Meilenstein für die Wärmewende: Stadtwerke Bruchsal sichern sich Geothermie-Wärme

Bruchsal, 05. Februar 2026 | Mit der Unterzeichnung eines Wärmeliefervertrags zwischen der Geothermie-Gesellschaft Bruchsal und den Stadtwerken Bruchsal erreicht die Wärmewende in der Barockstadt einen zentralen Meilenstein.

Es sind gute Nachrichten für Bruchsal und die Region: Die Nutzung von Geothermie für die Fernwärmeversorgung wird konkret. Im Großen Sitzungssaal des Rathauses unterzeichneten die Geothermie-Gesellschaft Bruchsal GmbH und die Stadtwerke Bruchsal GmbH einen Wärmeliefervertrag, der künftig die Einspeisung von geothermischer Wärme in das Fernwärmenetz der Stadtwerke regelt.

Anwesend bei der Vertragsunterzeichnung waren Oberbürgermeister Sven Weigt in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke, Thomas Kölbel, Geschäftsführer der Geothermie-Gesellschaft Bruchsal, sowie Sebastian Haag, Geschäftsführer der Stadtwerke Bruchsal. Begleitet wurde der Termin unter anderem von Wolfram Münch, Aufsichtsratsvorsitzender der Geothermie-Gesellschaft und Leiter Forschung und Innovation der EnBW Energie Baden-Württemberg AG.

Ein Leuchtturmprojekt für Bruchsal

In seinem Grußwort betonte Oberbürgermeister Weigt die Bedeutung regenerativer Energien für die kommunale Entwicklung. Projekte wie das neue Heizwerk auf dem Geothermie-Gelände, Photovoltaikanlagen oder Windparks müssten ökologisch sinnvoll, wirtschaftlich tragfähig und sozial ausgewogen sein. Die Bruchsaler Geothermieanlage, die ursprünglich ausschließlich zur Stromerzeugung genutzt wurde, versorge seit 2019 bereits die Bereitschaftspolizei mit Wärme und werde zudem für Forschungszwecke zur Lithium-Gewinnung genutzt. Sie arbeite effizient und nahezu geräuschlos.

Bruchsal habe sich mit solchen Projekten nachhaltig als Innovationsstandort etabliert, so Weigt. Auf dem Geothermie-Gelände errichteten die Stadtwerke kürzlich einen großen Wärmepufferspeicher, während EnBW dort eine Brennstoffzellenanlage in Betrieb nahm.

Geothermie als Rückgrat der Fernwärme

Stadtwerke-Geschäftsführer Sebastian Haag stellte die langfristigen Ziele der „SWB Strategie 2045“ vor, die mit den größten Investitionen in der Unternehmensgeschichte verbunden ist. Ein Kernpunkt ist der Ausbau des Fernwärmenetzes in Bruchsal. Durch die Auskopplung der Geothermie-Wärme liegt der Anteil erneuerbarer Energien in der Fernwärme zunächst bei mindestens 60 Prozent und soll bis 2035 nahezu 100 Prozent erreichen.

Die Einspeisung von Geothermie-Wärme ins Fernwärmenetz der Stadtwerke ist bislang bundesweit ein Alleinstellungsmerkmal. Der nun geschlossene Vertrag sichert den Stadtwerken für zehn Jahre die exklusiven Vermarktungsrechte der Wärmelieferung. Dies schaffe ein stabiles Preissystem und ermögliche eine marktgerechte Versorgung der Bürgerinnen und Bürger, so Haag. Bereits zur Heizperiode 2026/2027 sollen die ersten Fernwärmekunden mit geothermischer Wärme versorgt werden.

Ausbau des Netzes läuft auf Hochtouren

Parallel treibt die SWB den Netzausbau weiter voran. Aktuell wird das Fernwärmenetz in der Südstadt erweitert. Am Siemenskreisel wurde bereits die Bahnlinie unterquert, am Zentralen Omnibusbahnhof sowie auf dem Gelände der ehemaligen Siemens-Siedlung sind vorbereitende Maßnahmen abgeschlossen. In den Jahren 2026 und 2027 soll der Ausbau unter anderem im Industriegebiet deutlich intensiviert werden.

Transparenz für die Bürgerschaft

Ein wichtiger Baustein des Projekts ist die Information der Bevölkerung. Auf der Website der Stadtwerke stehen umfassende Informationen zur Fernwärme, zu Vertragsabschlüssen sowie zum Energieleitplan der Stadt Bruchsal zur Verfügung. In künftigen Ausbaugebieten sind zudem Informationsveranstaltungen vor Ort geplant. Auch über soziale Medien wollen die Stadtwerke die Kommunikation weiter ausbauen.

Erfolgsmodell Geothermie

GeoB-Geschäftsführer Thomas Kölbel bezeichnete die Bruchsaler Geothermie-Anlage als Erfolgsmodell. Die beiden Bohrungen aus den 1980er-Jahren lieferten außerordentlich gute Ergebnisse. Die Fördermenge des Thermalwassers liege derzeit bei 28 Litern pro Sekunde und könne nach einem Pumpentausch auf bis zu 55 Liter pro Sekunde steigen. Aktuell stellt die Anlage 6 MW thermische Leistung bereit, perspektivisch sollen es 12 MW werden.

Im Fokus stehe die energetische Nutzung der Geothermie, ergänzend seien aber auch weitere Anwendungen denkbar, etwa die Gewinnung von Lithium. Die Stadtwerke stehen bereits mit privaten Haushalten, Wohnungsbaugesellschaften, Unternehmen und Industriebetrieben in engem Austausch, um den Anschluss an das Fernwärmenetz vorzubereiten.

Weitere Informationen zur Fernwärme in Bruchsal:

Übersichtsseite mit allgemeinen Informationen zur Fernwärme
Seite, über die ein fernwärmevertrag abgeschlossen werden kann
Energieleitplan der Stadt Bruchsal

ANZEIGE

Einmal News mit allem, bitte!

Landfunker Logo

Der Landfunker Regio-Newsletter – kommt immer freitags

*Bitte akzeptiere unsere Nutzungsbedingungen!
Nutzungsbedingungen

Bei Nichtgefallen mit 1-Klick abbestellen.

Siehe auch

100 Tage Oberbürgermeister: Sven Weigt zwischen Gegenwind und Aufbruch

Nach 18 Jahren als Bürgermeister von Karlsdorf-Neuthard übernahm Sven Weigt im Oktober 2025 das Amt …

Consent Management Platform von Real Cookie Banner