KARLSRUHE, 2. FEBRUAR 2026 | Psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen nehmen im Stadt- und Landkreis Karlsruhe deutlich zu. Die AOK Mittlerer Oberrhein reagiert mit einem kostenfreien Unterstützungsangebot für Familien.
Die Zahlen sind alarmierend – und sie betreffen viele Familien direkt vor der eigenen Haustür. Bis zu 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland leiden an einer psychischen Störung. Auch im Stadt- und Landkreis Karlsruhe zeigt sich diese Entwicklung deutlich: Im Jahr 2024 wurden hier 9.808 bei der AOK versicherte Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 19 Jahren wegen einer psychischen Erkrankung behandelt. Das entspricht einem Anteil von 20,7 Prozent.
Besonders besorgniserregend ist die Dynamik dieser Entwicklung. Innerhalb von nur vier Jahren ist die Zahl der betroffenen jungen Menschen um 18,6 Prozent gestiegen. 2020 waren es noch 8.270 Versicherte dieser Altersgruppe. Am häufigsten diagnostiziert wurden dabei Angststörungen.
„Die Dunkelziffer liegt sicherlich höher“
„Die Dunkelziffer liegt sicherlich höher. Denn es können nur Versicherte ermittelt werden, die sich tatsächlich in ärztlicher Behandlung befanden“, erklärt Petra Spitzmüller, Geschäftsführerin der AOK Mittlerer Oberrhein. Viele psychische Belastungen blieben lange unentdeckt oder würden erst spät professionell begleitet.
Dabei seien Ängste bei Kindern zunächst nichts Ungewöhnliches. „Viele Kinder haben Ängste. Diese gehören zur normalen Entwicklung“, so Spitzmüller. Problematisch werde es jedoch dann, wenn Ängste übermäßig stark werden, den Alltag dominieren und sowohl das Kind als auch die Familie belasten.
Digitales Hilfsangebot für Eltern und Angehörige
Um Familien frühzeitig zu unterstützen, bietet die AOK einen frei zugänglichen Online-Kurs an: den „Familien-Coach Kinderängste“. Das digitale Angebot richtet sich an Angehörige von Kindern im Alter von drei bis zwölf Jahren und wurde von wissenschaftlichen Expertinnen und Experten des Universitätsklinikums Köln entwickelt.
Der Coach vermittelt umfassende Informationen und alltagstaugliche Hilfestellungen zu verschiedenen Formen von Ängsten – darunter Trennungsangst, soziale Ängste, Leistungsangst oder seelische Belastungen. Konkrete Beispiele, interaktive Übungen, alltagsnahe Kurzvideos und wissenschaftlich fundierte Inhalte sollen Eltern dabei helfen, Angstsituationen besser zu verstehen und ihr Kind gezielt zu unterstützen.
Ziel ist es, das Selbstvertrauen der Kinder zu stärken, eigene Verhaltensmuster zu reflektieren und gemeinsam Wege zu finden, Ängste erfolgreich zu bewältigen. Ein einführender Film erleichtert den Einstieg in das Programm.
Anonym, kostenfrei – aber mit Augenmaß
Das Angebot ist anonym nutzbar, frei zugänglich und kostenfrei. Eine Registrierung ermöglicht den Zugang zur Vollversion des Programms. Petra Spitzmüller weist jedoch darauf hin, dass Eltern von Kindern mit einer diagnostizierten Angststörung die Nutzung des Familien-Coaches vorab mit der behandelnden Fachkraft abstimmen sollten. So könne geklärt werden, ob das Angebot sinnvoll in das individuelle Behandlungskonzept eingebunden werden kann.
„Fangen Sie einfach an – es lohnt sich“, lautet das ermutigende Motto des Programms. Gerade angesichts steigender Fallzahlen soll der Familien-Coach dabei helfen, frühzeitig gegenzusteuern und Kinder in ihrer seelischen Entwicklung zu stärken.
Weitere Informationen zum Familien-Coach Kinderängste sind hier zu finden. Das Angebot richtet sich an alle Interessierten und ist unabhängig von einer AOK-Mitgliedschaft nutzbar.
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