ORTSPORTRAIT | Unser Heidelsheim – Fakten, Infos, Menschen & Geschichten

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Mit Fackeln und Trommeln marschierte die Heidelsheimer Bürgerwehr im Juni durch den Ort. Wir lassen uns unser 1.250-Jähriges nicht verderben, so der Tenor.

Ja, wer die Heidelsheimer kennt, der weiß, dass sie sich ungern vom Feiern abhalten lassen. Das eigentliche Festwochenende fiel dann Pandemie bedingt leider doch aus, trotzdem feierten die Reichsstädter zumindest in kleinen Gruppen. Die 1250-Jahr-Feier wird aber nachgeholt vom 15. bis 18. Juli 2022. Die Organisatoren der ARGE Heidelsheim 2020 formulieren ihr neues Motto: „Vorfreude ist die schönste Freude – 2 Jahre gratis dazu“. Heidelsheim war bis September 1974 eine eigene Gemeinde, dann wurde der Ort der Stadt Bruchsal angegliedert. Mit 4.944 Einwohnern ist es heute nach Untergrombach der Zweitgrößte Stadtteil Bruchsals.

FAKTEN - Ort Heidelsheim

Einwohneranzahl:
4.944 (Stand 30.12.2019)

Gemarkungsfläche:
1.808 Hektar

Geografische Lage:
49°6‘5,22“ Nördliche Breite / 8°38‘38,26“ Östliche Länge (Marktplatz Heidelsheim)

Lage:
Heidelsheim liegt etwa fünf Kilometer südöstlich von Bruchsal, inmitten der sanften Hügellandschaft des Kraichgaus.

Ortsvorsteher:
Uwe Freidinger (CDU); Der gebürtige Heidelsheimer ist gelernter Steinmetz und Bildhauer. Nach langer Tätigkeit als Handelsvertreter im Baugewerbe, ist er seit 2012 Ge­bietsleiter im Vertrieb eines Herstellers für Sonderfahrzeuge. Der Träger der Adolf-Bieringer-Medaille ist aufgrund langjährigen Dienstes Ehrenkommandant der Feuerwehr. Außerdem ist er Gründungsmitglied der Bürgerwehr Heydolfesheim, die sich der Denkmal- und Heimatpflege verschrieben hat.

Kirchen und kirchliche Einrichtungen:
– Evangelische Kirche Heidelsheim / Martinskapelle (1711 – 1986 katholisch genutzt)
– Evangelisches Gemeindezentrum
– Neuapostolische Kirche

Kindergärten:
– Evangelischer Kindergarten „Der gute Hirte“
– Katholischer Kindergarten St. Martin
– Kinderbetreuungseinrichtung Mutige Rabauken

Öffentliche Einrichtungen:
– Dietrich-Bonhoerffer-Schule (Grundschule mit Ganztagesschule in Wahlform)
– Freiwillige Feuerwehr Bruchsal, Abteilung Heidelsheim
– Jugendzentrum Heidelsheim
– Freibad Heidelsheim
– Sporthalle Heidelsheim
– Indoorspielplatz Kids2Kids

Anschrift Heidelsheim über:
Große Kreisstadt Bruchsal
Verwaltungsstelle Heidelsheim
Merianstraße 18
76646 Bruchsal

Telefon 0 72 51 / 51 88
verwaltungsstelle.heidelsheim@bruchsal.de
www.bruchsal.de

Wappen

Der Reichsadler wacht über der Stadt. Das Heidelsheimer Wappen zeigt – laut Blasonierung – in Gold einen rotbewehrten schwarzen Adler. In Erinnerung an seine Vergangenheit als freie Reichsstadt trägt Heidelsheim daher den Reichsadler im Wappen. Reichsstädte oder Freie Reichsstädte nahmen Bezug auf das Römische Reich. Sie genossen den Status der Rechtsunmittelbarkeit. Das bedeutet, dass Heidelsheim keiner anderen Herrschaft als seinem Kaiser Barbarossa unterstand. Erstmals überliefert wurde das Wappen im 13. Jahrhundert und durchlief, jeweils dem Stil der Zeit entsprechend, Veränderungen bei seiner Gestaltung und seiner Zeichnung. Der aktuelle Entwurf geht auf das Jahr 1898 zurück.

