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RAINwurf 13 | Der 18. März als Gedenktag

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19.3.22 | Gastkommentar von Rainer Kaufmann

Das passte mal wieder wie die Faust aufs Auge.

Auf der Kinderseite BeNNi der Badischen Neuesten Nachrichten vom 18. März 2022 steht ein historischer Artikel über Kaiser Wilhelm, der „Kaiser wider Willen“, der an diesem Tag vor 225 Jahren geboren wurde, also am 18. März 1797. Und BeNNi hat über diesen „besonderen Mann“ für seine junge Leserschaft recherchiert und dabei immerhin herausgefunden, dass er sich mit den neuen Ideen seiner Zeit nicht so richtig anfreunden konnte, nach denen „damals viele Menschen auf mehr Rechte hofften“.

Die historische Botschaft von BeNNI: „Wilhelm dagegen war sehr konservativ und traditionell. Er hat Demokratie abgelehnt. Man kann sagen, er hat sie regelrecht verhindert“.

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Barrikadenkämpfe Berlin Alexanderplatz, 18.& 19. März 1848 (Quelle: Wikipedia)

Der 18. März 1848

 

Was wurde an diesem Tag für eine Riesen-Chance vertan, junge Menschen über die wechselvolle Freiheitsgeschichte der Deutschen zu informieren. Denn am 18. März müsste man eigentlich an ein anderes Jahr und ein anderes Geschehen erinnern können. Wikipedia schreibt dazu:

Der 18. März, an dem in Barrikadenkämpfen in Berlin hunderte Zivilisten ums Leben kamen, gilt als das bedeutendste Datum der Revolution von 1848, mit der freiheitliche und demokratische Traditionen in Deutschland begründet wurden.

Und hätte beim wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestages recherchiert, fände man folgenden Hintergrund zu diesem Tag in Berlin:

„In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es inspiriert von der Französischen Revolution und aufgrund von tiefgreifenden wirtschaftlichen Krisen, Massenarmut und wachsender politischer Unzufriedenheit in weiten Teilen Europas zu einer zunehmenden politischen Destabilisierung. Auch in den Staaten des Deutschen Bundes konnten die herrschenden Kräfte aus Adel, Beamtenschaft und Klerus nur mühsam die Bestrebungen nach Freiheit, Demokratie, besseren Lebensbedingungen und deutscher Einheit unterdrücken. Dennoch kam es am 18. März 1848 in Berlin zu heftigen Straßen- und Barrikadenkämpfen mit hunderten von Toten und über tausend Verletzten.“

Das Fazit: Der 18. März 1848 ist ein wichtiger Tag der deutschen Geschichte, auf den sich alle demokratisch gesinnten Menschen berufen können. Er war der Höhepunkt des Kampfes für ein freies parlamentarisches Leben und ist Symbol für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.“

Der Berliner Senat hat deshalb vor einem Jahr angeregt, den 18. März als einen bundesweiten Gedenktag zu erklären, als einen „Freudentag der Deutschen“. Denn:

„Wir müssen uns bewusst sein, dass unsere Demokratie nicht vom Himmel gefallen ist, sondern sie wurde erstritten und errungen.“

Und ausgerechnet in Baden erinnert man an diesem Tag des Jahres 2022 an die Geburt eines „besonderen Mannes“, nur weil der später einmal preußischer König (1861) und danach deutscher Kaiser (1871) werden sollte. Und das noch gegen seinen Willen. Das muss doch allen, die sich um unser heutiges Geschichtsbewusstsein kümmern, zu denken geben.

Berlin, „Der Platz des 18. März“ vor dem Brandenburger Tor

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Zu diesem Tag noch ein Gedicht des Heilbronner Literaten und Schriftstellers aus dieser Zeit, Ludwig Pfau, ein Mann, der als einer der Vor-Väter der heutigen FDP gilt:

 

Ludwig Pfau (Quelle Wikipedia)

Zum 18. März 1848

Vor dem Berliner Schlosse
 Ertönt ein Trauerlied.
 Da liegen viele Hundert Tote,
Sie liegen in Reih und Glied.
Und Leich` um Leiche tragen
 Die Bürger stumm heran,
Als wollten sie sagen: König!
Da sieh, was Du getan.

Da liegen sie, Mann und Knabe,
Starr mit zerfetztem Leib.
 Da kommen sie weinend und klagend,
Braut, Schwester, Bruder, Weib.
Da schauen Väter und Mütter
Die toten Söhne an-:
Herrgott! Und das hat ein König,
Ein deutscher König getan.

 

Über Rainer Kaufmann

Der gebürtige Bruchsaler Rainer Kaufmann ist Journalist, Gastronom, Gründer des 1. Bruchsaler Stadtkabaretts, war in den 90er Jahren Veranstalter von mehrtägigen Kulturevents im Schlachthof und im Atrium des Bürgerzentrums (auf eigene Rechnung!) und beschäftigt sich seit mehr als 40 Jahren mit der Geschichte seiner Heimatstadt – ob in TV-Dokumentationen, Büchern („Seilersbahn – ein Weg Geschichte“, „Elternstadt Bruchsal“), Theaterstücken („Unschädlichmachungen“), Kabarett-Aufführungen, Vorträgen oder als Stadtführer.

Landfunker nimmt das Angebot des oft unbequemen Rainer Kaufmann gerne an, in Form von Gastkommentaren seinen Leserinnen und Lesern eine andere Bruchsal-Perspektive zu bieten, die in der Regel jenseits der Selbstbelobigungen der Amtsblätter oder der Pressemitteilungen an die hiesigen Tageszeitungen und Internetportale liegt.

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