WILLI-Reportage | Alter Wein in neuen Schläuchen? oder Wirklich alles neu bei der Badischen Landesbühne?

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Wenn eine Frau einen neuen Lebensabschnitt beginnt, legt sie sich meist eine neue Frisur zu. Wenn die Badische Landesbühne Bruchsal in eine neue Ära startet, merkt man das ebenfalls zuerst an Äußerlichkeiten, nämlich an einem neuen Markenauftritt – die Werbefachleute sprechen von einer neuen Corporate Identity.

Das konnte man bei der jüngsten Pressekonferenz im Hexagon, dem kleinen Theatersaal im Bürgerzentrum Bruchsal feststellen. Schon beim Betreten des Raumes wurde man vom neuen Logo empfangen: auf eine große Leinwand hatte man die Zeichen „\ „ und „Ü“ auf einen pinken Hintergrund projiziert.

„Man wird in Zukunft nicht mehr von der BLB sprechen, sondern von der >Badischen Landesbühne<“, sagte dazu Wolf E. Rahlfs, der designierte neue Intendant des Theaters und erklärte, dass der Schrägstrich „\“ an den roten Balken auf gelbem Grund im badischen Wappen erinnern soll.

Das „Ü“ stehe für „Bühne“ und solle an eine lachende Theatermaske erinnern. So viel zur „neuen Frisur“ des Theaters. Damit ist schon ein Pflock eingerammt: Das Wort „Bruchsal“ fällt aus dem Namen raus – und wird auf jedem Programmheft durch den Namen von einem der 16 Spielorte ersetzt.

Junges Theater: Rishi – Jugendstück nach einer wahren Geschichte von Kees Roorda.

 

Gleich danach ging es aber um das Wesentliche: der neue Intendant, der neue Spielplan, die neuen Ziele für neue Publikumsschichten, das neue Leitungsteam, das neue Ensemble und neue Spielräume für Aufführungen.

Der neue Intendant

Wolf E. Rahlfs ist zwar als Intendant neu an der Landesbühne, als Regisseur hat er schon vor 20 Jahren in Bruchsal gearbeitet. Nach Jahren als freischaffender Schauspieler leitete er seit der Spielzeit 2018/19 als geschäftsführender Intendant das Theater der Altmark in Stendal. Sein Credo fasste er so zusammen: „Wir sind ein Theater, das im Gestalten von künstlerischer Begegnung Verantwortung für unser gesellschaftliches Miteinander übernimmt.“

Der neue Spielplan

Rahlfs geht davon aus, dass die Abonennten nach wie vor „die Basis“ der Besucher bleiben. Aber, „Das klassische Bildungsbürgertum, das schon Monate im Voraus weiß, welches Theaterstück es an welchem Tag sehen will, ist in die Jahre gekommen.“ Deswegen sieht er für das Theater die Aufgabe, neue Publikumsschichten zu erschließen, durch Stücke, die aktuelle Probleme zum Thema haben, die beispielsweise Vielfalt bzw Diversität und Inklusion abbilden.

Um Menschen anzusprechen, die aus anderen Kulturen kommen, werde es zukünftig auf der Homepage für jedes Stück eine kurze Zusammenfassung des Inhalts in englischer Sprache geben.

Für Menschen mit Behinderungen soll ein neuer Weg eingeschlagen werden: In zwei Stücken pro Spielzeit werden jeweils zwei Personen auf der Bühne stehen, die den Text in Gebärdensprache übertragen.

Das neue Leitungsteam

Chefdramaturg ist André Becker. Er kommt wie Petra Jenni, seine Vorgängerin, aus der Schweiz. Die Leitung des Jungen Theaters wurde Gina Jasmina Wannenwetsch übertragen. Aus der alten Riege ist nur Dramaturgin Fränzi Spengler dabei.

Neue Spielzeit: Woyzeck – ein Musical nach dem Stück von Georg Büchner.

Das neue Ensemble

„Wir haben insgesamt 16 Planstellen für Schauspieler. Das Kernensemble erhalten wir, zwei Drittel sind neu“, sagte Rahlfs. Erstmals werden von allen Schauspielern, egal ob neu oder schon länger im Ensemble, Fotos im Foyer des Theaters und in einer Ausstellung in der Sparkasse ausgestellt. Fotograf ist Manuel Wagner, auch ein Neuzugang bei der Landesbühne.

Neue Spielstätten

„Wir wollen raus zu den Menschen gehen.“, sagt Rahlfs und nennt beispielsweise Kirchen als Aufführungsräume für das Stück „Judas“ von Lot Vekemans oder auch Fußballstadien.

Neues Großprojekt

Die Badische Landesbühne wird am ersten Mai-Wochenende 2024 einer von fünf Austragungsorten der 20. Landesbühnentage sein.

Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass in der neuen Ära all diese Ankündigungen umgesetzt werde können und dass dem Publikum nicht alter Wein in neuen Schläuchen serviert wird. Toi, toi, toi!

Weitere Informationen

www.dieblb.de

Text: Margrit Csiky, Bilder: Manuel Wagner

Aus RegioMagazin WILLI 07/2023

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