Runde Gumpe

Am Reitschulweg, wo es dem Saalbach und der Bahnlinie zugeht, befindet sich die Runde Gumpe, ein weiteres Heidelsheimer Naturdenkmal. Schwarzerlen und Weiden säumen den Bachlauf, dessen Schleifenbildung zusammen mit dem Mühlwehr ein Bassin, entstehen ließ. Mithilfe der Schleuse, auch Dächleswehr genannt, wurde der Bach gestaut und die Wiesenbewässerung von Heidelsheim geregelt. Tatsächlich diente das natürliche Becken früher als Schwimmbad, worin viele ältere Heidelsheimerinnen und Heidelsheimer das Schwimmen lernten. Auch ein Eisvogel soll am Uferhang brüten.

Ein Ort und seine Geschichte

Heidelsheimer Wahrzeichen: Das 1774 mit barocker Turmhaube wiedererbaute Stadttor zwischen Alt- und Vorstadt soll laut Heimatforscher Otto Härdle das einzige erhaltene Stadttor des Kraichgaus sein.

Seit dem Jahr 770 haben es die Heidelsheimer schriftlich: Ihre Stadt, damals noch Heidolfesheim genannt, leicht südöstlich von Bruchsal gelegen, wird erstmals urkundlich im Lorscher Codex erwähnt. Unbelegt ist allerdings, dass der Germanenherzog Heydolf um 259 nach Christus der Gründer war, wie der Name nahelegen würde. Tatsächlich bildet etwa erst 400 nach Christus eine alemannisch-fränkische Siedlung auf dem Gelände des heutigen Friedhofs die Urzelle der späteren Reichsstadt. Früheste Siedlungsspuren lassen sich bis ins Jahr 2000 vor Christus zurückverfolgen, im zweiten Jahrhundert nach Christus existiert auf der Gemarkung sogar nachweislich ein römischer Gutshof.

Unter Friedrich Barbarossa, dem Stauferkaiser, wird Heidelsheim 1160 zur Reichsstadt erhoben. Um 1375 siedeln sich Juden an. Mehrmals in der Geschichte an die Markgrafschaft Baden und die Kurpfalz verpfändet, fällt Heidelsheim 1463 vollständig an die Kurpfalz. Auch die Reformation macht 1530 in der Stadt Halt. Eine frühe Ökumene findet in den Jahrhunderten danach statt, denn Katholiken, Protestanten und Lutheraner nutzen gemeinsam die Stadtkirche.

Zwischen 1618 und 1648 muss die Stadt den Dreißigjährigen Krieg – und mit ihm Schweden und Franzosen – über sich ergehen lassen. Von 1.200 Bewohnern ist nur noch ein Viertel am Leben. Gut 40 Jahre später, am 12. August 1689 – der Pfälzische Erbfolgekrieg tobt seit knapp einem Jahr – zerstören erneut französische Truppen die Reichsstadt. Nur 50 Personen überleben das Massaker. Die ältesten Häuser in der Stadt sind aus der Zeit nach 1689, doch die Anlage des historischen Stadtkerns geht immer noch auf das Mittelalter zurück.

Der Katzenturm: Reste der Befestigung, 1721 nach Zerstörung erneuert.
Lebendiges Plätzchen: Auf dem Marktplatz rund um den Marktbrunnen finden viele Veranstaltungen statt.

Nach Auflösung der Kurpfalz fällt Heidelsheim 1803 zurück an Baden. 1824 wird Durst Malz als Landbrauerei und Mälzerei gegründet. Ab 1885 erfolgt die Spezialisierung des Unternehmens auf das Mälzen, das bis heute in fünfter Generation geführt wird. Mitte des 19. Jahrhunderts erhält Heidelsheim einen Bahnanschluss durch die Württembergische Westbahn. Die Industrialisierung verheißt neuen Fortschritt. Auch das jüdische Leben hat um diese Zeit seine Blüte erreicht. Für 200 Juden entsteht eine Synagoge auf dem Kanzelberg. 1925 löst sich die Gemeinde auf, denn viele Juden sind in größere Städte abgewandert. Die Nationalsozialisten entziehen 1935 Heidelsheim widerrechtlich die seit 1241 bestehenden Stadtrechte. 1952 werden sie durch die neue Landesregierung wieder zuerkannt.

