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900.000 € Minus beim Schlossfestival in Bruchsal …

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19.7.23 | … oder der nicht ganz geglückte Versuch unsere Stadt auf einer vergoldeten kulturellen Landkarte zu verankern.

Kommentar

Die gestrige Pressemeldung aus dem Hause BTMV zur negativen Bilanz des Schlossfestivals war lange erwartet und gefordert. Zumindest die Bruchsaler FDP-Fraktion wurde deutlich. Dass die Veranstaltung zum Jubel des 300-jährigen Schlossgeburtstages katastrophal defizitär war, war hinter den Kulissen schon lange bekannt. Auch die Größenordnung von knapp einer Million EURO. Und nun, nach einem Jahr Zögern trudelte sie per E-Mail ein, die mühsame Erklärung, woran es wohl gelegen haben könnte. Von Selbstkritik keine Spur, stattdessen will man wie der Fußballtrainer die Schwächen analysieren, um das Gelernte beim nächsten Mal mit einfließen zu lassen.

Das Schlossfestival 2022 in Bruchsal, organisiert von der städtischen Tochtergesellschaft Bruchsaler Tourismus, Marketing und Veranstaltungs GmbH (BTMV) und der Stadt Bruchsal war seit Bekanntwerden der Gegenstand hitziger Debatten.

Für die einen war dieses Festival ein Fall riskanter Selbstüberschätzung, für die anderen ein touristischer Magnet, mit dem die Stadt als Festival-Veranstalter in neue Dimensionen vorstoßen wollte. Berlin, Bayreuth … Bruchsal wurde kolportiert. Unsere Stadt sollte auf einer vergoldeten kulturellen Landkarte neu verankert werden.

Die versprochene schwarze Null!

Klotzen – nicht Kleckern stand auf dem Programm – es sollte ein Festival der Superlative werden, so unisono von Veranstalter und Stadt. Einzelnen Bedenken beim Bruchsaler Gemeinderat wurden vom neu verpflichteten Sportmanager Frank Kowalski die Vision vom der Festivalstadt Bruchsal und einer prognostizierten schwarzen Null entgegengehalten.

Wie sich nun herausstellte, war das Ganze doch zu schön, um wahr zu sein. Das im Verborgenen bekannte Defizit wurde gestern in einer offiziellen Pressemitteilung der BTMV veröffentlicht: Minus 900.000 €. Ob die Zahl stimmt oder ob das Defizit nicht schön gerechnet wurde, wird hoffentlich noch herausgefunden, wenn die Zahlen abschließend auf dem Tisch liegen.

Die Gegenwinde waren schuld

Laut BTMV trafen die Veranstaltung „erhebliche Gegenwinde“, darunter ungünstige Einkaufsbedingungen und nicht eingehaltene Lieferkapazitäten. Zitat: „Auch die Nachwirkungen der COVID 19 Pandemie forderten durch rechtliche und tatsächliche Erschwernisse die Entschlossenheit der Beteiligten. Zuletzt konnte wegen der hochsommerlichen Temperaturen nicht jeder potenzielle Besucher gewonnen und gehalten werden, sodass die Ticketverkäufe an der Abendkasse und vor Ort hinter den Prognosen zurückgeblieben sind.“ Soweit die Angabe von Gründen in der gestrigen Pressemitteilung der BTMV. Am eigenen Konzept jedenfalls konnte es nicht gelegen haben. Ein bisschen peinlich scheint das schon.

Trotz des Defizits betonten die Organisatoren und die Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick, dass das Festival „ein deutlicher Gewinn“ für die Stadt und den Standort Bruchsal gewesen sei. Nun ja, hoffentlich schlägt die Wertschätzung bei Liebhabern gehobener Kulturveranstaltungen nicht in Schadenfreude um à la „Bruchsal, ihr könnt es doch nicht“-Lästerei. Schade, wäre es doch eine Chance gewesen, nach diesem Desaster mit einer selbstkritischeren Haltung wenigstens etwas um Verständnis zu bitten.

Immerhin, auch wenn die Stadt und die Steuerzahlenden nicht direkt für das Defizit aufkommen müssen, wird dieses nun über mehrere Jahre durch Überschüsse im Wirtschaftsbetrieb ausgeglichen werden müssen. Ob die BTMV über solche Mittel verfügt oder sie in den nächsten Jahren einzunehmen versteht? Jedenfalls nicht, wenn man noch mal an den Spieltisch geht und alles auf Rot setzt.

Ungeachtet dessen, ob das Schlossfestival als kultureller Erfolg angesehen wird, steht außer Frage, dass dieses finanzielle Fiasko ernsthafte Fragen über das Management und die Planung von Großveranstaltungen in Bruchsal aufwirft. Es fordert ein Umdenken:

Sollten solche Megaevents nicht besser von privaten Anbietern organisiert werden, die das unternehmerische Risiko tragen wollen? An fast gleicher Stelle organisiert der Veranstalter Provinztour seit Jahren ein Sommerfestival mit großen Namen und großem Erfolg – zuletzt war der Weltstar Sting zu Gast.

Am kommenden Dienstag, den 25.7. steht bei der Gemeinderatssitzung unter anderem die Feststellung des Jahresabschlusses 2022 der BTMV auf dem Programm, zusammen mit der Entlastung des BTMV-Aufsichtsrats.

Walter Besenfelder
Landfunker.de

Und selbst 10 Jahre lang Veranstalter des 4-tägigen »Bruchsaler Sommer«-Festivals im Atrium beim BÜZ. Damals auf eigenes Risiko.

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Hierzu ein Gastkommentar von Rainer Kaufmann zur Ankündigungs-Pressekonferenz im Februar 2022

RAINwurf 11 | Bruchsal, Salzburg, Verona und Bayreuth. (Archiv 2022)

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