom Acker gemacht. Die Leitung der VHS Bruchsal ist seit Monaten quasi verwaist.

Aus WILLI 03/26 Text: Hubert Hieke

Ähnlich anderer Geschäftsstellen im Landkreis Karlsruhe besteht die VHS Bruchsal aus 12 Trägergemeinden, die durch eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung verbunden sind und deren Trägerversammlung unter Vorsitz des Bruchsaler Oberbürgermeisters Sven Weigt die Aufsicht führt. Die einzelnen Kommunen müssen den finanziellen Aufwand für die Räumlichkeiten eigenständig tragen. Nur die Geschäftsstelle der VHS wird entsprechend finanziell aufgeteilt. So werden z. B. in Bruchsal die Seminarräume im Bürgerzentrum zu Lasten des städtischen Haushalts angemietet.

Die Räumlichkeiten sind nicht immer einladend, aber viele Teilnehmer und Dozenten recht pragmatisch und anspruchslos, auch wenn es sich um Kellerräume handelt. Und dass man bisweilen während eines laufenden Kurszyklus den Unterrichtsraum im ehemaligen Feuerwehrhaus aufgeben und zum Campusgelände wechseln muss, geschenkt. Schon lange führt die VHS in Bruchsal auch räumlich selbst in ihrer Geschäftsstelle eher ein Schattendasein.

Dabei sieht das Land Baden-Württemberg seit Jahrzehnten die Erwachsenenbildung als eine wichtige Säule der Bildungsarbeit, als Beitrag zur Partizipation, Selbst- und Mitbestimmung und fördert diese Bildungseinrichtungen. Im Rahmen dieses Auftrags bieten die Träger im Landkreis unzählige Kurse in den Bereichen Gesellschaft und Leben, Kultur, Sprache sowie Beruf und Arbeit an. Vom Whiskey-Tasting über Acrylic Puring Art, Spanisch für Fortgeschrittene, Rückenfit bis zu Schwimmkursen für Kinder reicht das Angebot. Und für meist kleine Münze von €3.50 pro Unterrichtseinheit kann jeder Bürger teilhaben. Gerade diesen Anspruch gilt es zu festigen. Denn Kulturangebote und Weiterbildung sollten auch jenen möglich sein, denen ein Rotary Club verschlossen bleibt.

VHS Bruchsal seit Monaten führungslos.

So erfüllt die VHS eine wichtige, leider meist unzulänglich wertgeschätzte Bildungsfunktion. Daher ist es dann auch nicht verwunderlich, sollte jemand die VHS-Geschäftsführung möglicherweise nur als Durchlauferhitzer auf dem Weg zu höheren Weihen erachten.

Wie auch immer; die Leidtragenden von Verwerfungen in der Geschäftsführung der VHS Bruchsal sind alle anderen: die Kursteilnehmer, Mitglieder der Teamleitung auch in den Außenstellen und die Dozenten. Letztere arbeiten meist seit Jahren mit viel Herzblut in den nicht immer hochmodernen, teilweise maroden Räumlichkeiten in Bruchsal und im nördlichen Landkreis. Kein Hausmeister läuft wie im Rathaus ständig durch die Flure und knipst das Licht aus, niemand rückt Stühle zurecht, dreht die Heizung auf und lüftet durch. Und das Honorar von meist €20 je Unterrichtsstunde würde manchem Griffelspitzer in den ommunalverwaltungen nur ein müdes Lächeln abgewinnen. Gerade deshalb verdient diese Institution mehr Respekt.

Auch gibt es weit kostenträchtigere kommunalpolitische Unterfangen, wenngleich die Finanzierung schwierig ist. In manchen Jahren konnten Defizite mit Erspartem ausgeglichen werden. In der mittelfristigen Finanzplanung der Stadt Bruchsal stehen für 2026 Einnahmen von knapp €700.000 Ausgaben von etwas mehr als €800.000 gegenüber. Und wenngleich das daraus resultierende Defizit in den Folgejahren leicht ansteigt, scheinen €150.000 im Vergleich zu anderen Verpflichtungen und freiwilligen Leistungen recht überschaubar. Dennoch, nicht nur in Bruchsal, auch in anderen VHS-Geschäftsstellen im Landkreis stagnieren seit Corona die Teilnehmerzahlen, der Weiterbildungsmarkt hat sich verändert und innovative Konzepte sind gefragt. Gerade deshalb hatten sich die Beteiligten von Kabus nicht nur Vorschläge und Ideen, sondern tatsächliche Ergebnisse erhofft.

Dass die Bruchsaler VHS derzeit aber nicht völlig führungslos ist, ist allein der Allzweckwaffe Thomas Adam zu verdanken. Der Leiter der Abteilung 3 im ebenfalls derzeit führungslosen Hauptamt übernahm vor Monaten kommissarisch die Verantwortung und dient quasi als Notnagel. Oder besser gesagt, ihm wurde die Aufgabe übertragen, während andere die Karriereleiter hinaufklettern. Adam ist ein Aushängeschild der Verwaltung. Wer schon einmal einen Fachvortrag des sachkundigen Kenners zur Regionalgeschichte genießen durfte, wird dieser Aussage sicherlich zustimmen. Adam scheint im Zweifel für alles herhalten zu sollen, wenn es um Kultur, Museum, Geschichte, Landesbühne und eben die VHS geht. Zusätzlich hält Adam ja auch noch im Rahmen des 1050-Jahres-Programms Vorträge.

Bildungsauftrag leidet unter Führungschaos.

Kabus ist hingegen inzwischen nahtlos zum stellvertretenden Amtsleiter im Amt für Soziales und Familie mutiert. Dass man ihn so geräuschlos und insbesondere ohne Übergangsfristen wechseln ließ, zeigt auch, welchen erbärmlichen Stellenwert die Funktion des VHS-Leiters bei einigen Personen in der Bruchsaler Verwaltungsspitze lange gehabt hat. Äußerte sich Kabus bei seinem VHS-Start öffentlich noch recht euphorisch über seine umfassenden VHS-Pläne, so fiel sein Statement beim Abgang recht schmallippig aus. Oder besser gesagt, es gab gar keines. Denn erst auf Nachfrage über die Pressestelle war ihm die schriftliche Aussage zu entlocken, dass seine Entscheidung zu einem Stellenwechsel keine gegen die VHS gewesen sei, in der er sich immer sehr wohlgefühlt habe, sondern eine bewusste Entscheidung für den nächsten beruflichen Schritt innerhalb der Stadt Bruchsal, die er als sehr guten und verlässlichen Arbeitgeber schätze. Dort habe er erweiterte strategische Aufgaben, die mit größerer Personalverantwortung und langfristigen beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten verbunden seien.

Übrigens setzt man bei der VHS Bruchsal ab März mit Frau Miriam Severin wieder auf eine interne Lösung. Denn aller Voraussicht nach übernimmt diese engagierte VHS-Mitarbeiterin die Leitung. Man kann diesen Schritt nur begrüßen und viel Erfolg wünschen.

Hubert Hieke
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