Am 1. Oktober 1974 wird Heidelsheim, zusammen mit Büchenau, Helmsheim, Obergrombach und Untergrombach, eingemeindet und zu einem Stadtteil der Großen Kreisstadt Bruchsal. Allerdings waren die ehemaligen Reichsstädter von dieser Aktion wenig begeistert.

Im Hintergrund: Evangelische Stadtkirche
Liebevoll renovierte Fachwerkhäuser bestimmen das Bild des Ortskerns.

Text: Jürgen Hotz, Bilder: Fotofreunde Heidelsheim, egghead

Servus Heidels-Home

In Bayern sagt man Servus – und in Heidelsheim jetzt auch. Schuld daran sind Anette und Christian Venohr. Sie führen seit September 2019 das kleine Bistro „Servus Anni“ im historischen Ortskern und haben noch Einiges vor.

Ein Bayer im glücklichen Exil: Christian Venohr ist der Liebe wegen nach Heidelsheim gezogen. Seine Änni, wie er sie nennt, gehört zur Bäckerfamilie Bannholzer. „Wir wollten die Tradition aufrechterhalten. Die Bäckerei gibt es seit 1860 –­ ­­genauso wie meinen Lieblingsfußballverein übrigens. Das war für mich wie ein Wink des Schicksals!“, erzählt Christian lachend. Die Tradition führen sie auf die etwas andere Art weiter – mit dem Bistro „Servus Anni“.

Der schnucklige Ort ist längst über die Grenzen Heidelsheims hinaus bekannt. „An vielen Tagen sind unsere Kuchen und Torten bereits Mittags ausverkauft und auch unsere Specials wie Burger oder Pastrami kommen gut an.“ Eine feste Speisekarte gibt es nicht, aber Kunden können sich auf Salatbowls, kleine Gerichte wie Strammer Max oder auch mal Spareribs freuen. Chefkoch Christian, der ursprünglich gelernter Elektrotechniker ist, kreiert das alles mit viel Leidenschaft. Abgerundet wird das Angebot durch feines Backwerk vom Konditormeister, der praktischerweise gleichzeitig Annis Bruder ist.

Servus Anni steht für hohe Qualität ohne Schischi, modern und doch bodenständig. „Auf dem Teller muss es rumpeln! Die Leute sollen das Essen nicht nur fotografieren, weil es gut aussieht, sondern vor allem den Teller leer essen, weil es so gut schmeckt“.

Corona hat auch das Servus Anni hart getroffen. Im Moment ist das Bistro, wie alle anderen Gastronomiebetriebe, geschlossen. Aber wie geht es weiter? „Wir haben uns während des ersten Lockdowns mit verschiedenen Aktionen über Wasser gehalten und konnten im Sommer natürlich ein komplettes Hygienekonzept vorweisen. Doch das hat uns leider für den zweiten Lockdown auch nicht geholfen“, so Christian. Gemeinsam mit seiner Ehefrau hat er sich dazu entschieden, das Servus Anni in diesem Jahr nicht wieder zu öffnen – und stattdessen Zeit, Energie und Geld in zwei neue Geschäftszweige zu investieren.

Christian und Anni haben große Pläne. Gleich zwei neue Geschäftszweige sollen im nächsten Jahr an den Start gehen. Zum einen das „Annis Inn“, ein kleines, besonderes Gästehaus mit zehn Zimmern. Das über 200 Jahre alte Gebäude in der Merianstraße wird dafür von dem Ehepaar und der Familie in Eigenregie renoviert. Und zum anderen das „Neben Anni“ – die kleinste Eventlocation der Welt oder auch eine Stehhalle, wie man sie aus Bayern kennt. „Kein Schnickschnack, eine Bar und Stehtische aus alten Weinfässern, das ist alles. Bier aus der Flasche, Kleinigkeiten zu Essen auf die Hand, einfach und authentisch.“

Und für alle, die das Servus Anni nicht so lange missen wollen, gibt es ein kleines Schmankerl: „Wir werden an den Adventssonntagen unseren beliebten kleinen Weihnachtsmarkt veranstalten, allerdings nur to go. Glühwein, gebrannte Mandeln, Magenbrot – alles, was dazugehört. Und im neuen Jahr starten wir wieder durch. Aufgeben ist keine Option!“

Text: Lidija Flick, Bilder: privat, egghead

Freilinden – Bäume als Geschichtsdenkmal

Als „Geschichtsdenkmal“ hat der Heidelsheimer Heimatforscher Otto Härdle (1900-1978) die Linden genannt, die ihre Wurzeln jenseits der Stuttgarter Straße im Gelände „Lindenbäume“ bei den Vereinsheimen haben und als Symbol für Frieden stehen sollten. Schon bei den Germanen galt die Linde, die der Göttin Freya geweiht war, als Sitz der guten Geister, denn Freya war die Göttin der Liebe, des Glücks, der Fruchtbarkeit und des guten Hausstands.

