Statement 1. März Rainer Kaufmann
Landfunker RegioPortal | 1. März Bruchsal - Geschichte unserer Stadt | Rainer Kaufmann | „Es gibt kaum noch richtigen Diskurs, es gibt auch kaum noch Politiker, die klare Haltung zeigen”

Rainer Kaufmann | „Es gibt kaum noch richtigen Diskurs, es gibt auch kaum noch Politiker, die klare Haltung zeigen”

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75 Jahre nach Kriegsende – Wiederholt sich die Geschichte? Ist die Situation, wie sie nach dem Ersten Weltkrieg in der Weimarer Republik herrschte, mit der in der Bundesrepublik des Jahres 2020 zu vergleichen?

Viele Menschen machen sich Sorgen, dass sich die Geschichte wiederholt. Wie können die Parteien extreme Meinungen und Strömungen wieder in der demokratischen, sogenannten „Mitte“ versammeln? Die Wahl des Ministerpräsidenten im Bundesland Thüringen hat alle erschüttert. Sind dadurch Rückschlüsse auf die übrigen Bundesländer zu ziehen oder handelt es sich um ein singuläres Phänomen?

Unsere Redaktion hat Menschen mit Bezug zu Bruchsal, Politik und Historie um ein Statement zu dieser Frage gebeten. Nicht alle Eingeladenen konnten oder wollten darauf eine Antwort geben.

Antwort von Rainer Kaufmann, Journalist, Kabarettist und Ur-Bruchsaler

“Für mich ist eines der größten aktuellen Probleme in der Politik, ob in Bund, Land oder auch in unserer Kommune, dass wir es fast nur noch mit profillosen Parteien zu tun haben. Es gibt kaum noch richtigen Diskurs, es gibt auch kaum noch Politiker, die klare Haltung zeigen, die für etwas stehen und in der Lage sind, Menschen mitzunehmen für ihre Ideen und Visionen.

Die Verwaltung von konturlosen Kompromissen hat die vor Jahrzehnten einmal hochgelobte politische „Streitkultur“ ersetzt. Und viele Menschen sehen sich von der Politik mit ihren Alltagsproblemen nicht mehr wahrgenommen und wenden sich ab. Dieses Protestpotential pauschal als rechtsradikal zu verorten und mit allen anderen Aspekten der gegenwärtigen Lage in Politik und Gesellschaft zu vermengen, ist ein großer Fehler. Es hilft nur denen, die mit Hilfe der Unzufriedenen im Lande das Land tatsächlich verändern wollen.

Wenn sich die (ehemals) großen Volksparteien, auch die weniger großen, nicht wieder ihrer Aufgabe annehmen, politische und gesellschaftliche Visionen anzubieten und über sie zu streiten, wird die Politik-Verdrossenheit nur noch größer. Und das hilft keinesfalls der demokratischen Mitte. Die Mitte muss vor allem wieder die Chance zu einem Politikwechsel anbieten, der diese Bezeichnung auch verdient.”

Rainer Kaufmann, Februar 2020

 

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