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WILLI-Reportage | Neue Serie im RegioMagazin: HEIMATkunde – Geschichte und Geschichten von hier

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Im neuen Format schaut WILLI und KraichgauTV Fernsehen auf Geschichte und Geschichten aus der Region. Menschen, Themen und Ereignisse, die es wert sind entdeckt zu werden. Für Leser und Zuschauer, die sich für Heimat interessieren: Gestern. Heute. Morgen.

Manchmal will man schon gar nicht mehr an einen Zufall glauben. Kurz nachdem WILLI und KraichgauTV beschlossen hatten, im April mit dem neuen Format „Heimatkunde – Geschichte und Geschichten von hier“ aufzuwarten, bekamen wir Unterstützung in einer der seriösesten Tageszeitungen Deutschlands, der Süddeutschen Zeitung. Dort schrieb deren Kolumnist Heribert Prantl:

„Demokratien sind wie Bäume: Sie brauchen Wurzeln. Je tiefer sie sind, umso besser. Das verankert die Demokratie, das gibt ihr Standfestigkeit. Die deutsche Demokratie hat es da eigentlich gut: Sie ist ein Tiefwurzler. Ihre Wurzeln reichen zurück bis zur Revolution von 1848, ja noch weiter, bis 1793. Aber weil sie davon wenig weiß, benimmt sie sich wie ein Flachwurzler. Das Gedächtnis der deutschen Demokratie reicht nur bis zum Grundgesetz.

Viele Deutsche halten die Demokratie für ein Geschenk, das die Amerikaner, unterstützt von Briten und Franzosen, 1945 den naziverseuchten Deutschen als Maßregel der Sicherung und Besserung mitgebracht haben.“

Eine Erkenntnis, die auch für Bruchsal und seine Umgebung gilt, wo man seit der Nachkriegszeit große Teile der deutschen Geschichte, einem wechselvollen Auf und Ab, mehr oder weniger vernachlässigt hat.

Auch hier gibt es jede Menge zu erzählen über die Demokratiewerdung Deutschlands.

Von den Bauernkriegen über die bürgerliche Revolution von 1848/49, die Reaktion unter Bismarck, das Scheitern der Weimarer Republik, den Soldatenaufstand von 1918, die Verbrechen der NS-Zeit mit der Zerstörung der Stadt durch einen amerikanischen Bombenangriff und den Wiederaufbau der Stadt und des Gemeinwesens. Und es gibt eine ganze Reihe von Personen und Ereignissen, die eng mit der Stadt Bruchsal verbunden sind:

Lorenz Brentano
Interims-Regierungschef in Baden im Jahr 1849, einer der politischen Führer der Badischen Volksvereine. Er musste in die USA fliehen, um einer lebenslangen Freiheitsstrafe für sein Engagement für eine freiheitliche Demokratie zu entgehen und machte dort als Verleger und Politiker große Karriere.

Joss Fritz und Anton Eisenhut
Zwei regionale Anführer der Bauernerhebungen im 16. Jahrhundert. Anton Eisenhut, der Führer des „Kraichgauer Haufens“ wurde am Bruchsaler Bergfried enthauptet.

Franz Sigel
Einer der militärischen Anführer der Badischen Revolution, der ebenfalls in die USA entkam und dort als ein bedeutender General in den Freiheitskriegen auftrat. Zwei bedeutende „Fourty eighters“ der amerikanischen Geschichte kamen damit aus Bruchsal.

Peter Lacher
Ein Bruchsaler, der wegen des Aufrufs zur Soldatenmeuterei im Jahr 1849 von preußischen Standgerichten in Mannheim hingerichtet wurde.

Otto Corvin zu Wiersbitzki
Ein ehemals preußischer Offizier, der zu den badischen Freischärlern übergelaufen war. Er verbüßte Teile seiner Freiheitsstrafe im Bruchsaler Zuchthaus und schrieb darüber ein Buch. Ein beklemmendes Zeugnis aus der Zeit der preußischen Reaktion. Nach seiner Begnadigung berichtete er als Journalist von den Freiheitskämpfen in den Vereinigten Staaten.

Gustav Struve
Auch ein Anführer der Badischen Revolution, der 1849 im Stadtgefängnis in Bruchsal einsaß und im Mai von seiner Frau Amalie und Bruchsaler Demokraten befreit wurde.

Der Baum der Demokratie hat auch in Bruchsal tiefe Wurzeln

Die Bruchsaler Bürger Hetterich und Bellosa, die mit vielen anderen die Befreiung der Gefangenen Republikaner organisierten.

Und dann die NS-Zeit mit der Vertreibung der jüdischen Bevölkerung Bruchsals, dem Terror des Wehrmachtgefängnisses in der Huttenstraße und der NS-Richtstätte in der ehemaligen Psycha in der Seilersbahn. Und natürlich die Art und Weise, wie nach dem Krieg mit diesem Teil der Bruchsaler Geschichte und auch mit den wichtigsten lokalen NS-Größen umgegangen wurde.

Heribert Prantl hat recht: Der Baum der Demokratie hat auch in Bruchsal tiefe Wurzeln, sie müssen aber in vielen Fällen erst noch freigelegt werden, damit sie für künftige Generationen vor allem von Schülerinnen und Schülern wirksam vermittelt werden können.

Und da kommen jetzt ein paar Jubiläen ins Spiel, die in den nächsten Jahren anstehen, wenn die Stadt erst einmal das große Schloss-Jubiläum in diesem Jahr hinter sich gebracht hat:

  • das 175-jährige Jubiläum der badischen Revolution das 2023 und 2024 ansteht
  • das 500-jährige Jubiläum der Bauernkriege, das am Jahr 2025 ansteht.

Und für diese drei wichtigen Jubiläumsjahre erarbeitet die „Kommission für Stadtgeschichte“, die vom Bruchsaler Gemeinderat als unabhängiges Beratergremium für historische Themen der Stadt eingesetzt wurde, an einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm mit Vorträgen, Ausstellungen und kulturellen Aufführungen.

WILLI und KraichgauTV wollen jetzt schon damit beginnen, Monat für Monat mit der Aufarbeitung einzelner Themen, Ereignisse und Personen, diese dreijährige Strecke an Erinnerung zu begleiten. Ganz im Sinne des früheren Bundestagspräsidenten Dr. Norbert Lammert, der bei der Eröffnung der 16. Bundesversammlung am 12. Februar 2017, auf der Frank-Walter Steinmeier zum ersten Mal zum Bundespräsidenten gewählt wurde, vom gesamten Plenum Beifall bekam für folgende Erkenntnis:

„Tatsächlich hat das erstaunliche Ansehen, das Deutschland heute in der Welt genießt, wesentlich mit unserem verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Geschichte zu tun. Zum historischen Werden Deutschlands gehört im Übrigen auch seine zwar wechselvolle, aber beachtliche Freiheits- und Demokratiegeschichte. Ihr angemessen und würdig zu gedenken, ist ebenso unverzichtbar wie konstruktiv für das Selbstverständnis unserer Nation.“

Wir freuen uns auf diese journalistischhistorische Herausforderung, mit der wir unsere Leserschaft und Zuschauer regelmäßig ansprechen wollen. Und wir freuen uns natürlich auch auf Ihre Kommentare und Anregungen.

Text: Rainer Kaufmann

Aus RegioMagazin WILLI 04/2022

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