BRUCHSAL, 10. April 2026 | „Was wollt ihr denn noch alles?“ ist der Titel des Buches, das Alexandra Zykunov am 16.04.26 im Exiltheater Bruchsal um 19h vorstellt und daraus liest. Die Bestsellerautorin, Spiegelkolummnistin, Feministin und Co-Redaktionsleiterin der Brigitte BE GREENAlexandra Zykunov kommt zu einer Lesung am 16.04.26 zum ersten Mal nach Bruchsal. Wir haben der Autorin vorab drei Fragen gestellt. Wer die Autorin live erleben möchte, kann die Veranstaltung am 16.04.26 um 19h besuchen.
Die Fragen stellt Hubert Hieke:
In Ihrem letzten Buch deuten Sie an, dass der Kampf um Gleichberechtigung der Frauen noch lange nicht vorbei sei. Wurde in den letzten 50 Jahren nichts erreicht?
Doch, natürlich wurde viel erreicht, aber eben noch nicht genug. Ziel ist volle Gleichberechtigung, nicht nur eine Art Teil-Gleichberechtigung. Beim Marathon würde man ja auch niemandem sagen, er solle aufhören, nur weil er schon ein ganz schön großes Stück vorwärts gekommen ist. Genau so ist es bei der Gleichberechtigung: Man darf Aktivist*innen nicht stoppen, bevor das Ziel erreicht ist. Auch 2026 gibt es noch unzählige Gender Gaps — vom Pay Gap über Care Gap und Stress Gap bis zu Health Gap, Pension oder Trust Gap. Und diese Ungleichheiten treffen migrantische Frauen, Schwarze Frauen und Women of Color oft noch stärker. Das Ziel ist also weiterhin nicht erreicht.
Feministinnen wie Alice Schwarzer sehen in den letzten Jahren Rückschritte im Kampf um Gleichberechtigung. Ist es für Sie ein Ausdruck kultureller Vielfalt, wenn, wie auch in Bruchsal, manche Frauen vollverschleiert im Niqab und meist nur im Beisein eines Mannes im öffentlichen Raum erkennbar sind?
Patriarchale Gewalt ist immer schlimm – egal aus welcher Kultur, Religion oder Herkunft sie kommt. Die Debatte aber nur auf Kopftuch oder Niqab zu verengen, ist eine typische Ablenkung konservativer bis rechter Gruppen. Dann wird Gewalt gegen Frauen „importiert“ genannt, statt die patriarchalen Strukturen hierzulande zu sehen. Derselbe Mechanismus greift, wenn etwa auf die knapp 800 Gruppenvergewaltigungen jedes Jahr gelenkt wird – eine unfassbare und unerträgliche Zahl, alles richtig – aber von den anderen knapp 128.000 Sexualstraftaten, die auch jährlich in Deutschland passieren, spricht niemand. Dabei haben bei diesen 128.000 Sexualstraftaten die Tatverdächtigen laut BKA zu mehr als Zwei Dritteln eine Deutsche Staatsangehörigkeit. Heißt: Das Problem ist nicht die Kleiderwahl von Frauen, sondern die Gewalt von Männern — egal welcher Herkunft.
Was muss erreicht werden, damit Frauen in fünfzig Jahren gleichberechtigt sind?
Da ist noch extrem viel zu tun. Aktuell sehe ich zwei zentrale Hebel: Erstens muss Gewalt gegen Frauen viel härter bekämpft werden — mit verpflichtenden Schulungen zu Sexualstrafrecht und Familienrecht in Gerichten, Staatsanwaltschaften, Jugendämtern und bei der Polizei; und gleichzeitig massive Investitionen in Prävention, Täterarbeit und Frauenhäuser, die auch trans Frauen und geflüchtete Frauen aufnehmen. Zweitens braucht es Reformen, die Männer stärker in Care-Arbeit bringen: mehr Elterngeld und Vätermonate, die Abschaffung des Ehegattensplittings und massive steuerliche Entlastungen für Alleinerziehende, damit sie sich einfacher aus (gewaltvollen) Ehen befreien können. Dann wären wir schon viel weiter.
Zykunov liest aus ihrem aktuellen Buch „Was wollt ihr denn noch alles?!“– eine schonungslose Abrechnung mit den Absurditäten der angeblichen Gleichberechtigung. Mit scharfem Witz und fundierten Recherchen deckt Zykunov auf, wo Frauen im Alltag benachteiligt werden: von Algorithmen, die Frauen kleinere Kredite gewähren, bis zu Gesetzen, die Väter bei der Kinderbetreuung behindern, aber auch was feministische Stadtplanung bedeutet. Ihr Buch ist ein Plädoyer für echte Gleichberechtigung und zeigt: Der Kampf ist noch lange nicht vorbei. Alexandra Zykunov, geboren 1985, ist eine der prägendsten feministischen Stimmen der Gegenwart. Ihre Texte erscheinen u.a. in BRIGITTE, Britgitte MOM, Geo, Eltern, Spiegel Online und WELT. Mit ihrem Instagram-Account @alexandra__z erreicht sie eine breite Leserschaft. Sie lebt mit ihrer Familie in Hamburg. Die Lesung wird gemeinsam von Brusl Pride und dem AWO Kreisverband Karlsruhe-Land e.V. veranstaltet. Der Eintritt beträgt 15 Euro zzgl. VVK-Gebühr. Tickets sind im H 7 in der Hoheneggerstraße erhältlich oder per Mail unter alexandra.nohl@bruchsal.digital Foto: Hans Scherhaufer Veranstaltungsort
Exil Theater, Am Alten Güterbahnhof 12, Bruchsal
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