Blick vom parkdeck Rathausgalerie: John-Bopp-Straße entlang der Sparkasse Kraichgau

WILLI-Reportage | Straßennamen: John-Bopp-Straße

Icon-Stadtmagazin WILLI

Straßenschilder tragen oft Namen, die uns inzwischen nicht mehr viel sagen. Wer waren eigentlich diese Menschen, und warum wurden Straßen in unserer Region nach ihnen benannt? Wir haben recherchiert und präsentieren eine Persönlichkeit, deren Geschichte weniger bekannt ist:

John Bopp

 

Johann Anton Michael Bopp, bekannt als John Bopp wurde am 15. April 1858 in Bruchsal geboren und verstarb 1936 im Alter von 77 Jahren in New York.

Er war ein renommierter Heimat- und Mundartdichter und wurde Im Jahre 1924 zum Ehrenbürger seiner Geburtsstadt Bruchsal ernannt, als Anerkennung für seine großzügige Unterstützung in der Nachkriegszeit des 1. Weltkrieges. Deutschland litt damals unter einer Wirtschaftskrise, hoher Arbeitslosigkeit und extremer Inflation.

Johann Bopp war einer von vielen Deutschen im 19. Jahrhundert, die in den Vereinigten Staaten ein neues, freies und erfolgreiches Leben suchten. Nach einer Schriftsetzerlehre wanderte er 1876 im Alter von 18 Jahren aus und der amerikanische Traum wurde für ihn Wirklichkeit. In den USA machte er als „John Bopp“ Karriere als Geschäftsführer der größten Brauerei New Yorks. Gleichzeitig setzte er sich für die Bewahrung der deutschen Kultur in Amerika ein.

Trotz der Distanz zu seiner Heimat engagierte er sich besonders in den Notjahren nach dem Ersten Weltkrieg, indem er eigene Mittel und gesammelte Spenden einsetzte, um soziale Einrichtungen in Bruchsal zu unterstützen. Er legte besonderen Wert auf Hilfe für Kinder und ältere Menschen. Durch sein Netzwerk konnte er erhebliche Summen für soziale Projekte aufbringen, darunter das 1922 erbaute Jugendheim in der Durlacher Straße.

John Bopp ist auch als Dichter von zwei Gedichtbänden im Bruslerischen Dialekt bekannt: „Alt Brusler Erinnerungen aus den 60-er und 70-er Jahren“ und „Allerlei aus meiner Sammelmapp“.

 

Die John-Bopp-Straße

Die John-Bopp-Straße, benannt zu seinen Ehren, beginnt am Friedrichsplatz. Sie verläuft in südöstlicher Richtung vorbei an der Sparkasse Kraichgau und der Rathausgalerie in Richtung Kübelmarkt. Die ehemalige Straße Salzgasse/Alte Straße wurde durch die Zerstörung Bruchsals am 1. März 1945 stark verändert. Einst stand an der Kreuzung mit der Blumenstraße das älteste Gebäude der Stadt, ein Massivbau aus dem 14. Jahrhundert, bekannt unter dem Namen „Der Tempel“, das 1945 zerstört wurde. Mit Sanierung und Neugestaltung im Rahmen des Neubaus der Rathausgalerie 2010, wurde die John-Bopp-Straße neu umrahmt.

Blick vom parkdeck Rathausgalerie: John-Bopp-Straße entlang der Sparkasse Kraichgau und in Richtung WallHall, im Hintergrund Peterskirche.

 

Die Geschichte von John Bopp ist ein gutes Beispiel dafür, wie Einzelpersonen einen dauerhaften Einfluss auf die Gemeinschaft haben können, sogar über Kontinente und Jahrzehnte hinweg.

 

Der Tempel – einst ältestes Haus Bruchsals

An der heutigen John-Bopp-Straße, Höhe Rathaus, stand bis zum 1. März 1945 das älteste Gebäude der Stadt, ein Massivbau aus dem 14. Jahrhundert, bekannt unter dem Namen „Der Tempel“.

Es war ein 4-stöckiges Wohnhaus und wurde aus nicht bekannten Gründen im Volksmund als ‚‘Der Tempel‘‘ bezeichnet und stand ungefähr an der Südwestecke des heutigen Bruchsaler Rathauses. Die steinernen Mauern waren im Erdgeschoß 1,3 m dick. Die Geschoßhöhe war gering, und man musste sich bücken, wenn man durch eine Tür gehen wollte. Es wurde vermutet, dass es sich bei dem Gebäude um das im 30jährigen Krieg ausgebrannte Amtshaus (Rathaus) handelte. Auf einem Stadtplan von 1600 (rekonstruiert von Roman Heiligenthal) ist das Gebäude als „Johanniter Komturei‘‘ bezeichnet. (Quelle: Heimatlexikon Bruchsal)

1945 den Bomben zum Opfergefallen: „Der Tempel“ Ecke Blumenstraße. Links im Bild gegenüber dem Gebäude des Kaufmann Georg Martin Seitz. Bild um 1914.

 

 

 

 

 

 

 

 

Text: Iris Weindel

Aus RegioMagazin WILLI 09/2023

 

Kommentieren?
Ja bitte, denn eine offene Diskussion fördert das Miteinander.
Bitte achten Sie dabei auf unsere Kommentarregeln (Info)

Hier geht es zum Kommentarfeld >>>

 

Was war? Was kommt?

Nicht täglich auf dem Landfunker? Verstehen wir 🙂
Abonniere den Wochenend-Newsletter, dann wirst du 1x pro Woche
informiert und erfährst alles Wichtige zum Wochenende!

Der Landfunker-Wochenend-Newsletter: Bei Nichtgefallen jederzeit mit einem Klick kündbar!

Siehe auch

Unser Ausstellungs-Tipp | 19.5.2024 | Sterben und Leben im Dreißigjährigen Krieg

Ausstellung: Sterben und Leben. Der Dreißigjährige Krieg zwischen Oberrhein, Schwarzwald und Kraichgau Sonntag, 19.5.2024 11:00 …

Consent Management Platform von Real Cookie Banner Hide picture