06.03.2025 | Jedes Jahr wieder wird weltweit der Weltfrauentag gefeiert. Besonders an diesem Tag soll daran erinnert werden, dass Frauen und Männer noch immer nicht gleichberechtigt sind.
Auf der ganzen Welt feiert man am 8. März den internationalen Frauentag. Seinen Ursprung hat er jedoch in der heutigen Ukraine und den USA, wo bereits sehr früh Stimmen nach einem speziellen Tag zur Stärkung der Frauenrechte laut wurden. Bereits 1908 demonstrierten an diesem Tag Textilarbeiterinnen in New York für das Frauenwahlrecht, kürzere Arbeitszeiten, höhere Löhne und besseren Arbeitsschutz. 1910 brachte Clara Zetkin das Thema dann auf der Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen auf die Agenda. Ziel damals war vor allem das Wahlrecht für Frauen, das es heute immer noch nicht überall auf der Welt gibt. Erst 1919 wurde es in Deutschland eingeführt, was ein großer Fortschritt für die damalige Frauenbewegung war.
Doch unter der Herrschaft der Nationalsozialisten wurden Frauen wieder jegliche Rechte genommen. Sie wurden zurück in traditionelle Rollen gedrängt und vor allem als Mütter und Hausfrauen gesehen.
Eine neue Bedeutung erhielt der Frauentag erst wieder durch die Proteste von Arbeiterinnen am 8. März 1994. Seitdem organisieren sich Gruppen, Gewerkschaften, Verbände und Parteien, um auf die nach wie vor bestehenden Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern aufmerksam zu machen.
In Europa sind viele der ursprünglichen Forderungen von Clara Zetkin mittlerweile erfüllt – doch es gibt weiterhin Handlungsbedarf. So verdienen Frauen in Deutschland im Jahr 2024 durchschnittlich 16 Prozent weniger als Männer. Der Gender Pay Gap ist nach wie vor Realität, ebenso wie die ungleiche Verteilung von Sorgearbeit in Familien. Viele Frauen arbeiten in Teilzeit, weil sie zusätzlich ihre Kinder betreuen oder Angehörige pflegen. Tatsächlich leisten Frauen täglich rund 52 Prozent mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer. Um echte Gleichberechtigung zu erreichen, muss vor allem eine bessere Balance zwischen Beruf und Familie geschaffen werden.
Auch in männerdominierten Berufen sind Frauen weiterhin unterrepräsentiert – sei es in Führungspositionen, in der Politik, in den Naturwissenschaften oder auf dem Bau. Die Veränderung dieser Strukturen ist entscheidend für eine echte Gleichstellung der Geschlechter.
Während viele Probleme in Deutschland bereits überwunden sind, sieht die Lage weltweit anders aus. Millionen Mädchen haben keinen Zugang zu Bildung: 34 Millionen Mädchen im Grundschulalter besuchen keine Schule, im Vergleich zu 29 Millionen Jungen. Zudem können 58 Millionen Mädchen und junge Frauen zwischen 15 und 24 Jahren weder lesen noch schreiben. Außerdem sind Frauen immer noch in einigen Ländern stark von Gewalt bedroht, sei es durch sogenannte Ehrenmorde oder andere Formen der Unterdrückung.

Der Internationale Frauentag ist ein Symbol für das, was bereits erreicht wurde – aber auch eine Mahnung, weiterhin für Gleichberechtigung zu kämpfen. Dieser Tag sollte deshalb nicht nur von Frauen gefeiert werden. Echte Gleichstellung kann nur erreicht werden, wenn alle Geschlechter gemeinsam daran arbeiten.
Michelle Kochno
Mein Tipp
Wer also noch nichts vor hat am 8. März sollte sich die Aufführung von „Else” im Bruchsaler Stadttheater nicht entgehen lassen. Die Badische Landesbühne zeigt Carina Sophie Eberles moderne Adaption von Arthur Schnitzlers „Fräulein Else”. Das Stück, das sich mit sexueller Belästigung und den Herausforderungen stereotypischer Geschlechterrollen beschäftigt, zeigt eindrucksvoll, wie aktuell diese Themen auch heute noch sind. Beginn der Aufführung ist um 19.30 Uhr.
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