Gondelsheim, 29. April 2026 | Wegen des Ausbaustopps durch Deutsche Glasfaser treibt die Gemeinde den Glasfaserausbau mit eigenen und geförderten Maßnahmen voran. Mit einem gewissen Stolz berichtet uns eine Pressemitteilung aus dem Rathaus Gondelsheim von der Umtriebigkeit des Bürgermeisters Rupp.
Es war der Moment, als man im Landkreis gemerkt hat: Auf Versprechen allein lässt sich keine Zukunft bauen – auch keine digitale. Die Nachricht, dass die Deutsche Glasfaser ihre Ausbaupläne im Landkreis weitestgehend einfriert, dürfte sich angefühlt haben wie der plötzliche Akkutod im Handy: eben noch Hoffnung auf Anschluss an die ganze Welt – stattdessen schaltet der Bildschirm auf dunkel.
Mitte März 2026 war der Moment gekommen. Doch statt sich in kommunaler Resignation zu üben, hat die Verwaltung um Bürgermeister Markus Rupp offenbar das getan, was man in solchen Situationen tun muss: handeln statt warten. Und zwar schnell genug, um aus einem drohenden Infrastruktur-Fiasko zumindest eine brauchbare Übergangslösung zu zimmern.
Wie Gondelsheim den Glasfaser-Stopp umschifft – zumindest ein Stück weit.
Während andere vielleicht noch darüber diskutieren, wer wann was versprochen hat, wird in Gondelsheim weiter gebuddelt. Der geförderte Ausbau in den Außenlagen läuft weiter, Höfe und abgelegene Gebäude werden angeschlossen – nicht spektakulär, aber immerhin – etliche neue Meter Kabel im Boden.
Das Gondelsheimer Rathaus, Foto: b339nmow-c.myrdbx.io/
Der eigentliche Kniff aber liegt in der neuen Idee, die gemeinsam mit der Breitbandkabel Landkreis Karlsruhe GmbH (BLK), Netze BW und dem Projektträger Aconium entwickelt wurde: Wenn ohnehin gegraben wird, warum nicht gleich mehr verlegen als ursprünglich geplant? Klingt banal – ist aber im bürokratischen Alltag fast schon revolutionär.
Was vorher nicht ging, darf jetzt gedacht werden, plötzlich dürfen entlang der Trassen auch Hausanschlüsse gelegt werden. Ein kleiner administrativer Schritt, der für rund 100 zusätzliche Adressen einen großen Unterschied machen wird. Interessant! Während große Anbieter ihre Projekte pausieren, zeigt sich, dass kommunale Improvisation Erstaunliches hervorbringen kann. Nicht perfekt, nicht flächendeckend – aber was zum Anfassen.
Mutiger Griff ins Gemeindebudget
Natürlich hat das Ganze seinen Preis. Zehn Prozent Eigenanteil muss die Gemeinde zusätzlich stemmen. Geld, das man auch anders hätte verwenden können. Aber die Alternative wäre gewesen, die Gräben wieder zuzuschütten – im wahrsten Sinne des Wortes. Und selten war Nichtstun teurer als ein beherzter Griff ins Gemeindebudget.
Am Ende bleibt ein Bild, das irgendwo zwischen Improvisationstheater und Zukunftsplanung pendelt: Eine Gemeinde, die versucht, sich den digitalen Anschluss nicht nehmen zu lassen – auch wenn der ursprünglich vorgesehene Weg plötzlich gesperrt ist.
Oder, um es weniger technisch zu sagen: In Gondelsheim steht die Tür zur digitalen Zukunft vielleicht noch nicht sperrangelweit offen. Aber immerhin – ein Fuß steckt schon drin. Die Gemeinde will die weiteren Entwicklungen auf Kreis-, Landes- und Bundesebene verfolgen und gemeinsam mit Partnern wie dem Landkreis und der BLK nach weiteren Lösungen suchen, um den Glasfaserausbau langfristig flächendeckend voranzubringen.
„Was von der Zeit du ausgeschlagen, gibt keine Ewigkeit dir je zurück!“
Passt doch irgendwie – der Sinnspruch an der Seite des Gondelsheimer Rathauses. Foto: b339nmow-c.myrdbx.io/









