Schon seit Wochen flattern in Bruchsals Küchen bunte Krepppapier‑Schnipsel durchs Haus, und im Kindergarten klingen die Refrains von „Schtrih, Schtrah, Schtroh“. Ob schwarz-tupfige Marienkäferflügel, stolze Gärtnerhüte oder die fröhlich bemalten Sommertags‑Stecken mit Brezel, Ei und Apfel – überall herrscht diese besondere Aufgeregtheit, die nur ein einziges Fest im Bruchsaler Kalender hervorruft: der Sommertagszug.
Wenn am Sonntag, 11. Mai, 14.15 Uhr endlich der erste Trommelwirbel über den Kübelmarkt hallt, erfüllt sich für rund 1 000 Kinder der Moment, auf den sie seit dem ersten Basteln im Februar hinfiebern. Die frisch gekürzte Route startet am Otto‑Oppenheimer‑Platz, führt über die obere Kaiserstraße, vorbei am Marktplatz, durch die Schlossachse bis in den Ehrenhof. Für Eltern und Großeltern bedeutet das: mehr Zuschauer‑Hotspots, kurze Wege – und reichlich Gelegenheit, die stolzen Kostümträger unterwegs noch einmal herzhaft anzufeuern.
Merke: Was sich vom 18. Jahrhundert bis heute nie geändert hat, sind Kinderlachen, Brezelduft – und das sichere Gefühl, dass der Frühling kommt, sobald Bruchsal laut genug trommelt, pfeift und singt.

Sicherheit, die sich nicht aufdrängen soll
Neu ist nicht nur die Wegführung. Nach den schlimmen Ereignissen in Magdeburg und Mannheim haben Komitee, Ordnungsamt und Feuerwehr das Sicherheits-Konzept komplett überarbeitet. Sichtbar werden vor allem breite Zufahrtsblocker an den neuralgischen Punkten; weniger sichtbar, aber beruhigend, sind zusätzliche Ordnungskräfte entlang der Strecke und ein sanfter, aber dichter Ring aus Absperrgittern im Schlossareal. Die Kinder merken davon kaum etwas – sie sehen nur die vertrauten Gesichter der Eltern, Großeltern, der Schlabbedengla, des Sinfonieorchesters und der Musikanten der Musik‑ und Kunstschule, die den Frühlingsmarsch mit Pauken und Flöten begleiten.

Kleine Traditionen, große Gefühle
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Sommertags‑Stecken gibt es ab 14 Uhr gegenüber dem Finanzamt. Manch Opa erinnert sich, dass er 1950 genau hier stand, den ersten Nachkriegszug bestaunte und seine Brezel mit Feuereifer schwenkte.
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Der Schneemann – seit 1949 ein Kunstwerk des Ski‑Clubs – wartet diesmal mit einem neuen Kniff, den die Erbauer noch streng geheim halten (Gerüchten zufolge soll sich etwas an der Mütze bewegen).
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Verbrennung im Schlosshof gegen 15 Uhr: Während die Kinder das Wintergespenst lautstark verurteilen, müssen so manche Großeltern lächeln – schließlich standen sie früher selbst im Strohgestell der „Butzen“ oder klopften als Trommler das Morgenwecken um halb sieben.
(Bei unsicherem Wetter informiert das Komitee ab 11 Uhr auf der städtischen Homepage & Instagram.)

Vom Kinderfest zum Generationentreffen
Vielleicht klingt bei Ihnen noch der Klang des eigenen Trommelschlägels von 1984 im Ohr, oder Sie können die Drehzunge des Schneemanns von 1962 nicht vergessen – der Sommertagszug ist auch Ihr Familien‑Speicher. Und während Ihr Enkel jetzt zwischen roten Marienkäferpunkten hervorwinkt, weht ein leiser Gruß an alle, die vor ihm einmal den Winter vertrieben haben.
Am Ende bleibt das, was jede Generation weitergibt: Lachen, Lieder, Brezelduft – und die Gewissheit, dass der Frühling kommt, wenn Bruchsals Kinder es laut genug fordern.
KraichgauTV-Film über den Bruchsaler Sommertagsumzug
Wenn Sie und Ihre Kinder sehen wollen, wie es beim Sommertagsumzug zu geht, dann schauen Sie sich einfach unser Video an! Viel Spaß!
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