Bruchsal | Extremwetter-Situation – zukünftige Herausforderungen für Kulturdenkmäler

Archivbeitrag | Schwere Schäden haben die Gewitter und Orkane der letzten Woche hinterlassen.

Und obwohl die großen Schlossgärten in der Obhut der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg nicht in den Zentren des Sturms lagen, zeichnet sich auch hier deutlich ab: Der Klimawandel bringt nicht nur durch zunehmende Hitze und Trockenheit neue Herausforderungen. Auch die häufigeren Extremwetterlagen bedeuten neue Aufgaben – und mehr Aufwand.

Worum geht es hier?
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Die grossen historischen Schlossgärten verschont
Fast eine Entwarnung – das ist das Fazit von Prof. Dr. Hartmut Troll, dem für die historischen Gärten zuständigen Spezialisten der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, knapp eine Woche nach den Sommerstürmen: „Wir sind zum Glück dieses Mal im Unterschied zu Stuttgart weitgehend verschont geblieben – das zeigt die abschließende Bilanz der Unwetterschäden aus den historischen Gärten.“ Betroffen war unter den historischen Monumenten vor allem die Umgebung der Grabkapelle auf dem Württemberg, wo größere Bäume beschädigt wurden. Ansonsten melden die Schlossgärtner aus Bruchsal einen Starkast-Ausbruch, in Weikersheim muss im Parterre eine geschädigte Kastanie gefällt werden.

Starke regenfälle schädigen die Wege

Massive Schäden allerdings gab es an den Wegen, etwa im Schlossgarten Bruchsal. Die starken Regenfälle schädigen die ohnehin überbeanspruchten wassergebundenen Wegedecken: Das Material wird weggeschwemmt, tiefe Rinnen bilden sich. Zum einen gefährdet das die Verkehrssicherheit der Wege im Schlossgarten. Zum anderen aber werden Großveranstaltungen auf solchen gefährdeten Flächen immer schwerer planbar. Besonders stark betroffen von den beiden heftigen Regenfällen der letzten Woche sind die Mittelachse und die Seitenalleen des Bruchsaler Schlossgartens.

Erste Massnahmen greifen bereits

Letzte Woche lagen die Epizentren der Verheerung in Oberschwaben und am Bodensee, im Schwarzwald und in der Stuttgarter Region. Die Schäden der beiden Tage bieten nach wie vor ein eindrucksvolles Bild der Gewalt, mit der die Stürme gewütet haben. „Aber das nächste Extremwetter kann auch die Schlossgärten und Parks in Schwetzingen und Heidelberg, in Rastatt, in Mergentheim und Weikersheim treffen“, erklärt Hartmut Troll. Für die zunehmende Trockenheit und Hitze haben die Fachleute der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg bereits erste Maßnahmen auf den Weg gebracht. So werden etwa im Schlossgarten Schwetzingen in einer eigenen Baumschule Setzlinge und Jungbäume gezogen, die besser an das trockenere Klima der nächsten Jahre angepasst sind.

Kosten für Sicherheit in den Gärten steigen

Die Gefahren, die von den zunehmenden Extremwetterlagen ausgehen, erfordern vor allem Prävention. War bislang die Aufmerksamkeit und Frequenz bei der regelmäßigen Kontrolle der Bäume hoch, wird dies künftig noch viel wichtiger werden. „Baumschauen und Überwachung und Pflege der Bäume werden immer aufwändiger, um die Sicherheit in den Gärten zu gewährleisten“, sagt Hartmut Troll. Und das bedeutet auch: mehr Kosten für den verstärkten Einsatz von Fachleuten, die die Bäume begutachten. Weitere Kosten entstehen, wenn nach Stürmen die Schäden beseitigt werden müssen.

Michael Hörrmann: Auf zukünftige Situationen vorbereitet sein

„Es kommt jetzt darauf an, dass wir uns vorbereiten auf Wettersituationen, mit denen wir in der nächsten Zukunft häufiger konfrontiert sein werden“, erklärt Michael Hörrmann, der Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. „Wir stehen daher im engen fachlichen Austausch mit anderen historischen Gärten und sind beteiligt an dem deutschlandweiten Projekt „KERES“ zur Erforschung des Klimawandels.“ Bei diesem Projekt untersuchen mehrere Fraunhofer-Institute im wissenschaftlichen Verbund, wie Kulturgüter vor Extremklimaereignissen geschützt und deren Resilienz erhöht werden kann. Das hat für die Kulturdenkmale der SSG hohe Relevanz.

Im Forschungsverbund Climate HeriTage Network
„KERES“ ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 1,97 Millionen Euro gefördertes Projekt, bei dem es darum geht. die Auswirkungen des Klimawandels mit Blick auf das kulturelle Erbe zu erforschen. Mit welchen Extremwetterereignissen ist in Deutschland zukünftig zu rechnen? Wie können Schäden an unwiederbringlichen historischen Stätten vermieden werden? Welche Maßnahmen sind langfristig erfolgreich und zudem ökonomisch sinnvoll? Dabei werden unter anderem aus hochaufgelösten regionalen Klimamodellen Schadensrisiken für historische Gebäude und Gärten abgeleitet und nachhaltige Präventions- und Notfallmaßnahmen für den Erhalt entwickelt.

www.schloesser-und-Gaerten.de

 

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