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BRUCHSAL | Städtische Angestellte als Nutznießer des Schlossfestivals – oder doch nur Lückenbüßer?

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23.7.22 | Ein Landfunker-Kommentar

Wie gut die Vorbereitungen und insbesondere der Vorverkauf für das nächste Woche beginnende Schlossfestival, das vermeintliche Highlight des Bruchsaler Sommers laufen, kann man inzwischen fast täglich nachlesen. Nicht einmal das in Karlsruhe stattfindende Fest findet lokal einen derartigen Medienanklang.

Buenos Aires, Rio de Janeiro, Bruchsal.

Nicht zu vergessen sind auch die unablässigen Bemühungen seitens der Bruchsaler Tourismus, Marketing & Veranstaltungs-GmbH (BTMV). Im Radio, in Interviews, mit Infomercials und Sonderbeilagen in der Tagespresse geht man noch einmal in die Vollen, damit ja alle im Landkreis und in Nordbaden endlich begreifen, dass Bruchsal grandioses bevorsteht. Der Chef der BTMV, Frank Kowalski, unermüdlich die Werbetrommel rührend, gibt sogar Einblicke in die Tourneepläne mancher Künstler. Einer davon liest sich: Buenos Aires, Rio de Janeiro, Bruchsal. Wow!

Die Hälfte der Tickets sind verkauft

Allein: Weshalb um alles in der Welt liegen denn dann noch immer Eintrittskarten für die Veranstaltungen teilweise wie Blei in den Regalen? Wie kann es sein, dass der Vorverkauf im Vergleich zu Weltstädten eher schleppend verläuft? Unbegreiflich…! Ob schon oder erst die Hälfte der Tickets bisher unter die Leute gebracht wurde, darüber lässt sich trefflich streiten. Was sich aber herauskristallisiert: Die BTMV traut ihren eigenen Schönwetter-Prognosen immer weniger.

Städtische Angestellte = Lückenbüßer?

Denn wie könnte es sonst sein, dass die Bruchsaler Verwaltung quasi ad hoc eine Vorlage aus dem Hut gezaubert hat, über die der Bruchsaler Gemeinderat am kommenden Dienstag entscheiden darf: Sollen für die Veranstaltung „German Brass“ am 2. August, die Mitarbeiter der Stadt Bruchsal (laut Vorlage betrifft dies bis zu 738 Personen) mit kostenlosen Eintrittskarten beglückt werden dürfen? Wenn es nach der Verwaltungsspitze geht, eindeutig ja!

Dabei hat man folgenden Deal vorbereitet: Die Stadt selbst zahlt für Karten, die Bruchsaler Bürger zum regulären Preis von €39.90 an der BTMV-Theke erwerben müssen, den Vorzugspreis von €20.00. Diese gibt die Stadt dann kostenlos an ihre eigenen Mitarbeiter weiter. Wobei man davon ausgeht, dass nicht alle Bediensteten zugreifen; offensichtlich auch deshalb, weil man nicht erwartet, dass Beschäftigte gar ihre Urlaubspläne ändern werden (wie wahr!). Möglicherweise entstehende Steuerbelastungen für Mitarbeiter (geldwerte Sachleistungen) werden ebenfalls durch die Stadt pauschal abgegolten; die Tickets sind für die Beschäftigten daher de facto gratis!

Längere Debatten sind wohl nicht zu erwarten

Ob diese Eintrittskarten gar auch übertragbar sind, dazu ist (überraschenderweise…) in der Vorlage nichts zu finden. Auch bleibt unklar, weshalb diese Regelung allein für die Veranstaltung am 2. August Gültigkeit besitzt. Die Gemeinderatssitzung wird dazu sicherlich Klarheit bringen. Wobei allerdings keine längeren Debatten zu erwarten sind. Die Abstimmung wurde als letzter Tagesordnungspunkt angesetzt; vielleicht deshalb, weil erfahrungsgemäß die Diskussionsfreudigkeit seitens der Ratsmitglieder nach vier oder mehr Stunden weitgehend erlahmt.

