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Rückzug der Deutschen Glasfaser erschüttert Ausbaupläne im Kreis. Landrat fordert Hilfe vom Bund

KREIS KARLSRUHE, 31. MÄRZ 2026 | Der angekündigte Glasfaserausbau im Landkreis Karlsruhe steht vor erheblichen Problemen. Die Deutsche Glasfaser Holding GmbH hat Projekte gestoppt, die ursprünglich bis 2026 umgesetzt werden sollten – trotz bestehender Vereinbarungen mit 28 Kommunen (wir berichteten). Landrat Dr. Christoph Schnaudigel spricht von einem Vertrauensbruch und hat sich in einem Schreiben an Bundes-Digitalminister Dr. Karsten Wildberger gewandt. Er fordert vom Bund schnellen Zugang zu Förderprogrammen. 

Ohne Förderanpassungen sei Ausbauziel bis 2030 nicht mehr zu erreichen

Der Landkreis fordert, den Zugang zu Bundesförderprogrammen kurzfristig zu öffnen. Hintergrund: Für rund 98 Prozent der Region sei bislang ein eigenwirtschaftlicher Ausbau angenommen worden – eine Einschätzung, die sich nun als unrealistisch erweisen könnte. Viele Kommunen gelten daher formal als nicht förderfähig, obwohl der Ausbau nun ausbleibt.

Schnaudigel kritisiert, die aktuellen Marktbedingungen würden die Realität nicht mehr abbilden und könnten den Ausbau zusätzlich behindern. Ohne Anpassungen sei das Ziel eines flächendeckenden Glasfasernetzes bis 2030 möglicherweise nicht zu erreichen.

Bestehende Förderbescheide könnten ausgeweitet werden

Der Landrat schlägt vor, bestehende Förderbescheide auf jene Gebiete auszuweiten, die ursprünglich eigenwirtschaftlich erschlossen werden sollten. So könnten entstandene Versorgungslücken zumindest teilweise geschlossen werden.

Der Landkreis Karlsruhe zähle mit rund 450.000 Einwohnern zu den größten Kreisen Deutschlands, der Großraum Karlsruhe sogar bis zu einer Million. Eine leistungsfähige Glasfaserinfrastruktur sieht er als zentrale Voraussetzung für die wirtschaftliche Entwicklung der Region. In den vergangenen Jahren wurden rund 123 Millionen Euro Fördermittel eingesetzt, etwa 450 Kilometer Backbone-Trassen gebaut und Tausende Anschlüsse realisiert.

19 Kommunen besonders betroffen

Seit 2023 hatte die Deutsche Glasfaser Holding GmbH erste Projekte begonnen, neun Kommunen befinden sich im Ausbau oder sind bereits angeschlossen. Für weitere Städte und Gemeinden waren Zeitpläne bestätigt worden. Der Rückzug des Unternehmens führt nun dazu, dass in 19 von 28 Kommunen vorerst kein flächendeckender Ausbau zu erwarten ist. Die Entwicklung zeigt, wie stark kommunale Infrastrukturprojekte von privaten Investoren abhängen – und welche Folgen ein Rückzug für ganze Regionen haben kann.

Gemeinsam mit der BLK (Breitbandkabel Landkreis Karlsruhe) will der Landkreis nun Alternativen prüfen. Betroffen könnten unter anderem Karlsdorf-Neuthard, Bad Schönborn und Ettlingen sein. Lösungen für 2026 würden derzeit vorbereitet.

LANDFUNKER-KOMMENTAR

Warum habt ihr nicht mitgemacht?

Und gleich die Anschlussfrage, die weh tut: Warum haben es manche Orte hinbekommen – und andere hängen heute noch am Tropf von gestern?

Die einfache Ausrede wäre: Politik. Die da oben. Planung. Bürokratie. Klar, spielt alles eine Rolle. Aber das erklärt nicht, warum zwei Nachbarorte völlig unterschiedlich dastehen. Gleiche Region, gleiche Anbieter, gleiche Angebote – und trotzdem: hier Glasfaser, dort Funklöcher mit schönem Namen.

Der Unterschied sitzt oft nicht im Rathaus, sondern am Küchen- oder Stammtisch.

Da, wo entschieden wird: „Ich brauch das nicht, für das bissle E-Mail.“
Da, wo der Nachbar sagt: „Ich mach das nicht, ich trau dem Laden nicht.“
Da, wo irgendein selbst ernannter Technik-Guru erklärt, warum das alles Quatsch ist – während er gleichzeitig über sein ruckelndes WLAN flucht.

Das ist kein Strukturproblem mehr. Über 60 % sagen: brauch ich nicht. Aber Glasfaser ist kein Netflix-Abo. Das ist Grundversorgung. Zukunftskabel. Und vor allem: ein Gemeinschaftsprojekt. Dieses Modell mit den Quoten – 33, 35, manchmal 40 % – ist kein Trick. Das ist die einzige Möglichkeit, so etwas wirtschaftlich überhaupt hinzubekommen. Wenn die Leute nicht mitziehen, passiert nichts. Punkt.

Und vielleicht ist das in vielen Orten passiert. Zu viel Misstrauen. Zu viel „erstmal schauen“. Zu viel „die wollen uns doch nur was andrehen“. Und während man noch diskutiert hat, ob das alles seriös ist, haben andere längst unterschrieben – und jetzt liegt bei denen Glasfaser im Boden.

Das ist der Unterschied.

Natürlich kann man auf die Anbieter zeigen. Die Deutsche Glasfaser hat Projekte gestoppt, weil sie sich nicht mehr gerechnet haben. Baukosten durch die Decke, Zinsen hoch, Nachfrage zu niedrig. Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter. Kein Geheimnis, keine Verschwörung – schlicht ein Geschäftsmodell, das kippt, wenn zu viele sagen: „Ich nicht. Erstmal.“

Und die Politik? Die kann man immer kritisieren. Aber im Landkreis Karlsruhe hat man schon früh verstanden, dass man Druck aufbauen muss, sonst passiert nicht genug. Mit der Breitbandkabel Landkreis Karlsruhe (BLK, ein Zusammenschluss zwischen dem Landkreis und den meisten Stadtwerken der Region) wurden schon 2014 Strukturen geschaffen, weil man gemerkt hat, dass die Platzhirsche sich erstmal die „Sahnestückchen“ rausgesucht hatten. Die BLK hat den Struktur-Ausbau selbst in die Hand genommen und Tempo gemacht – und plötzlich wurden auch die großen Anbieter wieder nervös und der Markt begann sich zu bewegen, die großen wollten wieder mitmischen. Pech, dass die Deutsche Glasfaser dabei wohl aus Gründen auf der Strecke blieb.

Das Beispiel BLK zeigt: Die Politik kann anschieben. Aber Leute: Ihr müsst halt unterschreiben, auch wenn ihr mal nicht das Optimale für euch rausholen könnt! Denn der Glasfaserausbau ist ein Gemeinschafts- und Zukunftsprojekt! Und wenn die Mehrheit sich wegduckt, dann bleibt am Ende nur ein teures Loch im Boden – oder eben gar keins. Warum klappt es im einen Ort – und im nächsten nicht? Nicht, weil die einen schlauer sind. Sondern weil sie sich entschieden haben. Und die anderen nicht oder zu spät.

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