| Seit dem 1. Januar 2026 ist Dr. Johannes Mette Pfarrer der neu gegründeten römisch-katholischen Kirchengemeinde Edith Stein in Bruchsal. |
08.01.2026 | Mit rund 110.000 Katholikinnen und Katholiken entsteht die größte Pfarrei der Erzdiözese Freiburg. Im Interview spricht Mette über Nähe, Verantwortung, Glauben und darüber, wie Kirche trotz Umbrüchen lebendig bleiben kann.
Eine Pfarrei, so groß wie eine Stadt
Was bisher aus 13 Seelsorgeeinheiten und 46 Pfarreien bestand, wurde ab 2026 zu einer einzigen Großpfarrei zusammengeführt. Hintergrund ist eine tiefgreifende Strukturreform der Erzdiözese Freiburg: Die Zahl der Pfarreien wurde von 1.056 auf nur noch 36 reduziert.
Der Kirchenbezirk Bruchsal ist von dieser Entwicklung in besonderem Maße betroffen und steht beispielhaft für die neue kirchlichen Realität.
Formell ist Dr. Johannes Mette dann der einzige Pfarrer dieser Großpfarrei. Unterstützt wird er von rund 20 Priestern sowie zahlreichen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern.
Pfarrer, Manager, Seelsorger
Auf die Frage, wie er sich selbst sieht, antwortet Mette offen: „Pfarrer stimmt, aber natürlich gehören heute verschiedene Tätigkeiten dazu. Ein Stück weit bin ich auch Manager.“
Gute Organisation und klare Strukturen seien notwendig, um Verantwortung für viele Menschen und Prozesse tragen zu können. Dennoch bleibe Seelsorge für ihn zentral:
„Ich möchte erreichbar sein für Menschen.“
Wie kann Nähe gelingen bei 110.000 Gläubigen?
Mette begegnet dieser Skepsis offen. Seelsorge, sagt er, sei heute keine Einzelleistung mehr, sondern Gemeinschaftsarbeit. Aufgaben in Seelsorge, Kitas oder Verwaltung sollen stärker verteilt werden. Die Rolle des Pfarrers verändere sich: weniger alles selbst tun, mehr koordinieren, ermöglichen und begleiten.
Gebäude oder Menschen?
Die Kirchenreform bringt auch schmerzhafte Entscheidungen mit sich. Nicht jedes Gebäude könne langfristig erhalten werden. Doch für Mette ist klar: „Das erste Ziel ist nicht, Gebäude zu reduzieren, sondern den Glauben zu verkünden.“ Kirche müsse präsent sein, wo Menschen kommen – etwa in Trauersituationen, an Weihnachten oder bei Festen wie St. Martin.
Hoffnung und Vision
Trotz sinkender Zahlen zeigt sich Mette optimistisch. Besonders Kinder- und Familienangebote wie „Kirche Kunterbunt“ oder spezielle Gottesdienstformate sieht er als Chancen.
Sein Leitgedanke: „Das Leben vor Ort soll blühen, soll weiterwachsen, soll möglich sein.“
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