Jeweils zum Abschluss der Friedensverträge 1648 des Dreißigjährigen Krieges, 1697 des Pfälzischen Erbfolgekrieges und 1871 des Deutsch-Französischen Kriegs gepflanzt, haben sie den Wunsch der Menschen doch nicht erfüllen können. Stets folgte ein Krieg dem nächsten und brachte Heidelsheim Zerstörung und Tod. Fatalerweise war in der germanischen Sage Siegfried ausgerechnet da tödlich verwundbar, wo ein Lindenblatt zwischen seinen Schultern die Benetzung mit dem schützenden Drachenblut verhinderte. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Erst drei dann sechs: Mitglieder des Ortschaftsrats pflanzten Ende letzten Jahres eine weitere Linde: (von links nach rechts): Daniel Schwedes, Jörg Becker, Thomas Lichtner, Sigrid Gerdau, Michael Schlindwein, Marliese Schwedes, Martina Füg. © Fotofreunde Heidelsheim

Die vierte Linde wurde wurde anlässlich der Wiedervereinigung 1990 gepflanzt, die fünfte folgte 2003 zum 100-jährigen Bestehen der SPD in Heidelsheim. Ihre gewaltige Erscheinung mahnt und beeindruckt die Spaziergänger gleichermaßen. Es scheint gerade so, als erfüllte sich nach über 370 Jahren ihr Zweck, denn so Otto Härdle „Wer den Frieden will, muss für den Frieden arbeiten.“

Die sechste Linde folgte dann Ende letzten Jahres, gepflanz von den Mitgliedern des Ortschaftsrates.  Begründet wurde diese Aktion mit dem 1250jährigen Ortsjubiläum in 2020 und 75 Jahre Frieden nach dem Kriegsende 1945. Der älteste Baum ist leider nur noch als Baumruine vorhanden.

Doch die Linden sind nicht die einzigen botanischen Methusaleme in Heidelsheim. Eine ungefähr 280 Jahre alte sogenannte „Laubige Eiche“ mit einem Umfang von 4,70 Meter hält sich wacker im Gewann Großer Wald hinter dem Grillplatz – ohne weitere Schutzmaßnahme.

Text: Jürgen Hotz

Rosas Welt

Sind sie schonmal  mit Rosa auf den Katzenturm gestiegen? Noch nicht? Dann wird‘s höchste Zeit. Die Stadtführerin erzählt  wie es früher war in Heidelsheim.

Ursprünglich war das mittelalterliche Heidelsheim von einer festungsartigen Anlage umschlossen, die man durch vier Tore betreten konnte. Vervollständig wurde diese Wehranlage durch mehrere Türme, von denen heute noch drei auf die lange Geschichte der Reichsstadt hinweisen.
Bis in die 1930er Jahre war einer der drei, der Katzenturm sogar noch bewohnt, ohne Strom und fließend Wasser. „Nach dem Auszug der letzten Bewohner begannen die ersten Renovierungsarbeiten,“ erzählt Marliese Schwedes, alias „Rosa“ eine  der Stadtführerinnen Heidelsheims. Ab dem Jahr 1982, mit der Gründung der Bürgerwehr Heydolfesheim, wurde der Turm nach und nach von den Mitgliedern der engagierten Vereinigung in den jetzigen Zustand versetzt. Betreten kann man den Turm heute über eine Außentreppe, ursprünglich nur durch einen unterirdischen Gang. Im ersten Geschoß fällt der Blick durch ein Gitter im Boden in das tiefe, dunkle Verlies.
„Ungebührliches Verhalten wurde früher sofort bestraft und so landeten Viele zur Strafe hier unten im feuchten, kalten Keller des Katzenturmes“, erzählt Marliese Schwedes während ihrer Führungen hoch hinauf auf den höchsten Turm Heidelsheims. Der Weg ist anstrengend, die Stufen steil. Trotzdem ist es kurzweilig, denn Schwedes hat sich reichlich Wissen angeeignet und erzählt gerne die spannenden Geschichten aus vergangener Zeit.

