Windpark Windrad Erneuerbare Energien
Foto: Symbolbild Landfunker

Windraddiskussion (2) | Wer kassiert in Bruchsal ab?

Lass das deine Freunde wissen!

Gastkommentar zum Windradgeschehen rund um Bruchsal. Von Hubert Hieke.

30.4.23 | Nachdem wenig Zweifel daran bestehen, dass in wenigen Jahren Windkraftanlagen die Naturlandschaft des Kraichgaus nicht nur optisch massiv verändern werden, wird in den nächsten Monaten und Jahren festgelegt, wer die Gewinner und Verlierer dieser Entwicklung sein werden.

Und schon jetzt steht wohl fest: Auch im Mittleren Oberrhein wird die Stadtbevölkerung, allen voran die Bürger in Karlsruhe, gewinnen; auf Kosten kleinerer Dörfer und Gemeinden, denen die Windräder buchstäblich vor die Nase gesetzt werden! Welch eine Ironie: Gerade die Großstädter, die bei Wahlen überproportional für die Grünen stimmen, drücken die Kosten der erneuerbaren Energien auf das Umland ab, das klarer Verlierer dieser Politik ist!

Massive Beeinträchtigungen für die Ortsteile Heidelsheim, Helmsheim und Obergrombach

So zu tun, als sei dies anders und jeder Widerstand gegen Windradmonster nur der Uneinsichtigkeit gegenüber vermeintlichen Sachzwängen geschuldet, ist blanker Unsinn. Denn sollte es so kommen, wie in ersten Planungen angedacht, werden im Bruchsaler Raum die Ortsteile Heidelsheim, Helmsheim und Obergrombach von den scheinbar alternativlosen Erfordernissen der Energiewende massiv beeinträchtigt! Nicht nur wird ihnen die Landschaft und Natur verschandelt, auch einige Hausbesitzer werden sich auf Wertverluste einstellen müssen.

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Lesen Sie zum Thema auch den Bericht vom 2. Energieforum in Bruchsal

Energiewende | Windradriesen werden auch nach Bruchsal kommen!

Helmsheim oder Obergrombach werden nach den Plänen der Bruchsaler Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick wohl von fast allen Seiten windradtechnisch eingekreist. Werden auch in Gondelsheim, wie es Planungen neuerdings vorsehen, riesige Windräder im Westen der Gemeinde aufgestellt, so gilt in Helmsheim in wenigen Jahren der Spruch: Im Osten geht das Windrad auf, im Süden nimmt es seinen Lauf, im Westen geht es unter. Sonnenaufgang und Sonnenuntergang werden dort dann zu Lebzeiten nicht mehr unverstellt erlebbar sein.

Ein für alle Mal wird der Blick von Windradsicheln unablässig zerfetzt werden! Vielleicht spendiert das Rathaus ja in Zukunft Scheuklappen, die man bei Spaziergängen aufsetzen kann. Ob noch Kopfhörer notwendig werden, um beim Waldspaziergang den Geräuschpegel im Zaum zu halten?

Inzwischen tingelt die Verwaltung durch die Ortschaften und versucht, weitere Anhänger für ihr Windkraftvorhaben zu finden. Man muss der Oberbürgermeisterin zugutehalten, dass sie seit Wochen in dieser Angelegenheit sichtlich bemüht ist. So auch bei der sehr gut besuchten Sitzung in Obergrombach, wo sie gerade aus einer ähnlichen Veranstaltung aus Helmsheim kommend, selbst zugegen war. Nachdem die Stadt ihr Vorhaben, wie schon beim 2. Bürgerforum, ausführlich erläutert hatte, kam es zu einem recht lebhaften Gedankenaustausch.

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Sehr substantielle Beiträge wurden etwa zum Zustand und der Beschaffenheit des Großen Waldes bei Obergrombach geliefert. Jedes einzelne Windrad würde dort nämlich dauerhaft teilweise bis zu 60.000 qm von weit über einhundert Jahre altem Baumbestand vernichten. Ebenso könnten diese Eingriffe zu Trockenheit und Veränderungen des Mikroklimas führen.

Eher plakative Entgegnungen der Stadt, man würde ja anderswo aufforsten, überzeugten nur wenige. Da sich die engagierte, zuweilen kontroverse und emotionale, aber immer sachliche Diskussion bis weit in die Abendstunden zog, deutete die Stadt mehrmals an, man solle Fragen doch bitte direkt bei der Verwaltung einreichen. Dabei blieb allerdings unklar, ob die Antworten auf derartige Eingaben jemals öffentlich würden. Zu hoffen ist jedenfalls, dass dahinter keine Strategie gegen kritische Stimmen steht oder die Diskussion buchstäblich im Sande verlaufen soll. Denn die Bürger erwarten Antworten!

Die Oberbürgermeisterin betont seit Wochen, der Prozess hin zu erneuerbaren Energien werde in Bruchsal ergebnisoffen geführt: Aber sicher! Deshalb wurden ja bei den Sitzungen der Ortschaftsräte nur Bildmontagen mit Windrädern auf den Gemarkungen von Helmsheim, Heidelsheim und Obergrombach gezeigt! Weshalb nur dort? Petzold-Schick nahm dazu nur ausweichend Stellung. Unter anderem ließ sie wiederholt durchblicken, nur in den Wäldern dieser Ortschaften könne die Stadt die Pachtgebühren abkassieren.

Wer sitzt in der Dialoggruppe und berät die Verwaltung?

Ob die Oberbürgermeisterin indirekt auch verhindern will, dass die Windräder deshalb allein in den Ortschaften verbaut werden, um einkommensstarke, einflussreiche Bürger am Augsteiner zu schonen? Wir wissen es nicht; auch deshalb, weil die Öffentlichkeit nicht erfahren darf, wer in der handverlesenen Dialoggruppe der Bruchsaler Verwaltungschefin sitzt, die hinter verschlossenen Türen tagt und die Verwaltungsspitze vermeintlich berät.

Übrigens: Kürzlich meinte der durchaus diskussionsfreudige Chef des Bruchsaler Stadtplanungsamtes, Hartmut Ayrle, er wünsche sich in der Windraddebatte auch konstruktive Vorschläge. Hier ist einer:

Sollten die Windräder tatsächlich an den derzeit ausbaldowerten Standorten kommen, so sollten alle Obergrombacher, Helmsheimer und Heidelsheimer Bürger jährlich einen Klimascheck von €100 erhalten, überschlägig also die Pachteinnahmen von €1.000.000 p.a. Das wäre das Mindeste als Entschädigung! Sollte sich die Oberbürgermeisterin darauf nicht einlassen, so wäre ihre Aussage, das Geld solle dortbleiben, wo die Lasten getragen werden, hohles Geschwätz.

Anm. der Redaktion: Gastkommentare spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wider, werden jedoch im Interesse einer vielfältigen Diskussionskultur und Meinungsvielfalt bei Landfunker veröffentlicht. Lesen Sie hierzu auch die Leserkommentare zu diesem Artikel am unteren Ende dieser Seite. Wenn Sie das Geschehene ebenfalls kommentieren möchten, so senden Sie uns eine E-Mail an redaktion@landfunker.de oder tragen Sie Ihren Kommentar gleich hier ins Kommentarfeld ein.

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