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WILLI-Kommentar | Energiewende: Sonne und Wind schicken keine Rechnung, Franz Alt schon!

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Was hat sich die Stadt Bruchsal gefreut, als sie Mitte September ihren in Untergrombach geborenen, dann aber ins schicke Baden-Baden abgewanderten Franz Alt wieder einmal in Bruchsal begrüßen durfte. Der Anlass: Ein sogenannter Impulsvortrag im Rahmen des Energieforums.

Fast eine Stunde referiert der berühmte Sohn Bruchsals über Erneuerbare Energien. Oder besser gesagt, Alt predigt – wenig verwunderlich, er ist ja auch in Glaubensfragen bestens bewandert und auf den Stühlen lag Werbematerial für seine Herz-Jesu-Bücher aus – und untermalt seinen Vortrag mit Bildern seiner Treffen mit Prominenten und Darstellungen von Erneuerbaren Energieanlagen, die der Vielgereiste oft persönlich in Augenschein genommen hatte.

Was andererseits sein Image des Klimaretters unterschwellig ankratzt, denn mancher mag sich gefragt haben: Muss man das alles selbst gesehen haben? Rettet man das Klima, wenn man den letzten Winkel Grönlands bereist? Aber Alt ist ja missionarisch unterwegs!

Er will auch dem letzten klarmachen, dass allein Solar-, Wasser- und Windkraft sowie Geothermie und Biomasse die Energieprobleme der Zukunft lösen werden. Alles andere sei ein Irrweg, da ist sich der Redner sicher (so sicher, wie das Amen in der Kirche, möchte man fast hinzufügen…).

Für Alt steht die Lösung unseres Energieproblems insbesondere am Himmel. Gott habe mit der Sonne für uns eine unerschöpfliche Energiequelle geschaffen; allein, wir nehmen diese noch immer nicht (genügend) an! Und je länger man dem Vortrag lauschte, desto mehr verstärkte
sich der Eindruck, allein dunkle Kräfte und Lobbyisten hätten Atomkraft und fossile Energieträger gefördert.

Bald meint man als Zuhörer, der liebe Gott schicke die Sonnenenergie direkt in die häusliche Steckdose und E-Autos liefen batteriefrei. Alt sagt das nicht so; aber ihm reicht es aus, eine einzelne Abbildung zu zeigen, die belegen soll, wie wunderbar sich Wind und Sonne im Jahresverlauf auch in Deutschland ergänzten. Und ein weiterer Halbsatz genügt ihm, potentielle Speicherprobleme zu benennen. Ja, ja, es gäbe sie, aber auch das ließe sich lösen…

Ein bisher nicht gekannter kommunaler Kraftakt

Der Mann ist nicht aufzuhalten: Alt ist auf großer Mission, er will die Menschen bekehren. Wiederholt betont er, Deutschland sei ein Land der Ablehner und Bedenkenträger. So komme man mit der Energiewende nicht weiter! Meint der Redner das auch in Bezug auf mangelnden Ehrgeiz, endlich ein Atommüllendlager zu finden oder den Widerstand gegen Kernfusionsforschung? Man hätte Alt zu gerne gefragt…

Auch hätte man ihn fragen wollen, wie er zu seiner eigenen lebenslangen Klimabilanz und seinem persönlichen Ressourcenverbrauch steht, der wohl gegenüber den meisten Zuhörern im Saal beträchtlich ist.

Wie würde die Welt wohl aussehen, wenn jeder von uns, sei es zum Geldverdienen, Missionieren oder in der Freizeit jeden Winkel der Welt bereisen würde? Ob das ein Grund dafür war, dass sich Alt wenigstens nicht – wie vorab in der Lokalpresse – zu Versatzstücken wie „Die alten Energien töten unsere Kinder“ hinreißen ließ?

Ja, die Sonne schickt tatsächlich keine Rechnung, da hat der Vortragende sicherlich recht!

Dies überlässt sie den Handwerkern, Herstellern von Solarmodulen, Speicher- und Netzbetreibern oder der EnBW und den Stadtwerken. Denn dass die Energiewende sicherlich wichtig, aber keineswegs kostenfrei zu haben ist, wie Alt ständig schlagwortartig und schablonenhaft zu proklamieren schien, das erkannte man gleich darauf bei der sich anschließenden Podiumsdiskussion: Wir sollten uns der Energiewende tatsächlich annehmen, so der Tenor der Beteiligten. Allerdings stehe uns nicht nur in finanzieller Hinsicht ein bisher nicht gekannter kommunaler Kraftakt bevor.

Wäre es besser gewesen, statt des sendungsbewussten, rhetorisch aber überaus versierten Alt, eine Person zum Impulsvortrag zu laden, die mit weniger Pathos, stattdessen aber mit etwas mehr Ausgewogenheit, die Veranstaltung eingeleitet hätte?

Schwer zu sagen, denn der frühere Untergrombacher mobilisierte zweifelsohne viele Menschen, an dieser Veranstaltung teilzunehmen und sich vor Ort über mögliche Handlungsspielräume zu informieren.

Von den mehr als 200 Besuchern zog der Referent fast alle in seinen Bann und erhielt am Ende anhaltenden Applaus.

Hubert Hieke

Übrigens wird Alt bzw. dessen Redneragentur – im Gegensatz zur Sonne – der Stadt Bruchsal für seinen Vortrag wohl eine Rechnung präsentieren; und zwar eine, die den Monatslohn einer externen Vollzeitkraft zum Säubern von Rednerpulten überschreiten dürfte. Das ist für sogenannte „celebrity speakers“ allerdings nicht unüblich, wenngleich die Stadtverwaltung über die Höhe des Honorars keine Auskunft geben wollte. Es wird wohl etwas über dem vierstelligen Entgelt liegen, das Alt schon vor Jahren als Gastredner beim Bürgerempfang erhielt.

Text: Hubert Hieke

Aus RegioMagazin WILLI 10/2022

 

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