Im Gewand der „Rosa vom Katzenturm“ beschreibt sie die Gerichtsbarkeit im Mittelalter und zeigt Strafinstrumente, die ihr Mann Peter Schwedes, ursprünglich gelernter Schreiner, selbst angefertigt hat. Seine „Halsgeige“ findet heute noch bei Hochzeiten der Bürgerwehr Verwendung, wenn das Brautpaar zur Probe der Ehetauglichkeit gemeinsam in so ein Folterinstrument eingeschlossen wird. Peter Schwedes ist der Türmer in Heidelsheim, als solcher führt auch er Interessierte durch Heidelsheim. Ihren großen Wissensschatz teilen die Schwedes‘ mit Petra Heermann, die die beiden als Kollegin bei den Führungen perfekt ergänzt.

Marliese hat für sich in der Rolle als Rosa, der letzten Bewohnerin des Katzenturmes, eine eigene Führung durch die Reichsstadt entwickelt. Sie erzählt Anekdoten, zeigt unbekannte Ecken, gibt geschichtliche Einblicke und weiß allerlei Dialektbegriffe, die heute fast niemand mehr kennt.
Ganz bewusst trägt Marliese Schwedes bei ihren Führungen nicht mehr das mittelalterliche Gewand, sondern erzählt ihre Geschichten aus der Sicht von Rosa, die mit ihrem Mann Georg und Elsa bis zum Jahr 1936 im Katzenturm lebten. Aus dieser Perspektive heraus kann Rosa lange zurückblicken, aber auch die Geschichte der Neuzeit einfließen lassen.

Da Marliese Schwedes sehr rührig ist, hat sie für nächstes Jahr schon ein weiteres Projekt am Start. Interessierte dürfen sich auf eine „Wanderung entlang der Mühlen von Heidelsheim“ freuen.

Türmer / Stadtführer Heidelsheim

Peter und Marliese Schwedes, sowie Petra Heermann
Tel. 07251 / 5404
Marliese.schwedes@arcor.de

Buchbar ist der Rundgang auch als private Führung über die Touristinformation Bruchsal
Tel. 07251 / 50594-61
touristinformation@btmv.de

Text Andrea Bacher-Schäfer, Foto: Angela Geiger

Melkkiwwlreider

Fußball- oder Musikvereine gibt es überall. Heidelsheim hat etwas ganz Besonderes: Die Melkkübelreiter. Das klingt komisch? Klar, man muss es ja auch im Dialekt sagen! Vorhang uff für‘d Melkkiwwlreider vun Heidelse! 

„Wir sind ein Verein für die ganze Familie“, so Michael Schlindwein, Vorstand der Heidlser Melkkiwwlreider. Er und 13 weitere Mitglieder haben den Verein im Juni 2006 mit dem Ziel gegründet, das Spät-Mittelalter Brauchtum und die Heimatpflege zu stärken. „Seit unserem ersten Auftritt beim Reichsstadtfest 2007 ist viel passiert! Wir haben unter anderem einen eigenen Weinberg, um den Jüngeren die Weinlese ohne „Vollernter“ nahe zu bringen. Es gibt eine Jugendgruppe die z.B. ein Katapult oder Stelzen aus Holz baut, außerdem eine Fidel- und Tanzgruppe. Das Herstellen von Sirup, Likören und Essen nach althergebrachten Rezepten sind die Spezialitäten unserer Frauen. Und wir versuchen Heidelsheim mit mittelalterlichen Gewändern zu reformieren, indem wir jedes Jahr mehrere Nähkurse anbieten.“

Michael Schlindwein ist sichtlich stolz auf den Verein. Und das kann er auch sein. Denn neben den Veranstaltungen hat das Gemeinschaftsgefühl einen ganz hohen Stellenwert. Kooperationen mit anderen Vereinen und Institutionen sind ebenso wichtig, wie der regelmäßige Austausch mit den mittelalterlichen Freunden aus der Partnergemeinde Volterra in Italien. Alle Jugendlichen bis 18 Jahren sind übrigens beitragsfrei. Und auch sonst ist der Verein sehr junggeblieben: „Die Jugend liegt uns sehr am Herzen, wir fördern und fordern sie auf, ihre Ideen einzubringen.“

Melkkiwwelkunst: Das Denkmal steht auf dem Heidelsheimer Marktplatz.

