Öfter wird die Wagbachniederung im Norden von Waghäusel als Paradies bezeichnet. Im Alten Orient sind Paradiese mit Bäumen, Gärten und Wasserströmen meist das Zentrum einer heilen Umwelt. Wohl auch im Bruhrain. Manche Ortsansässige schwärmen von einem Stück „Garten Eden“.
Obwohl die Wagbachniederung meist den Zusatz Waghäusel führt, befindet sich das Areal bereits auf der Gemarkung der Gemeinde Oberhausen-Rheinhausen. Das Gebiet liegt nördlich der Eremitage in einer uralten Rheinschlinge. Bis zur Aufgabe der Produktion im Jahre 1995 wurde es von der benachbarten Zuckerfabrik für Schlammklär-Ablagerungen genutzt. Deshalb ist es so interessant für die Tierwelt.
Heimat erleben: Das Museum in der Eremitage zeigt die ganze Vielfalt der Wagbachniederung.
Ein Teleskop im „Museumsbereich Wagbachniederung“ im Waghäuseler Schlösschen ermöglicht eine nahe Sichtweise auf die Pflanzen und Tiere im europaweit bedeutsamen Brut- und Rastplatz für heimische und durchziehende, vom Aussterben bedrohte Vogelarten.
Aus den Glasvitrinen schauen der hier ansässige Purpurreiher, sonst nur im Mittelmeerraum beheimatet, die Rohrweihe und das Blaukelchen. Für Ornithologen ist die Niederung seit langem ein Hotspot.
Die Stadt Waghäusel hat sozusagen vor der Haustür eines der schönsten Naturschutzgebiete Deutschlands, das es verdient, gesehen und bewundert zu werden. „Ein solches Refugium muss erhalten und geschützt werden. Denn wir haben auf dieser Gemarkung ein Vorzeigegebiet, auf das wir mordsmäßig stolz sein können“, ist in Waghäusel zu hören.
Europaweit wichtiger Brut- und Rastplatz
Derzeit umfasst die Wagbachniederung – zwischen der alten B 36 und der L 560 – auf einer Fläche von 224 Hektar eine große Vielzahl von unterschiedlichen Biotopen, so zwei große Wasserflächen, im Flachwasser stehende Schilfbestände, Schlammflächen, Nasswiesen und Riedflächen, aber auch Gebüsche, Hecken und Baumgruppen.
Zwischen 500 und 1.000 Kilogramm Karpfen werden jährlich von einem Berufsfischer geangelt. Unterwegs sind auffallend viele Kormorane, etwa 80 Brutpaare. Die Großfläche ist ein europaweit wichtiger Brut- und Rastplatz für heimische und durchziehende, vom Aussterben bedrohte Vogelarten – und zählt zu den bedeutendsten Vogelschutzgebieten in ganz Deutschland.
Auch bei schlechtem Wetter ist die Wagbachniederung ein beliebtes Ziel für Spaziergänger.
Seit 1983 ist die Fläche als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Hier sind mehr als 300 verschiedene Vogelarten zuhause, etwa Kormorane, Entenvögel, Schwäne, Rohrweiher, Fischadler, Haubentaucher, Rohrsänger, Neuntöter und Kuckuck.
Entdecken lässt sich auch der sonst nur im Mittelmeerraum beheimatete Purpurreiher, dessen nördlichstes Verbreitungsgebiet hier bei Waghäusel ist. Dabei dürfte es sich um die größte Purpurreiher-Kolonie in Deutschland handeln. Wohl fühlen sich die etwa zehn vorhandenen seltenen Eisvögel. Zu den Prachtexemplaren zählen die Blaukehlchen.
Von der alten Bundesstraße B 36 aus, die heute als schöner Radweg zwischen Neulußheim und Waghäusel dient, ist das Gelände gut einsehbar. Fußwege führen mitten durch das Gelände und ermöglichen einmalige Empfindungen.
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