Die Apotheker in der Region und bundesweit wollen die Situation nicht länger so hinnehmen. | Symbolbild Landfunker.de

Ein Weckruf an die Politik | Auch hiesige Apotheken schließen am Protesttag, den 14. Juni 2023

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9.6.2023 | Apothekerinnen und Apotheker sehen auch im Bezirk Bruchsal, Bretten und Hardt den Stillstand als adäquates Mittel: Der Protesttag der Apotheken am Mittwoch, den 14. Juni 2023 soll aufrütteln.

An diesem Mittwoch werden die Türen vieler Apotheken in Deutschland geschlossen bleiben. Damit protestieren die Apothekerinnen und Apotheker gegen die schwindende Versorgungssicherheit, Bürokratisierung und mangelnde finanzielle Unterstützung durch die Regierung. Sie ziehen die Notbremse und machen auf ihre prekäre Situation aufmerksam. Ihre Botschaft ist klar: Die Apothekenlandschaft besteht auf Veränderung. So dürfe es nicht weitergehen.

Apotheken vor der Zerreißprobe

Eine dieser Stimmen gehört Marc Schmidt, dem Inhaber der St.-Georg-Apotheke in Untergrombach. „Das ist kein einfacher Schritt für uns. Doch wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir keine andere Wahl haben“, sagt Schmidt. Die Anzahl der Apotheken in Deutschland ist in den letzten zehn Jahren drastisch zurückgegangen. Laut der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände gab es 2023 nur noch 17.939 öffentliche Apotheken, ein Rückgang von über 10 Prozent im Vergleich zu 2012. Diese Entwicklung bedroht die Existenz der verbliebenen Apotheken und beeinträchtigt die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung.

„Es geht nicht nur um uns Apotheker.“

Schmidt fügt hinzu: „Es geht nicht nur um uns Apotheker. Es geht um die Patienten, um die ältere Dame aus der Nachbarschaft, die nicht mehr mobil genug ist, um weite Strecken zu fahren. Es geht um den jungen Mann aus der Stadt, der nach einem langen Arbeitstag noch schnell ein Rezept einlösen muss. Unsere Apotheken sind ein lebenswichtiger Teil der Gemeinschaft, und dieser Teil wird immer kleiner.“

Ein Appell für die Patienten: Versorgungssicherheit in Gefahr

Ernst Ciupka, Inhaber der Hirsch-Apotheke in Bruchsal, sieht die Versorgungssicherheit in Gefahr. „Unsere Patienten sind diejenigen, die am meisten leiden. Vor allem in ländlichen Regionen, wo die nächste Apotheke oft weit entfernt ist“, so Ciupka. Und die Zahlen geben ihm Recht: Bis 2022 hat fast jeder zehnte Landkreis weniger als die empfohlene Mindestanzahl von Apotheken pro Einwohner, wie das Deutsche Gesundheitsportal berichtete.

Doch der Mangel an Apotheken ist nur die Spitze des Eisbergs. „Wir haben auch ein Personalproblem“, erklärt Ciupka. „Deutschlandweit fehlen sowohl Apotheker als auch pharmazeutisches Personal.“

Versorgungslücken bei Medikamenten: Ein täglicher Kampf

„Ein weiteres Problem, das wir fast täglich erleben, sind die Lieferengpässe bei Medikamenten“, erklärt Anne Metzka, Inhaberin der Altenbürg Apotheke, Karlsdorf-Neuthard. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat 2022 über 2.000 Lieferengpässe bei Medikamenten gemeldet. Das sind fast doppelt so viele wie noch vor fünf Jahren.

„Es fehlen nicht nur exotische Medikamente“

„Es sind nicht nur exotische Medikamente, die fehlen. Es sind auch Medikamente, die viele Menschen täglich brauchen, wie Blutdrucksenker oder Schilddrüsenmedikamente“, betont Metzka. „Es ist ein täglicher Kampf, unsere Patienten zu versorgen, und dieser Kampf wird immer schwieriger.“

Ein Weckruf: Der Protesttag der Apotheker

Am 14. Juni 2023 erheben sich diese Stimmen in einer kollektiven Aktion des Protests und der Solidarität. Es soll eine Demonstration der Bedeutung der Apotheken für die Gemeinschaft werden und ein Hilferuf an die Politik.

Protestaktion vor dem Bruchsaler Rathaus

Am Mittwoch werden Apothekerinnen, Apotheker und ihre Mitarbeiterinnen ab 10 bis 12:30 Uhr auf den Marktplatz vor dem Rathaus in Bruchsal protestieren.

Notfall-Bereitschaft

Um den Patienten im Notfall bereit zu stehen, sind drei Apotheken am 14.6. geöffnet, es wird aber gebeten, nur im Notfall zu kommen und nötige Medikamente besser am Tag davor oder danach zu besorgen:

  • Apotheke St. Barbara in Forst
  • Post-Apotheke in Knittlingen
  • Stutensee-Apotheke in Blankenloch.

„Wir müssen uns Gehör verschaffen. Wir müssen die Menschen darauf aufmerksam machen, dass die Lage kritisch ist“, sagt Marc Schmidt. „Der Protesttag ist ein Weckruf. Es ist ein Aufruf zum Handeln. Es geht nicht nur um unsere Existenz, es geht um die Gesundheit und das Wohl unserer Patienten.“

Das sind die Forderungen

Die Apotheker fordern von der Politik dringende Maßnahmen: Eine Reform der Arzneimittelpreisverordnung, bessere Unterstützung bei der Personalgewinnung und eine Stärkung der lokalen Apotheken gegenüber großen Versandapotheken. Sie kämpfen für eine sichere, wohnortnahe Arzneimittelversorgung in Deutschland – und wollen am 14. Juni 2023 dafür ein starkes Zeichen setzen.

Drei von Vielen, die am Mittwoch protestieren wollen: Anne Metzka, Heinz Hüttner, Ernst Ciupka (v.l.n.r.)

(Muc)

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