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Etwa ein Zoll groß: Vespa velutina nigrithorax – Die Asiatische Hornisse Foto: Didier Descouens/wikipedia

Zollwefze im Anflug – kleiner Name, großes Problem

KARLSDORF-NEUTHARD, 15. APRIL 2026 | Beim zweiten Informationsabend zur Asiatischen Hornisse in der Bruchbühlhalle in Neuthard informierte Imker und Fachmann Armin Riffel über Ausbreitung, Risiken und konkrete Maßnahmen. Das Insekt breitet sich weiter bei uns aus – mit steigenden Fundzahlen und wachsendem Druck auf heimische Insektenbestände, das bestätigt auch die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW).

SIE kam um zu bleiben!

Was vor gut 20 Jahren mit einer Warenlieferung im französischen Bordeaux begann, ist längst in Baden-Württemberg angekommen: Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) hat sich fest etabliert – und breitet sich weiter aus.

2014 erstmals in Deutschland – zehn Jahre später zählt man hunderte Nester

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Während die Art in Deutschland ab 2014 zunächst nur vereinzelt auftauchte, registriert die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) seit 2022 einen deutlichen Anstieg. Inzwischen werden jedes Jahr Funde im dreistelligen Bereich gemeldet – Tendenz steigend. Besonders entlang der Rheinebene scheint sich die invasive Art wohlzufühlen.

Ein einzelnes Hornissenvolk erbeutet 8-20 Kilogramm Insekten pro Saison!

Und diese Entwicklung bleibt nicht ohne Folgen. Fachleute stufen die Art inzwischen als invasiv ein, mit spürbarem Einfluss auf heimische Ökosysteme. Ein einziges Volk kann im Laufe einer Saison mehrere Kilogramm Insektenbiomasse erbeuten – Tag für Tag gehen dabei mehrere hundert Tiere verloren.

Armin Riffel hatte zu seinem Vortrag ein gewaltiges Hornissennest zur Anschauung mitgebracht

Besonders im Fokus stehen Honig- und Wildbienen, Hummeln und Wespen. Vor Bienenstöcken gehen die Hornissen gezielt auf Jagd: Im sogenannten Schwebflug lauern sie heimkehrenden Arbeiterinnen auf und greifen sie direkt ab. Nach Einschätzung der LUBW und des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg bedeutet das vor allem eines: Stress für die Völker. Ein flächendeckendes Bienensterben ist zwar bislang nicht belegt – lokal kann die Belastung aber deutlich spürbar sein.

Armin Riffel informierte ausführlich über den schädlichen Eindringling und machte wenig Hoffnung auf eine Lösung des Problems

Ein einziges Nest kann im Herbst mehrere hundert Jungköniginnen hervorbringen.

Auch in Baden-Württemberg ist diese Entwicklung deutlich sichtbar. Während 2024 noch acht Nester gemeldet wurden, sind aktuell 16 bekannt. Bundesweit steigen die Zahlen seit Jahren kontinuierlich an, was auf die hohe Anpassungsfähigkeit und Reproduktionsrate der Art hinweist. Fachleute gehen davon aus, dass aus einem bestehenden Nest im Folgejahr mehrere neue Kolonien entstehen können.

Der Lebenszyklus beginnt im Frühjahr mit einem sogenannten Primärnest, das von einer einzelnen Jungkönigin gegründet wird. Dieses ist zunächst klein, etwa tennisballgroß, und wird später verlassen. Anschließend entsteht ein deutlich größeres Sekundärnest, das einen Durchmesser von bis zu einem Meter erreichen kann und häufig in Baumkronen oder an Gebäuden zu finden ist.

Für den Nestbau benötigen die Tiere Wasser und morsches Holz, das sie zu einer papierartigen Masse verarbeiten. Diese Struktur ist leicht, stabil und über Monate haltbar. Ein wesentlicher Grund für die schnelle Ausbreitung ist das Fehlen natürlicher Feinde!

Keine Primärnester bedeutet auch keine Sekundärnester

Ein zentraler Punkt des Informationsabends war die Bedeutung der Früherkennung. Sichtungen von Nestern sollten grundsätzlich gemeldet werden, um eine verlässliche Datengrundlage zu schaffen und gezielte Maßnahmen zu ermöglichen.

Primärnester können in einem sehr frühen Stadium unter bestimmten Voraussetzungen selbst entfernt werden. Dabei wird das Nest, sofern sich die Königin darin befindet, mit einem verschließbaren Gefäß abgedeckt und anschließend mehrere Tage eingefroren.

Sekundärnester hingegen müssen von Fachpersonal entfernt werden, da sie oft schwer zugänglich sind und spezielle Verfahren wie der Einsatz von heißem Wasserdampf erfordern.

Droht Lebensgefahr nach einem oder mehreren Stichen?

Die Gefährlichkeit eines Stichs entspricht grundsätzlich der heimischer Wespen- oder Bienenarten. Medizinisch relevant sind vor allem allergische Reaktionen. Symptome wie Atemnot, Schwindel, Taubheitsgefühle oder Bewusstseinseintrübung erfordern eine sofortige ärztliche Abklärung.

Im Fall eines Stichs ist es wichtig, ruhig zu bleiben und sich vom Nestbereich zu entfernen. Die Tiere greifen in der Regel nur an, wenn sie sich bedroht fühlen, insbesondere im direkten Umfeld ihres Nestes. Zur Linderung kann ein Stichheiler eingesetzt werden, dessen Wärme die injizierten Eiweißstoffe verändert. Ergänzend wird Kühlung empfohlen.

Ist der Stich giftiger als bei heimischen Hornissen?

Auffällig ist der etwas längere Stachel der Asiatischen Hornisse, der tiefer in die Haut eindringen kann und dadurch stärkere lokale Reaktionen verursacht. Das Gift selbst ist jedoch nicht aggressiver als das, heimischer Arten.

Kontrolle – aber mit Vorsicht!

Besonders im Frühjahr empfiehlt es sich, mögliche Nistplätze im eigenen Umfeld zu kontrollieren. Dazu zählen Gartenhäuser, Dachvorsprünge, Hecken, Komposthaufen oder verlassene Vogelhäuschen. Viele Primärnester befinden sich in niedriger Höhe und können so frühzeitig entdeckt werden.

Information und Mithilfe!

Der Informationsabend machte deutlich, dass sich die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse nicht mehr verhindern lässt, wohl aber verlangsamen. Aufmerksamkeit, frühes Eingreifen und die Weitergabe von Informationen spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Ein wichtiger Hinweis zum Schluss: Viele Insekten, darunter auch die einheimischen Hornissen stehen unter Naturschutz, deshalb sind Hornissenfallen verboten, weil sie wahllos wirken und damit erheblichen Schaden an der gesamten Insektenwelt anrichten können – nicht nur an Asiatischen Hornissen.

Die Asistische Hornisse wird bleiben

Die Asiatische Hornisse ist nach wie vor eine invasive Art, wird in Deutschland seit März 2025 jedoch als etabliert und weit verbreitet eingestuft. Ihre Ausbreitung hat ein Ausmaß erreicht, das eine vollständige Bekämpfung unrealistisch macht. Entsprechend hat sich der Umgang verändert: An die Stelle der flächendeckenden Beseitigung ist ein gezieltes Management getreten, bei dem Eingriffe nur noch im Einzelfall erfolgen.

Der Beitrag wurde geringfügig aktualisiert.
Text und Bilder: Petra Besenfelder/Landfunker.de

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