26. Februar 2026 | Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg erinnern zur Fastenzeit an die Legende der Maultasche, die ihren Ursprung im Kloster Maulbronn haben soll. Auch wenn die Geschichte um Mönch Jakob nicht belegt ist, zeigt sie, wie kreativ Klöster einst mit strengen Fastenregeln umgingen.
Die Maultasche gehört zu den bekanntesten schwäbischen Spezialitäten. Besonders in der Fastenzeit erlebt sie Hochkonjunktur. Einer Legende zufolge soll ein Mönch namens Jakob im mittelalterlichen Kloster Maulbronn auf die Idee gekommen sein, Fleisch in Nudelteig zu verstecken, um die strengen Fastenvorschriften zu umgehen.
Der Überlieferung nach war Jakob zufällig in den Besitz eines Stückes Fleisch gelangt. Da Fleischverzehr in der Fastenzeit untersagt war, soll er es klein gehackt, mit Gemüse vermischt und in Teigtaschen verborgen haben. So entstand angeblich eine neue Fastenspeise. Im Volksmund erhielten die Maultaschen deshalb den Beinamen „Herrgottsb’scheißerle“.
Legende ohne Beleg – aber mit historischem Hintergrund
Christus-Johannes-Gruppe, Foto: Dieter Jäger
Historische Beweise für diese Entstehungsgeschichte gibt es nicht. In den Archiven des Klosters Maulbronn finden sich keine entsprechenden Hinweise. Zudem durften Zisterzienser generell kein Fleisch von Vierfüßlern essen.
Auch Eier, die für den Nudelteig benötigt werden, waren in der Fastenzeit nicht erlaubt.
Dennoch hat die Geschichte einen wahren Kern. Klöster legten die Fastenregeln mitunter kreativ aus. Fische galten als „Flussgemüse“, Biber wurden zu Wassertieren erklärt. Entsprechend spielte die Fischzucht in vielen Zisterzienserklöstern eine bedeutende Rolle, etwa auch im Kloster Salem am Bodensee.
Frömmigkeit und Andacht im Klosteralltag
Klosterkirche Alpirsbach, Foto: Petra Schaffrodt
Trotz solcher Auslegungen war das Leben der Ordensgemeinschaften stark von Frömmigkeit geprägt. Davon zeugen bedeutende Kunstwerke wie das monumentale Kruzifix in der Klosterkirche Maulbronn oder der Marienaltar im Schwarzwaldkloster Kloster Alpirsbach, der Szenen der Passionszeit zeigt.
Im oberschwäbischen Kloster Heiligkreuztal, dem am besten erhaltenen Zisterzienserinnenkloster der Region, befindet sich die berühmte Christus-Johannes-Gruppe aus dem frühen 14. Jahrhundert. Die Darstellung des Lieblingsjüngers Johannes, der sich an die Brust Jesu lehnt, diente den Nonnen als meditative Anregung in der Passionszeit.
Hintergrund: Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg betreuen 63 historische Monumente im Südwesten, darunter das UNESCO-Welterbe Kloster Maulbronn, Kloster und Schloss Salem sowie zahlreiche weitere Klosteranlagen und Residenzen.
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