Einsatz unter Wasser: Tauchgang zu einem Korallenriff.

WILLI-Reportage | Die Bakterienforscherin

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Ihr Weg in die Meeresbiologie ist so individuell wie das Forschungsfeld selbst. Nach dem Abitur begann Melanie Dörr ihr Studium in Heidelberg und endet nun mit der Promotion an der Uni Konstanz.

Melanie Dörr

„Jeder Weg in die Meeresbiologie ist so individuell wie das Forschungsfeld selbst. Mein Weg begann nach dem Abitur am Bruchsaler Heisenberg Gymnasium zunächst mit einem Biologiestudium in Heidelberg mit besonderem Schwerpunkt auf Molekular- und Entwicklungsbiologie; Forschungsbereiche, die nur entfernt mit Meeresbiologie in Verbindung stehen“, erzählt die 25-Jährige Bruchsalerin.

Während des Studiums habe sie allerdings in einer Forschungsgruppe gearbeitet, die Korallenforschung und Molekular- und Entwicklungsbiologie miteinander verbindet.

„Da mich dieses Thema nicht mehr losließ“, erzählt sie weiter, „habe ich mich um einen Quereinstieg in die Meeresbiologie bemüht, promoviere derzeit an der Universität Konstanz und forsche in der Arbeitsgruppe von Prof. Christian Voolstra an Korallen.“

Ein gesundes Korallenriff im Roten Meer vor Rabigh, Saudi-Arabien.

 

Doch was macht Korallen so spannend? Das Korallenriff als besonders artenreicher Lebensraum bietet die Lebensgrundlage für 25 Prozent aller Meeresbewohner und mindestens 30 Millionen Menschen entlang der Küsten. Korallen bestehen aus einer Ansammlung kleiner Tiere, die in Symbiose mit Algen leben.

Die Algen gewinnen Energie aus Sonnenlicht, die sie der Koralle als Gegenleistung für Schutz abgeben. Die Symbiose reagiert empfindlich auf Umweltveränderungen (z.B. erhöhte Wassertemperaturen infolge des Klimawandels), was zum Abstoßen der Algen führen kann. Dadurch verlieren Korallen ihre bunte Farbe und ihre Quelle überlebenswichtiger Nährstoffe; die sogenannte Korallenbleiche setzt ein.

Korallen bleichen aus

Aktuell häufen sich Berichte verheerender globaler Korallenbleichen. Forscher:innen arbeiten daher mit Hochdruck an Lösungen zum Erhalt der Riffe.

1. Bakterien werden von Anemonen isoliert und auf Kulturmedien kultiviert. 2. Anemone in einem Reaktionsgefäß kurz vor einem Hitzestresstest mit potenziell guten Bakterien.
3. Der allgemeine Gesundheitszustand der Anemone wird während des Hitzestresstests gemessen, um die eventuellen positiven Effekte der Bakterien zu analysieren.

 

Ein Ansatz konzentriert sich auf die Bakteriengemeinschaft, die mit Korallen assoziiert ist. Die guten Bakterien im sogenannten Mikrobiom könnten zur Hitzeresistenz von Korallen beitragen und als Probiotika genutzt werden.

„Während meiner Promotion arbeite ich mit einer Anemone als Modellorganismus, die mit denselben Algen wie Korallen in Symbiose lebt und im Labor leicht zu halten ist“, sagt Melanie und ergänzt, dass das Ziel ihrer Doktorarbeit sei, Bakterien von Anemonen zu isolieren und deren potenziell guten Eigenschaften zu charakterisieren.“

Im Hitzestresssystemen teste sie, ob die Zugabe potenziell guter Bakterien in größeren Mengen positive Effekte auf die Hitzetoleranz der Anemonen hat. Dafür benutze sie sowohl Anemonen, die in Laboren gezüchtet wurden, als auch Anemonen, die sie auf Tauchgängen im Roten Meer gesammelt hat.

„Das große Endziel ist, anhand meiner Ergebnisse probiotische Bakterien besser zu verstehen und diese Erkenntnisse auf Korallen zu übertragen.

Dabei ist mein Arbeitsalltag sehr abwechslungsreich.“ Sie berichtet von Tauchgängen, langen Labortagen und Anemonenpflege, bis hin zu Lehrtätigkeiten, auswertenden Analysen, Präsentationen und Ergebnispublikationen in naturwissenschaftlichen Fachmagazinen. Ihr Beruf werde sie immer wieder vor neue Herausforderungen stellen, ist sie überzeugt.

Er wird ihr gleichzeitig spannende Abenteuer, flexible Arbeitszeiten und unzählige Möglichkeiten zur Weiterentwicklung ermöglichen.

Text: Melanie Dörr, Bilder: Melanie Dörr, Dr. Helena Villela

Aus RegioMagazin WILLI 09/2023

 

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