Übrigens: Ungesicherten Informationen zufolge sollen alle Gemeinderatsmitglieder sowie sämtliche Bürger, die am Dienstag bis zum Tagesordnungspunkt 21 als Zuhörer der Gemeinderatsitzung durchhalten, ebenfalls mit einer Eintrittskarte bedacht werden! Sicherlich garantiert dies einen vollen Sitzungssaal…

Ein Landfunker-Kommentar von Hubert Hieke, Bruchsal

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10 Feedback

  1. Danke Herr Hieke für diesen richtigen und guten Kommentar.

    Als ich das erste Mal von dieser städtischen Aktion hörte, konnte ich dies zunächst nicht glauben und beim nächsten Überdenken bin ich über die enorme Zahl von 738 städtischen Mitarbeitern gestolpert.

    Ich weiß nicht, wie der Kartenvorverkauf läuft, auf jeden Fall sind bei Eintrittspreisen von im unteren Bereich 50 Euro je Eintrittskarte all die Menschen ausgeschlossen, die nicht so viel Geld haben und heute
    schon über die Höhe ihrer nächsten Miet-Nebenkostenabrechnung bangen.

    Vergegenwärtigen wir uns. Dieses Event, das von der Gemeinderatsfraktion der SPD mit dem Ausruf „Glanz und Gloria für Bruchsal“ begrüßt wurde (die meisten Mitglieder dieser Fraktion sind gut versorgte Beamte), wurde mit Steuermitteln in Höhe von 1,6 Millionen durch den Gemeinderat finanziell abgesichert. Sollte tatsächlich ein Zuschussbedarf bestehen, dann ist die Stadtverwaltung, die den Antrag auf Absicherung in den Gemeinderat brachte, den Bruchsalerinnen und Bruchsaler voll rechenschaftspflichtig. Auf Heller und Pfennig. Jeder Cent, der in dieses sog. Event geht, fehlt an anderer Stelle in der Stadtkasse.

    Übrigens. Das Konzert mit dem südafrikanischen Star-Violinisten Daniel Hope kostet in Bruchsal auf dem billigsten Platz knapp unter 50 Euro bis dann 70 Euro. Das VIP-Ticket für beispielsweise Gemeinderätinnen und Gemeinderäte ist für 225 Euro erhältlich. Nur wenige Tage später spielt Hope anlässlich der Mecklenburg-Vorpommernschen Festspiele in Anklam. Ticketpreise: 30 und 40 und 50 Euro.

    Um aber nochmals auf soziale Aspekte zurück zu kommen. Es gibt viele Menschen in unserer Stadtgesellschaft, die abgehängt sind. Hartz4-Empfängerinnen und -Empfänger, Alleinerziehende, sogar Rentnerinnen und Rentner. Wäre es da eigentlich nicht ein Beweis von Menschlichkeit und Mitgefühl gewesen, wenn die Bruchsaler städtische Beamten- und Angestelltenschaft nicht an sich, sondern an diese Leute gedacht hätte? Einfach mal 300 Karten zu je 20 Euro für diese Menschen reservieren (Mitteleinsatz 6.000 Euro) und beispielsweise im Rahmen einer Verlosung nicht denen zu kommen lassen, die als öffentlich Bedienstete eh gut ausgestattet sind – sondern denen, die sich mit ihrem kleinen Geld so eine Veranstaltung nicht leisten können …

    • Sind die Tickets in Anklam vielleicht subventioniert?
      Welches Geld fehlt dann jetzt dort woanders?
      Und darüber hinaus: Bestimmt nicht alle Bediensteten der Stadtverwaltung Bruchsal sind vom Verdienst her gut ausgestattet.

  2. Ich nehme halt Anstoß daran, dass der Stadtverwaltung (anscheinend ohne Rückfrage) unterstellt wird, unredlich zu handeln.

    Wäre es nicht anständig und mutig, zuerst mal mit jemand Verantwortlichem aus der Verwaltung Rücksprache zu halten?

    Die relative Anonymität des Internets für hemmungslose Angriffe zu nutzen, halte ich nicht für wirklich vorbildlich. Und wenn der gesellschaftliche Nachwuchs sich das als Vorbild nimmt, wird ganz überrascht darüber geklagt. Geht’s noch???