Warum eigentlich Melkkiwwlreider?
Der Name des Vereins basiert auf dem Necknamen der Heidelsheimer. Die Gemeinde an der Saalbach wurde früher – als es noch keine Kanalisation gab – oftmals überschwemmt. Zu Fuß kam man so nicht weit. Michael Schlindwein: „Die Geschichte zeigt uns aber, dass die Heidelsheimer schon immer sehr einfallsreich waren. Da sie keine Boote hatten, haben sie kurzerhand ihre Melkkübel als schwimmenden Untersatz umfunktioniert.“ Das funktionierte der Sage zufolge so gut, dass ein Heidelsheimer einem Ortsnachbarn stolz berichtete, er sei ,mit‘m Melkkiwwel schneller durch‘d Schdroß kumme als mit‘m Gaul‘. Passend dazu hat der Verein 2015 ein Melkkiwwlreider-Denkmal gestiftet, das auf dem Heidelsheimer Marktplatz steht. Und alle zwei Jahre findet das fast schon legendäre Melkkiwwl-Rennen statt. Dabei nutzen die antretenden Teams alte Badewannen, Fässer, Luftmatratzen, Liegestühle und alles, was sonst in irgendeiner Weise schwimmfähig ist, um auf der Saalbach zu surfen.

Riesengaudi: Das lustige Melkkiwwelrennen auf dem Saalbach veranstaltet der Verein alle zwei Jahre. Foto: Fotofreunde / Max Trinter

In diesem Jahr waren die normalen Vereinsaktivitäten zwar eingeschränkt, aber die Melkkiwwlreider haben sich nicht stoppen lassen: „Wir mussten neue Wege gehen, die sehr spannend sind. Wir haben unter anderem zwei Online Weinproben durchgeführt und eine Weinwanderung mit Heidelsheimer Weinen organisiert – natürlich im gesetzlich erlaubten Rahmen“, so Michael Schlindwein. Die nächste Aktion ist für den 19. Dezember geplant. Der Verein verkauft ein eigens geschnürtes Weihnachtsmarkt-Paket und spendet die Erlöse für regionale Zwecke. Im Paket befinden sich unter anderem selbstgebackene Plätzchen und zwei regionale Weine mit Gewürzen, um Glühwein herzustellen. „Damit wollen wir den Heidelsheimern auch in schweren Zeiten signalisieren, dass wir aktiv zusammenstehen und ihnen auch von zu Hause aus ein Event ermöglichen, auf das sie sich freuen können.“

Text: Lidija Flick, Bilder: Vereinsarchiv

Bürgerwehr Heydolfesheim

Die Vergangenheit für die Zukunft bewahren!

Unter www.buergerwehr-heydolfesheim.de gibt die historische Bürgerwehr Heydolfesheim umfassend Einblick in ihre denkmal- und heimatpflegerische Arbeit zur Ortsgeschichte von Heidelsheim. Seit seiner Gründung am 26. Februar 1982 betreibt die Vereinigung von Bürgerinnen und Bürgern mit viel Akribie und Enthusiasmus gelebte Brauchtumspflege. Ob mittelalterliche und der Renaissance verpflichtete Tanzgruppe oder die verschiedenen Musikgruppen, die trommeln oder Flöte spielen – alle haben ein Ziel: Die Erinnerung an die alte Reichsstadt lebendig zu erhalten.

Selbst bei der Restaurierung der städtischen Architekturdenkmäler legen sie tatkräftig Hand an. Schon im Gründungsjahr 1982 restaurieren sie den Katzenturm. Nach nur vier Monaten, aber 2.300 unentgeltliche Arbeitsstunden später, erstrahlt der Turm im neuen Glanz und wird mit einem mittelalterlichen Fest auf dem Kanzelberg gefeiert. Aber auch die Renovierung von Diebsturm, Marktbrunnen, Schafsbrunnen oder der Stadtmauer bewältigen sie mit Arbeitsstunden oder finanziellem Einsatz.

