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Können Sie unwerwünschter Wahlwerbung wiedersprechen?
Sie denken, das geht? Nein, geht nicht.
Aus WILLI 03/26: Kommentar von Ulrich Konrad
Denn die Parteien können in Wahlzeiten an allen möglichen Stellen ihre Wahlplakate hängen. Dabei sind zwar ein paar Regeln zu beachten, die sind aber schwer zu überwachen, geschweige denn zu beheben. Oder anders gesagt: Frechheit siegt, oder nennen wir es „Mut zur Lücke“.
Die Strafen einer fehlerhaften Plakatierung halten sich in Grenzen und „Schaden“ tritt ja nun nicht unbedingt ein. Den müsste man ja verifizieren, wollte man einen Schadenersatz daraus formulieren. Dennoch bleibt die Frage, weshalb Parteien Informationen mehr oder weniger frei kommunizieren dürfen. Und weshalb man es mit der Wahrheit nicht so ernst nehmen muss.
Größe und Anzahl lassen sich ja noch überprüfen. Bei den Inhalten wird’s schon schwieriger.
Muss ich also jeden Stuss auf einem Wahlplakat ertragen?
Verantwortlich für die Inhalte sind die Parteien selbst und mit denen müsste man dann in den Clinch. In der Lebenswirklichkeit keine echte Option.
Und so müssen wir in Wahlzeiten hinnehmen, was Parteien und Kandidaten uns unterjubeln. Ob richtig oder falsch, ob es uns gefällt oder nicht.
Die einen glauben mit Slogans zu punkten, mitunter an der Grenze des Zumutbaren, insbesondere bei denen, die behaupten, man könne ja in diesem „unserem“ Land nicht mehr sagen, was man denke. Andere besetzen jeden Pfosten und wollen mit der Menge punkten und hoffen, Klasse durch Masse ersetzen zu können.
Wieder andere meinen „je größer je besser“ und vergessen dabei, dass es Menschen gibt, die Größenwahn nicht sympathisch finden (siehe Bayern: „mir san mir“).
Am meisten Spaß und beste Wirkung erzielen immer wieder intelligente, witzige und unterhaltsame Botschaften. Das findet man meist bei den kleinen Parteien. Die haben nichts zu verlieren und denken, mehr riskieren zu können. Diejenigen, die gewinnen müssen, halten es lieber mit „bloß nix falsch machen“ und meinen, mit den üblichen Binsen zu überzeugen: mehr Freizeit, mehr Geld, mehr Rente, mehr, mehr, mehr. Und die anderen: weniger Steuern, weniger Regulierung, weniger Staat, weniger, weniger, weniger. Kurzum: „Wählt mich, und ihr seid gerettet.“ Denn ich bin der Größte“. In Wahrheit reden Generationen von Bewerbern seit ewigen Zeiten von „man sollte, man müsste, man könnte. Aber die politischen Dampfer sind so schwer, dass wir im Konjunktiv verharren, anstatt zu machen.
Da erinnert man sich doch gerne an das Plakat für den Bundestagswahlkampf 1972, als man Kommunikation noch denen überlassen hatte, die etwas davon verstehen (also nicht von Flyer Druck machen lassen, um die billigste Menge zu bekommen, sondern Fachleute, um die beste Lösung zu finden. Das Plakat des Grafikers Klaus Staeck und seinem Slogan hat Geschichte geschrieben und gilt heute als Plakatkunst.
Intelligent und unvergessen. Beste Kommunikation in einem Satz für seine Zeit ein Volltreffer. Und es sollte eine Herausforderung an alle Kreativen sein. Wahlwerbung ist heute eine Sache von Langeweile geworden, von Leuten mit Scheren im Kopf bestimmt: „Nix falsch machen“ als Anspruch.
Die Langeweile der Plakate reflektiert auch auf die Politiker. Darüber sollten die Kandidaten selbst mal nachdenken, anstatt zu überlegen, wie groß und wie viel, wie penetrant und wie langweilig Werbung sein darf.
Langeweile in groß wird damit allenfalls noch langweiliger. So wie schlechte Musik in laut auch nicht besser wird. Und Langeweile in Massen, ist nur massenhaft langweilig. Und die Sprüche von Rechten, bleiben undemokratisch und menschenfeindlich!
Ach ja, wegen der Überschrift:
Nein, Sie können nicht widersprechen, selbst wenn Wahlwerbung unter optischer und inhaltlicher Umweltverschmutzung läuft. Bei Wahlen gehen die Uhren anders; hoffentlich steht Ihre Uhr und Ihr Kompass auf Vernunft, Freiheit und Demokratie. Sonst haben wir bei der nächsten Wahl vielleicht keine Wahl.
U. Konrad
Nach Kommentar zum Uhrmacher
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