Landkreis Karlsruhe, 27. März 2026 | Der Stopp der Glasfaserprojekte durch die Deutsche Glasfaser sorgt für Kritik – Landrat Dr. Christoph Schnaudigel spricht von einem schweren Vertrauensverlust.
Der Plan war ambitioniert: Gemeinsam mit 28 Städten und Gemeinden wollte der Landkreis Karlsruhe den flächendeckenden Glasfaserausbau voranbringen – eigenwirtschaftlich, also ohne staatliche Fördermittel. Partner dabei war die Deutsche Glasfaser Holding GmbH. Doch nun ist dieses Vorhaben ins Stocken geraten.
Das Unternehmen hat angekündigt, die für 2026 geplanten Ausbauprojekte vorerst zu stoppen. Auch wenn von einem endgültigen Rückzug bislang nicht gesprochen wird, ist die Enttäuschung groß. Landrat Dr. Christoph Schnaudigel bezeichnet die Entscheidung als „schweren Rückschlag“ und spricht von einem Vertrauensbruch.
Vier Jahre Planung und Abstimmung stehen plötzlich infrage.
Seit 2022 hatten Landkreis, Kommunen und die Breitbandkabel Landkreis Karlsruhe (BLK) eng mit dem Unternehmen zusammengearbeitet. Ziel war ein einheitlicher Ausbau, bei dem bestehende Infrastruktur genutzt und Doppelstrukturen vermieden werden sollten. Noch im Sommer 2025 hatte die Deutsche Glasfaser konkrete Ausbaupläne bis 2028 vorgestellt.
Die aktuelle Entwicklung stellt diese Strategie grundlegend infrage. „Der Glaube an den eigenwirtschaftlichen Ausbau wurde massiv erschüttert“, so Schnaudigel. Auch die politische Ausrichtung, den Ausbau primär privaten Anbietern zu überlassen, sieht er kritisch. Die angestrebte flächendeckende Versorgung bis 2030 erscheine unter diesen Umständen kaum erreichbar.
Dabei sind erste Fortschritte sichtbar: In Kommunen wie Graben-Neudorf, Dettenheim, Hambrücken und Ubstadt-Weiher wurden bereits tausende Anschlüsse realisiert. Insgesamt sind rund 7.500 der geplanten 12.000 Hausanschlüsse in neun Kommunen gebaut. Diese Projekte sollen nach aktuellem Stand abgeschlossen werden.
Anders sieht es in Städten wie Karlsdorf-Neuthard, Bad Schönborn und Ettlingen aus: Hier war der Ausbau für 2026 vorgesehen und liegt nun auf Eis. Der Landkreis sucht gemeinsam mit der BLK nach Alternativen.
Der Glasfaserausbau im Landkreis zeigt sich zunehmend als komplexes Puzzle aus unterschiedlichen Strategien.
Ein Blick auf die Situation vor Ort verdeutlicht die Unterschiede: In Kraichtal ist zentrale Infrastruktur bereits vorhanden, während andernorts Projekte komplett neu gedacht werden müssen. Kommunen wie Karlsbad oder Oberderdingen setzen auf geförderte Lösungen, während Städte wie Stutensee, Waldbronn und Malsch verstärkt Kooperationen mit der Deutschen Telekom prüfen.
Auch andere Gemeinden, darunter Bruchsal, Waghäusel oder Östringen, hatten auf den eigenwirtschaftlichen Ausbau gesetzt, der nun ins Wanken gerät. Teilweise waren Ausbaupläne bis 2027 oder 2028 vorgesehen.
Parallel dazu wurden über Förderprogramme von Bund und Land bereits mehr als 5.000 Glasfaseranschlüsse im Landkreis realisiert – ein Baustein, der nun weiter an Bedeutung gewinnen dürfte.
Die kommenden Monate werden zeigen, welche Wege die Kommunen einschlagen, um die digitale Infrastruktur dennoch voranzubringen. Klar ist: Ohne neue Strategien wird das Ziel eines flächendeckenden Glasfasernetzes schwer zu erreichen sein.
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