Text: Jürgen Hotz, Bild: Bürgerwehr Heydolfesheim

Heidelsheimer Vereine

  • Allrad-Freunde
  • Anouanzè – Grand Centre
  • Côte d’Ivoire
  • Bürgerwehr Heydolfesheim
  • EC / Christliche Gemeinde
  • Fußballclub 07 Heidelsheim
  • DRK Heidelsheim
  • Deutscher Retriever Club
  • Arbeiterwohlfahrt Ortsverband
  • Turnverein Heidelsheim 1899
  • Fotofreunde Heidelsheim
  • Förderverein Freibad
  • Handharmonika-Spielring
  • Heidelser Melkkiwwelreider
  • Karnevalsfreunde „Harakiris“
  • Kleinkaliber Schützenverein
  • KUBIK Deutsch-Russischer Kulturverein
  • Mountainbike Freunde
  • Odenwaldclub
  • Reiterverein
  • Sängerbund Liederkranz
  • SG Heidelsheim/Helmsheim
  • Spvgg. FC 07 Heidelsheim
  • Tennisclub 76
  • Verkehrswacht Bruchsal-Bretten
  • Verein der Hundefreunde

Fotofreunde

11 fotointeressierte Heidelsheimer gründeten aus einem Fotostammtisch heraus 1984 den Verein „Fotofreunde Heidelsheim e.V.“ Zweck ist die Förderung der Amateurfotografie und die Erhaltung überlieferter Bilddokumente der ehemaligen Reichsstadt.

Heute treffen sich inzwischen 43 fotointeressierte Mitglieder regelmäßig am letzten Freitag im Monat zum Erfahrungsaustausch und zum Besprechen von Aktivitäten. Und es sind nicht nur Heidelsheimer. „Wir haben mittlerweile auch Mitglieder aus Kronau, Diedelsheim, Bahnbrücken, Weingarten, Bretten, Rastatt, Bruchsal Kernstadt, Karlsdorf-Neuthard und Zeutern“, erzählt Karl-Heinz Malzer der erste Vorsitzende. Die Treffen finden in der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Heidelsheim statt, hier haben sich die Fotofreunde eigene Clubräume im Kellergeschoß ausgebaut, natürlich mit eigenem Fotostudio.

Themenschwerpunkte der Zusammenkünfte sind aktuelle Besprechung neuester Technik, eigene Foto-Workshops, Bildbesprechungen und -bewertungen, digitale Diashows und Schwarzweiß-Fotografie. Trotz der vielen Themen an den Clubabenden kommt aber auch das Gesellige nicht zu kurz.

Des Weiteren unternimmt der Verein auch exklusive Fotoexkursionen zu bestimmten Themen in die nähere Umgebung. „Wir bereiten die Exkursionen gemeinsam vor, besprechen im Vorfeld was erarbeitet und umgesetzt werden soll und laden externe Fotografen ein um uns weiterzubilden, auch die Workshops bereiten wir dann mit allen Mitgliedern vor.“

Regelmäßig bieten die Fotofreunde auch kostenlose Kurse für Jugendliche und Senioren an. Zu den Highlights der Fotofreunde gehören zweifellos die Fotoausstellungen. Sie finden in der Regel alle zwei Jahre während der Osterferien statt. Für diese Veranstaltung führen sie eigens einen kleinen internen Fotowettbewerb aus, dessen Sieger bei der Ausstellung gekürt wird. In diesem Jahr musste die Ausstellung leider Corona bedingt abgesagt werden und wurde erst mal in den April 2021 verlegt.

Die Fotofreunde unterstützen auch die Vereinigungen der Partnerstädte durch Besuche in Sainte-Ménehould und Voltera mit Ausstellungen, Bildvorträge und Fotografen-Austausch. „Viele Bildbücher sind in den vielen Jahren schon entstanden und natürlich ist auch unser Reichstadtfest ein fester Bestandteil in unserer Fotodokumentation“, so Malzer. „Im Jahr 2000 veranstalteten wir erstmals das Neujahrstreffen der Heidelsheimer Vereinsvorsitzenden und deren Stellvertreter, das seit dem jedes Jahr von einem anderen Verein organisiert wird. Und wir unterstützen fotografisch das Heidelsheimer-Jubiläumsjahr 2020, welches sich nun wegen Corona bis 2022 ausdehnt.“ Genug Zeit also für jede Menge tolle Fotos der Heidelsheimer Freunde.


Fotos: Fotofreunde Heidelsheim /  H.P. Safranek

Aus RegioMagazin WILLI 12/20

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