WILLI-Story | Saat-Sehr-Gut – In der Bruchsaler Bibliothek gibt es Frisches fürs ganze Jahr

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Wer das frischeste und gesündeste Gemüse der Welt haben möchte, der baut am besten selbst an. In das kommt dann alles rein, was man auch drin haben möchte: Bio-Dünger, kompostierte Erde, genau richtig viel Wasser, einiges an Liebe und – das perfekte Saatgut.

Worum geht es hier?
BruchsalWolfgang WeismannNutzpflanzenvielfaltKlimaresiliente GärtenSortenreinheitUrbanes Gärtnern
Saatgutbibliothek

Aus WILLI 03/26 Text: Wolfgang Weismann

Liebe und Erde sind manchmal schwer aufzutreiben, an das Saatgut zu kommen, ist jetzt in Brusl so easy wie Bücherleihen. Denn die Bibliothek Bruchsal „verleiht“ jetzt wieder Samen. Ganz vielfältig und ganz kostenlos. Da gibt es dann alles, was der Garten begehrt, Tomaten, Bohnen, Erbsen, Salat, auch Melden, die dann als Gemüse verwandt werden. Nur Kürbisse oder Zucchini gibt es nicht, denn diese verkreuzen sich leicht untereinander.

Samen leihen, ernten, zurückgeben.

Und das verrät auch schon das Geheimnis, das hinter der Saatgutbibliothek steckt: Es werden seltene Arten verteilt, deren Früchte gegessen, deren Samen aber auch wieder zurücksollen in die Bibliothek. Jeder Entleiher und jede Entleiherin wird darum gebeten, die Samen aus dem Gemüse zu sammeln und dann in entsprechend etikettierten Tütchen (diese gibt es natürlich direkt in der Bibliothek) dort wieder abzugeben. Diese sollen möglichst sortenrein sein, um die spezielle Art zu erhalten und es möglich zu machen, dass im nächsten Jahr das entsprechende Saatgut wieder ausgegeben werden kann.
Letztes Jahr haben 77 Menschen Saatgut in der Bruchsaler Bibliothek entliehen. Dieses kommt vom VEN, dem Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt, der seine Arbeit in einer Bibliothek in Schleswig-Holstein begonnen hat und inzwischen Kooperationen in der ganzen Republik hat. Der VEN versorgt die Leser- und Essschaft nicht nur mit den Samen, sondern auch mit allerlei Tipps rund um das Gemüse, wann man es am besten aussäht, in der Küche benutzt und in Form von Saatgut wieder in den ewigen Kreislauf der Schöpfung zurückführt.

Saatgutbibliothek: Auf Ilona Butterer geht die Initiative zurück.

 

Wer einen Bibliotheksausweis hat, der kann drei verschiedene Gemüsesorten, etwa eine Erbse, eine Tomate und eine Bohne kostenlos mitnehmen. Gleiche Gemüse, etwa zwei Tomatensorten sollten nicht ausgeliehen werden, im Sinne der Artenreinhaltung. Diese sollen sich nicht miteinander kreuzen, was ja leicht passieren kann. „Man kann es als Experiment sehen“, sagt die Initiatorin und Bibliotheks-Mitarbeiterin Ilona Butterer. Wenn es klappt, dann klappt es, und jeder, dem es klappt kann sich sehr freuen. „Im letzten Jahr haben wir 55 Gemüsepäckchen zurückbekommen“, da habe sie sich ebenfalls gefreut. Die Kontrolle, ob darin auch die richtigen Samen sind, fällt leicht: „Eine Erbse sieht ganz anders aus als ein Tomatensämling“.

Bettina Franke, 47 Jahre alt, hat seit einem Vierteljahrhundert einen Bibliotheksausweis. Normalerweise leiht sie Bücher aus, aber die Saatgutbib findet sie eine sehr gute Sache. Hier gibt es nämlich auch Blühpflanzen. Sie hat in den letzten Jahren beispielsweise den Oktobersonnenhut und die Färberkamille „ausgeliehen“, es ist alles was geworden, wobei der Sonnenhut erst im Folgejahr geblüht hat. Mit ihrem Nachbar pflanzt sie dann um die Wette, von Tomaten habe sie auch schon Sorten ausgetauscht. Diese verarbeitet sie dann zu Salat oder einer leckeren Spaghettisauce. „Man bekommt hier auch Sorten, die es im Gartencenter so nicht gibt.“ Dieses Jahr möchte sie für ihren Kater und ihre Katze die Katzenminze ausprobieren, die die beiden so gerne riechen.

Saatgut leihen: Bettina Franke macht mit.

Für die Bibliothek ist die Aktion auch eine Werbung in eigener Sache, einige seien durch sie auf die Bib aufmerksam und in ihr Mitglied geworden. Wer nicht kostenpflichtig in der Bib mitmachen möchte und trotzdem etwas anbauen, der kann sich den Gratis-Ausweis für das Saatgut holen. Für alle Interessierten gibt es einen Newsletter, direkt bei der Stadtbibliothek abonnierbar.

Am Do, den 5. März hält Michaela Senk von der Firma GartenSpielRaum Karlsruhe (die zu nachhaltigen Gartenbauprojekten berät), in der Bibliothek einen Vortrag über Klimaresiliente Gärten. Eine Gelegenheit, viel übers Gärtnern zu lernen und ihr eine Menge Löcher in den vielleicht schon ganz hungrigen Bauch zu fragen.

 

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