Windkraftkompromiss in Bruchsal scheint festgezurrt

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24.9.23 | Wenngleich am kommenden Montag beim 3. Energieforum in Bruchsal die Besucher voraussichtlich wieder ausführlich über die Vorzüge der Windkraft informiert werden und bis zur Ermüdung erklärt werden wird, weshalb Widerstand dagegen relativ ausweglos ist, hat sich hinter den Kulissen vorab dennoch einiges bewegt. Denn entgegen der ursprünglichen Absicht der Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick, elf Windräder in den Wald der Ortsteile Obergrombach und Heidelsheim zu betonieren, scheint sich nun eine vorläufige Kompromisslösung abzuzeichnen.

Kommentar von Hubert Hieke

Jedem war wohl vorab klar, dass sich die Windräder aufgrund der Vorgaben des Bundes, des massiven Drucks aus Stuttgart, des Regionalverbandes Mittlerer Oberrhein (RMO) und einer eher windkraftaffinen Oberbürgermeisterin kaum verhindern ließen. Was den Betroffenen aber immer fragwürdig erschien: Weshalb sich vermeintlich allein in den Wäldern von Obergrombach und Heidelsheim Standorte finden ließen, die auf städtischer Gemarkung lagen und damit nebenbei Einnahmen generieren würden.

Und dem massiven Widerstand der Einwohner sowie einiger Ortschafts- und Gemeinderäte, insbesondere den Ortsvorstehern Wolfram von Müller und Uwe Freidinger aus Obergrombach und Heidelsheim ist es wohl zu verdanken, dass der nun mit der Bruchsaler Verwaltung gefundene Kompromiss die Lasten für die Bürger gleichmäßiger verteilt.

Dabei mag der Widerstand aus der Bevölkerung nicht der einzige Grund gewesen sein, weshalb die Verwaltung teilweise einlenkte. Denn als der RMO die Pläne mit Suchfeldern vorlegte, auf denen potentiell Windkraftanlagen gebaut werden könnten, muss selbst bei Windkraftbefürwortern im Bruchsaler Rathaus Schnappatmung eingesetzt haben. Dabei war die ursprüngliche Vorgabe, 1,8 Prozent der Landesfläche Baden-Württembergs für Windkraftstandorte ausweisen zu müssen und diese Vorgabe auch für das Gebiet des RMO zu erreichen, vielen Mitbürgern noch vermittelbar. Warnungen, diese Durchschnittswerte könnten in einzelnen Regionen weit übertroffen werden, schlug man dabei buchstäblich in den Wind. Nun aber lag der RMO-Bericht vor: Sage und schreibe 13,6 Prozent der Gemarkung Bruchsal galten demnach offiziell als windkrafttauglich.

Stadtverwaltung legt Rückwärtsgang ein

Kein Wunder, dass man seitens der Stadt nun den Rückwärtsgang einlegte, die Reihen schließen wollte und umgehend eine Liste windraduntauglicher Gebiete auswies. Im Ergebnis möchte die Stadt Bruchsal nun höchstens 5,2 Prozent des Gemeindegebiets als Suchfläche ausgewiesen haben und wird diese Empfehlung dem RMO übermitteln. Daneben wurde seitens der Verwaltung wohl ein neuer Plan entwickelt, wo Windkraftanlagen gebaut werden könnten und deren Bau auch in den Ortsteilen als faire Lösung angesehen würde.

Keine „Windradumzingelung“ mehr in Heidelsheim, Helmsheim und Obergrombach

Nach diesen Plänen würde auf Heidelsheimer Gemarkung wohl nur noch eine Fläche für Windräder ausgewiesen, die an das Bruchsaler Kernstadtgebiet anschließt, wo am nordöstlichen Zipfel der Stadt und entgegen der ursprünglichen Planung nun ebenfalls eine Fläche für die Rotoren ausgewiesen wird. In Obergrombach wird der Obere Wald Nordost zum Ausschlussgebiet erklärt und für die Windräder ein Gebiet weiter entfernt vom Ortskern und nicht in direkter Sichtweite zur Burg empfohlen. Und zwar nahe der Gebietsgrenze zu Gondelsheim, dessen Gemeinderat offensichtlich beschlossen hat, dort ebenfalls auf eigener Gemarkung eine Empfehlung zum Bau von Windrädern abzugeben. Durch diese Clusterung wäre auch der Bruchsaler Stadtteil Helmsheim weit weniger von einer Umzingelung durch Windräder betroffen.
Ob der nun scheinbar gefundene Kompromiss für ein knappes Dutzend Windräder dann tatsächlich Bestand hat, bleibt allerdings abzuwarten. Und ein weiter Zubau mit Windrädern auf privaten Flächen ist auf Bruchsaler Gemarkung natürlich damit ebenfalls nicht vom Tisch. Etwas anderes anzunehmen wäre blauäugig.

„Windräder da, wo der Widerstand am geringsten ist.“

Übrigens lehrt uns die Windraddebatte möglicherweise ganz nebenbei zwei grundsätzliche Dinge: Erstens ist Widerstand gegen (unsinnige) Beschlussvorlagen möglich und führt zu Ergebnissen, die zwar nicht jeden zufriedenstellen werden, aber dennoch zeigen, dass unsere demokratischen Prinzipien auch auf kommunaler Ebene funktionieren. Zweitens sollte man nicht unbedingt alle offiziellen Verlautbarungen für bare Münze nehmen. Denn am Ende gilt wohl doch, was einer der offiziellen Vertreter des Bürgerdialogs kürzlich unverhohlen einem Interessierten auf die Frage, wo wohl am Ende die Windräder hinkämen, antwortete: Da wo der Widerstand am geringsten ist!

Renditeorientiertes Interesse an Standorten

Übrigens: Einige wenige Bürger, die zu den Sitzungen der Ortschaftsräte kamen, wollten Genaueres über potentielle Standorte für Windräder wissen und ebenso erfahren, wer hierfür zuständig sei. Sie hatten aber offensichtlich nicht das Gemeinwohl, sondern allein die Verwertung ihrer eigenen Äcker und mögliche renditeträchtige Investitionsmöglichkeiten in ihren eurogefärbten Pupillen.

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