    • So wie ich das lese, ist es die Idee, die in der Beschlussvorlage der Stadtverwaltung oder Stadtpolitik an den Gemeinderat zur Abstimmung vorgelegt wird Grund des Anstoßes ist. Das alleine finde ich schon abenteuerlich, selbst wenn der Gemeinderat diesem Vorschlag nicht zustimmen sollte. Wenn doch brauche ich keine Fragen mehr, das wäre Antwort genug. Aber ja, Sie haben recht, man kann nur hoffen, dass der gesellschaftliche Nachwuchs sich das Verhalten der Verwaltung nicht zum Vorbild nimmt, dann braucht er auch keine Anonymität um seiner Meinung Ausdruck zu verleihen. ZDas wären die berühmten zwei Fliegen mit der einen Klatsche.

  3. Man kann ja verschenken, wenn man freie Plätze hat. Schon alleine, weil auch die Künstler ein volles Haus lieben. Dass man aber auf keine andere Idee als Städtische Mitarbeiter kommt…
    Wie wäre es mit Geflüchteten, Pflegekräften, Feuerwehr, Polizei, also diejenigen, denen man viel abverlangt? Mitbürger, die sich diese Karten nicht leisten können oder wollen aber deren Verständnis für Kultur und Kunst ausgeprägt ist und die gerne kommen würden?

  4. Für die Idee, den MitarbeiterInnen der Stadtverwaltung auch mal ein „Dankeschön“ über herzliche Worte hinaus zukommen zu lassen, bleibt bei den Betrachtungen tatsächlich kein Raum?
    Wie weit haben wir es auf der aktiven Suche nach miesen Nachrichten gebracht?
    Eine soziale und freundliche Betrachtung der Geschehnisse darf wohl überhaupt nicht in Frage kommen. Hauptsache: Aufregen. Klasse!

    • Gegen ein ehrliches Dankeschön an Mitarbeiter wäre ja grundsätzlich nichts zu sagen. Da hier aber der Eindruck entsteht, dass Art und Zeitpunkt des „Dankeschöns“ eher darin motiviert ist, einen Flop zu kaschieren und für volle Reihen beim Festival zu sorgen, bleibt verständlicher Weise ein schaler Beigeschmack.

  5. Offensichtlich reichte der administrative Druck auf die Mitarbeiter alleine nicht aus, sie zum Kartenkauf zu bewegen, was an anderer Stelle nach überlieferter Info erfolgreicher war. So sollen Mitglieder einiger sogenannter Serviceclubs „bei der Ehre“ gepackt worden sein um neben der Karte auch gleich den VIP-Zuschlag fürs Dinner zu buchen. Bleibt nur zu hoffen, dass man dort wenigstens gezahlt hat.

  6. Das glaube ich nicht: Die Stadt kauft Karten zum Vorzugspreis von seiner Städtischen Tochter BTMV und die verschenkt sie an die Städtischen Mitarbeiter. Der Bürger zahlt den Verlust durch den Rabatt beim Verkauf an die Stadt und zahlt dann noch das Geschenk der Stadt an die Städtischen Mitarbeiter? Am Ende zahlt die Stadt auch noch die erhöhte Steuerlast für den „Geldwerten Vorteil“, der durch das Geschenk ausgelöst wird?! Nein, das glaube ich nicht. So dreist ist niemand.

  7. So groß mein Verständnis ist, dass alle Register gezogen werden, dass das „Epochale Ereignis“ ausverkauft sein MUSS, so gering mein Verständnis, dass dafür die Städtischen Mitarbeiter Kartengeschenke bekommen sollen. Als Städtischer Mitarbeiter wäre mir peinlich, wenn ich mich als Lückenbüßer und Zwangsbesucher mit freiem Entritt in der Zeitung abgebildet sehen müsste, verbunden mit dem Makel nur wegen des fürstlichen Geschenks nebst Kostenübernahme der Steuer für den Geldwerten Vorteil dabei gewesen zu sein.

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