Was ist denn das? Ein neues Wahrzeichen für Bruchsal?

24.12.2021 | Seit wenigen Tagen ragen sie in den Himmel: Drei futuristisch aussehende Rotoren, exponiert auf dem Dach des Studentenwohnheims STAGE am Rande der Bahnstadt! Für Durchfahrende und Ankommende sicherlich ein weithin sichtbarer, neuer Bezugspunkt in Bruchsal.

Was es mit dieser ungewöhnlichen Landmarke auf sich hat, haben wir im Gespräch mit dem Bauherren herausgefunden. Matthias Holoch, treibende Kraft beim Studentenwohnheim STAGE, hat unser Fragen beantwortet,

Landfunker: Herr Holoch, Sie sind immer wieder für eine Überraschung gut. Erst bauen Sie in einer Stadt, die keine Hochschule hat, ein Studentenwohnheim und jetzt setzen Sie dem STAGE-Projekt noch die Krone auf. Was hat es denn damit auf sich?

Matthias Holoch: Das sind die drei Rotoren der STAGE-Windkraftanlage und damit wollen wir, zusätzlich zur großen Photovoltaikanlage, die das ganze Dach und die Seiten des Stage bedecken, eben auch den Wind ernten, um mit dem Gebäude soviel regenerative Energie zu erzeugen, wie möglich.

Ist die Anlage denn bereits in Betrieb, die Rotoren drehen sich im Moment ja nicht?

Ja, die Anlage hat bereits Strom produziert, aber das ist natürlich auch abhängig vom Wind. Zum Glück hatten wir letzte Woche komplette Windstille, was den Aufbau enorm vereinfacht hat, aber wir werden sicher auch noch windigere Tage erleben und dann drehen die sich auch und produzieren Strom für das STAGE.

Was passiert mit dem erzeugten Strom, kommt der zuerst ins Netz und Sie holen sich den dann wieder zurück?

Nein, der Strom wird zur Zeit direkt ins Hausnetz eingespeist und verbraucht. Im Frühjahr bekommen wir einen sehr, sehr großen Batteriespeicher, da können wir unseren selbsterzeugten Strom, ob Photovoltaik oder Windenergie, längerfristig speichern und werden unseren Eigenverbrauch fast zu 100% damit abdecken können.

Nun ist es ja so, dass stromerzeugende Windräder zwar erwünscht sind, nur eben bitteschön nicht in Sichtweite des eigenen Dorfes. Sie dagegen stellen sich eins sogar aufs eigene Dach?

Windanlagen, so wie wir sie kennen mit Dreiflügel-Rotoren, die kann man tatsächlich nicht an oder auf ein Wohngebäude bauen. Die können Vibrationen, Schall und Schattenwurf verursachen, da drunter kann und will man nicht wohnen. Wir haben hier aber ein ganz anderes Wirkprinzip, nämlich einen sogenannten Wind-Widerstandsläufer. Die Rotoren drehen sich nie schneller als der Wind selbst und laufen daher nahezu geräuschlos und völlig vibrationsfrei, im Gegensatz zu Propellerwindrädern, die sich schneller als der Wind drehen. Wir erkaufen die Vorteile dieser Technik allerdings damit, dass wir weniger Energie „ernten“ können.

Gibt es mit Anlagen dieser Art denn schon anderswo Erfahrungen?

Dieser Typ ist mittlerweile schon ca. 80 Mal gebaut worden, allerdings nicht in dieser Größe und in dieser Dreierkombination. Interessanterweise erzeugen wir mit dieser Anordnung mehr Energie, wie mit drei einzel stehenden Rotoren, denn der Abstand ist so gewählt, dass die sich drehenden Rotoren gegenseitig verstärken.

Rechnen Sie damit, dass Ihre Rotoren künftig ein Art Bauherrentourismus nach Bruchsal ziehen werden?

Also, es ist schon etwas Besonderes. Ich habe mich vorab intensiv mit dieser Materie beschäftigt und meines Wissens gibt es in Deutschland kein größeres Wohngebäude, dass so etwas hat.

Und was denken die STAGE-Bewohner darüber? Sind sie stolz darauf, dass sie jetzt Teil eines solchen Experiments sein dürfen?

Also ich denke, die meisten haben darauf gewartet, die Masten stehen ja schon eine ganze Weile. Und die Anlage gehört jetzt, wie vieles andere auch, zum Flaire des Hauses dazu. Also dass wir regenerative Energien erzeugen, dass wir mit der Natur zusammenzuleben, dass sich Tiere am Gebäude einnisten dürfen, dass wir den Müll besonders gut sortieren und noch vieles andere. Ich denke, dass die meisten Bewohner sich damit identifizieren.

Was wird uns denn in Zukunft noch beim STAGE überraschen? Gibt es weitere Planungen?

Das Thema Fassadenbegrünung steht für das kommende Jahr an. Wir haben auch dafür ein besonders System gewählt, um es überhaupt finanzieren zu können. Wir werden das nicht als fertiges System installieren, sondern wir werden es wachsen lassen und so wird das STAGE im Laufe der Jahre ständig sein Gesicht verändern.

Herr Holoch, vielen Dank! Wir sind gespannt, wie es weiter geht.

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