Echos aus dem Mahlwerk: Wenn ein Steindenkmal zu erzählen beginnt

Hinter dem heutigen Geschichtsfenster versteckt sich eine Geschichte, in der eine alte, historische Wassermühle im Zentrum steht. Dabei geht es natürlich um Bewegungs- und Lageenergie, Fall- und Fließenergie und um die entstandene Rotationsenergie…

 

Das ist Ihnen zu unromantisch?

Dann probieren wir es so: Stellen Sie sich vor, Sie laufen durch das Heidelsheim des 19. Jahrhunderts. An manchen Stellen verlassen Sie den Ort und streifen durch die Felder, die rund herum liegen. Immer wieder fällt Ihnen ein rauschendes, klapperndes Geräusch auf, das beständig einen leisen, aber wahrnehmbaren Schleier um den Ort webt. Manchmal lauter werdend, manchmal kaum noch zu hören.

Sie erkennen, dass dieses Geräusch von Mühlen kommt, die an der Saalbach liegen und von deren Wasserfluss profitieren. Zeitweise gab es tatsächlich bis zu fünf Mühlen, die hier mehr oder weniger nah am Ort angesiedelt waren. ImBereich der Bruchsaler Kernstadt waren es sogar mehr als doppelt so viele und eine ausgeprägte Mühlenwirtschaft überdauerte hier ab der ersten Überlieferung einer Mühle in der Mitte des 14. Jahrhunderts einen Zeitraum von weit über 500 Jahren. Mühlen bildeten ein wichtiges wirtschaftliches Rückgrat des Ortes und lieferten wie frühe Kraftwerke Energie für die Herstellung von Mehl, Öl, Brettern und anderen Gütern. Sie lösten menschliche oder tierische Muskelkraft als vorrangige Antriebsmethode ab und bildeten einen Katalysator wirtschaftlicher Entwicklung. Sie ermöglichten effizientere Verarbeitungstechniken und dadurch größere Versorgungskapazitäten.

Gerade landwirtschaftlich geprägte Gesellschaften, wie sie im Heidelsheim des 19. Jahrhunderts zu finden waren, profitierten von der Einrichtung von Mühlen, waren aber auch abhängig von deren Arbeit und diese wiederum hing maßgeblich von der Saalbach ab. Überschwemmungen oder Tiefstände waren ebenso ein Problem wie das Zufrieren der Saalbach im Winter, wobei nicht nur der Betrieb zum Erliegen kam, sondern häufig auch Schäden an den Wasserrädern die Folge waren.

Ein Problem, mit dem sich eine der fünf Heidelsheimer Mühlen nicht auseinandersetzen musste: Die Weisbrod’sche Mühle ist den Älteren vielleicht noch im Gedächtnis geblieben. Hier konnte der Betrieb das gesamte Jahr über aufrechterhalten werden, was an der Nähe der Mühle zum Schwallenbrunnen lag. Eine Karstquelle, die ihr Wasser auch im Winter mit einer konstanten Temperatur von 11°C lieferte und dadurch den folgenden Teil der Saalbach eisfrei hielt.

In den 1980er Jahren wurde der Schwallenbrunnen aufgrund der Vielzahl an Sagen und Geschichten, die sich um diesen Ort ranken, als Naturdenkmal gelistet, führt aber seit den 1990er Jahren kaum noch Wasser. Die Weisbrod’sche Mühle wurde 1748 von Jakob Grillo am Ort einer ehemaligen Sägemühle erbaut und war bis zu ihrem Abriss im Jahr 1977 in Betrieb.

1775 kaufte Johann Weisbrod die Mühle, dessen Namen sie fortan trug. Der 44cm breite Eckstein der Torrahmung von 1844, auf dem der Familienname zu lesen ist, konnte beim Abbruch der Mühlengebäude gesichert werden und befindet sich heute im Depot des Städtischen Museums Bruchsal. Er wird bei passenden Gelegenheiten immer mal wieder ausgestellt. Außerdem wurde das abrissreife Gebäude damals fotografisch dokumentiert, sodass wir heute noch wissen, wie die Mühle aussah und wo genau sich der hier vorgestellte Eckstein befand.

Eine alte Karte von 1877 an gleicher Stelle auf eine heutige Karte platziert. Die Weissbrodmühle lag ziemlich direkt westlich des heutigen Klärwerks. Montage: Landfunker.de

Die Tochter des letzten Weisbrod-Müllers heiratete 1834 Peter von Büren und betrieb die Mühle als Ölmühle unter dessen Namen weiter. Der Betrieb wurde nach dem Zweiten Weltkrieg aufgegeben. Diese Mühle und ihre besonderen natürlichen Bedingungen durch ihre Lage am Schwallenbrunnen haben die Heidelsheimer Geschichte über Jahrhunderte begleitet.

Weitere Objekte aus der Bruchsaler Stadtgeschichte können Sie im Städtischen Museum erkunden (Di-So 12-17 Uhr).

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